Der Medien-Kommissar
Das Putin-Interview war eine Sternstunde im Ersten

Das Gespräch von NDR-Autor Seipel mit Kreml-Chef Putin wurde als zu zahm kritisiert. Doch die Kritiker liegen falsch. Mit dem Interview hat die ARD gezeigt, wie spannend Politik im Fernsehen sein kann.
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Politik und Fernsehen – das ist keine Liebe. Selten gehen Interviews mit Politiker in die Tiefe. Nur in Ausnahmefällen haben Entscheidungsträger ausreichend Zeit, komplexe und komplizierte Sachverhalte dazustellen und ihre Position abzuleiten. Eine Ausnahme macht nun die ARD mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. Im Ersten wurde dem Kreml-Chef reichlich Zeit gegeben, endlich seine Sicht der Dinge ausführlich darzustellen. Interviewer Hubert Seipel gelang es, einen Dialog abseits von pseudo-kritischen Allerlei zu entwickeln. Der Russland-Experte war endlich einmal ein Fragesteller und kein Selbstdarsteller. Das tat der Sache gut, auch wenn Putins Argumente für einen Verstoß gegen das Völkerrecht durch die Annexion der Halbinsel Krim schwer erträglich sind.

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Die kritische Auseinandersetzung mit auch manch alten Argumenten erfolgte danach unter der ausnahmsweise geglückten Regie von Günther Jauch. Die Runde mit dem stets klugen Historiker Heinrich August Winkler und der nie um ein klares Wort verlegenen WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich fast ideal besetzt. Selbst Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erwies sich diesmal als sinnvolle Ergänzung, um die Folgen des Ukraine-Konfliktes zu diskutieren.

Fernsehen kann nicht die Diplomatie ersetzen. Doch um eine neue Spirale der Gewalt zu vermeiden, ist es wichtig, dass Deutschland und Russland im Gespräch bleiben. Dazu gehören natürlich internationale Konferenzen und Treffen auf Regierungsebene, aber eben auch die Kommunikation über Massenmedien. Vor diesem Hintergrund war das Interview mit Putin und die anschließende kritische Analyse seiner Aussagen eine Sternstunde im Ersten.

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Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Das Putin-Interview war eine Sternstunde im Ersten"

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  • Herr Daniel Mayer wenn Sie das Assoziierungsabkommen gelesen hätten, insbesondere Artikel 7 - militärische Zusammenarbeit-, dann wüssten Sie, dass ein Verbleib der Russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim nicht möglich gewesen wäre.

  • @Herr J. Falle

    Aber viele deutsche Minister(innen) haben das nicht realisiert.

    Richtig. Sie haben es auch deshalb nicht realisiert, weil ihre politische Karriere und ihre Bezahlung davon abhängen, dass sie es nicht realisieren.

  • Es war doch eine Wohltat für den Zuschauer, nicht die von den USA gesteuerten Zeitungsartikel und Interviews
    zu hören, sondern auch mal eine faire Tatsachenbestimmung.
    Die USA ist schon lange nicht mehr die Nr. 1, weder wirtschaftlich noch politisch. Aber viele deutsche Minister(innen) haben das nicht realisiert.
    Ein Zitat von Otto von Bismarck, 1884, 28.01.
    Sie müssen nicht glauben, dass man dadurch, dass man Minister wir, sofort wesentlich klüger wird.

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