Der Medien-Kommissar
Das neue Salzburg

Europa wichtigstes Kulturfestival wird nach vielen Jahren der inhaltlichen Stagnation entstaubt: Die Salzburger Festspiele öffnen sich endlich für das Ungewöhnliche und Unerwartete. Doch alles klappt noch nicht.
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Salzburg ist wieder die große Bühne. Am Mittwoch wird Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron samt Gattin auf Einladung des österreichischen Bundeskanzlers Christian Kern ein Konzert bei den Salzburger Festspielen besuchen. Der Ort passt in diesem Jahr besonders gut. Denn Macron und sein zur Wiederwahl stehender Amtskollege in der Alpenrepublik wollen ihre Länder entstauben. Genau das versuchen auch die Salzburger Festspiele – nach Jahren der inhaltlichen Stagnation.

Unter dem neuen Intendanten Markus Hinterhäuser werden endlich neue Wegen beschritten. Statt mit gängigen Opern auf Nummer sicher zu gehen, geht der frühere Chef der Wiener Festwochen andere Wege. Mit ihm sind die Salzburger Festspiele wieder zu einem Ort des Ungewöhnlichen und Unerwarteten geworden.

Die selten gespielte Oper „La clemenza di Tito“ unter der kongenialen Regie von Peter Sellars und der exzellenten musikalischen Leitung von Teodor Currentzis, Alban Bergs imposantes Kriegsopus „Wozzeck“ oder „Lady Macbeth von Mzensk“, die faszinierende Geschichte der Emanzipation mit Sex, Blut und Gewalt von Dmitri Schostakowitsch sind dafür Paradebeispiele. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte die russische Oper mit ihren einprägsamen Bildern.

Im Bemühen um eine Entstaubung der Salzburger Festspiele gelingt mit einem Schlag nicht alles. Das Schauspiel erweist sich als sensibler Punkt der Erneuerung. Die Inszenierung von Frank Wedekinds expressionistisches Skandaldrama Lulu – stets eine große Herausforderung für jeden Regisseur – blieb unter den Erwartungen. Aber auch Ödön von Horváths Volksstück „Kasimir und Karoline“ des New Yorker Theaterunternehmen 600 Highwayman mit einem Mix aus Laiendarstellern und Schauspielern erwies sich als Enttäuschung.

Unterm Strich bleibt: Das Risiko des neuen Intendanten Hinterhäuser hat sich ausgezahlt. Salzburg ist wieder inhaltlich spannend. Das ist eine große Leistung. Als ich Helga Rabl-Stadler, seit 22 Jahren Präsidentin der Salzburger Festspiele, in ihrem heiteren, mit frischen Blumen geschmückten Büro im Salzburger Festspielhaus besuche, ist die 69-Jährige begeistert, geradezu euphorisch. „Dieser Sommer schreibt Festspielgeschichte“, schwärmt die ehemalige Journalistin, Unternehmerin und Politikerin.

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  • Das neue Salzburg ein spannender Titel insbesondere dann, wenn eines der Hauptstücke der Jedermann ist und Mozart den anderen Pol darstellt. Auf die Kritiken für den Wozzeck bin ich gespannt, ist doch Büchner ein Langweiler schlechthin. Hoffentlich behält Frau Helga Rabl-Stadler recht.,

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