Der Medien-Kommissar
Der einsame Jan Böhmermann

Springer-Chef Döpfner solidarisiert sich mit Jan Böhmermann im Streit um seine TV-Satire auf den türkischen Präsidenten. Die Intendanten von ARD und ZDF sowie die Bundesregierung ducken sich stattdessen weg.
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Die Einsamkeit des Satirikers Jan Böhmermann nach der umstrittenen Erdogan-Satire im ZDF ist augenfällig. Weder ZDF-Intendant Thomas Bellut noch seine Kollegen von der ARD unterstützen das große TV-Nachwuchstalent, nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hartnäckig eine Strafverfolgung des Komikers fordert. Die Chefetagen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ducken sich mutlos weg. So viel Feigheit war selten.

Dabei hätte es am Wochenende eine exzellente Möglichkeit gegeben, die Kunst- und Meinungsfreiheit zu verteidigen. Denn Böhmermann wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis für seine Satire in seiner Show „Neo Magazin Royal“ um den Stinkefinger des früheren griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis ausgezeichnet. Zudem erhielt der Entertainer am gleichen Abend eine „besondere Ehrung“ für seine Verdienste um die Entwicklung des digitalen Fernsehens vom Deutschen Volkshochschul-Verband, der zusammen mit ZDF, WDR und dem Land Nordrhein-Westfalen das Grimme-Institut in Marl finanziert. Doch die Mächtigen des Gebührenfernsehens haben die Chance vergeben. Sie haben Böhmermann, der in kluger Voraussicht der heuchlerischen Show am Rande des Ruhrgebiets fernblieb, bewusst allein gelassen.

Umso mutiger ist es, dass sich überraschendweiser gerade Mathias Döpfner mit dem TV-Entertainer solidarisiert. Der Vorstandschef des börsennotierten Medienkonzerns Axel Springer will sogar notfalls mit dem Satiriker gemeinsam die Anklagebank drücken. „Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen. Vielleicht lernen wir uns auf diese Weise vor Gericht kennen“, schrieb Döpfner in der konzerneigenen „Welt“.

Dass der einflussreichste Medienmanager in Deutschland sich an die Spitze im Kampf um die Freiheit der Kunst stellt, ist ein Novum in der Branche, in der ansonsten vor allem Ebitda-Marge und Börsenkurs zählen. Schon lange gab es keinen Konzernlenker aus der Medienbranche mehr, der so ein klares Bekenntnis in einer politisch brisanten Kontroverse abgelegt hat.

Wer Döpfner – ein leidenschaftlicher Liebhaber und Förderer der Kunst – kennt, weiß, wie ernst der gelernte Musikwissenschaftler seinen Aussagen meint. Er ordnet auch das angebliche Schmähgedicht auf Erdogan ein. „Dass Ihr Gedicht geschmacklos, primitiv und beleidigend war, war ja – wenn ich es richtig verstanden habe – der Sinn der Sache“, erkennt Döpfner als einer der wenigen im Lande.

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Großes Schweigen in Berlin

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  • Es war Mappus.

  • - Die AFD muss und wird die CDU als Partei der Bürgerlich-Konservativen sowohl in der Mittelschicht wie auch der Arbeiterschicht ablösen, dahin muss die volle Kraft der AFD Parteistrategie gehen. -

    Das ist vielleicht gar nicht so schwer mit der Ablösung der CDU: Der ehemalige Ministerpräsident von BW sagte einmal, "die CDU ist ein Scheißverein" .

    Und ein Verein gegen eine aufstrebende Partei wird immer den Kürzeren ziehen.

  •  Vergessen wir heute, wo nun auch viele eher links stehende Bürger merken, das diese Regierung nichts für sie und das Land tut, woher die Kritik zuerst kam, von den mutigen Leuten der AfD.

    Es war die AfD, die die Analyse zur Lage der Nation als erste mutig betrieben und vor allem auch formuliert hat. Der EUR zerstört die Mittelschichten in ganz Europa, zerstört die deutschen Renten, aber die Merkel-Regierung ist das nicht so wichtig, hauptsache die Banken und der unnütze EUR werden gerettet.
    In Berlin und anderen deutschen Städten regieren mittlerweile in Wirklichkeit Mafia und Araberclans (s. DIE WELT Headline gestern), machen Mrd mit organisierter Kriminalität, waschen diese Gelder mittlerweile durch Investments in Immobilien und andere Branchen, doch niemanden in der Regierung störts. Stattdessen müssen Leute die die GEZ Gebühren verweigern in den Knast, während die arabische Sippe weiter Drogen an unsere Kinder vertickt.

    Gegenüber Despoten und mittelmässigen Volkswirtschaften knickt die Kanzlerin ein, weil sie sie für Ihre falsche Politik braucht. Nun erst, wo ein bisher eher linker und merkeltreuer Satiriker selbst merkt, dass wer sich auf Merkel verlässt, verlassen ist, kommt breite Aufmerksamkeit in Fahrt.
    Der wahre Feind des Bürgertums ist mittlerweile die CDU, die Linken werden sowieso kleiner je größer der alltägliche Druck auf die braven fleissigen und rechtschaffenden Bürger wird, viele Gewerkschafter wählen schon jetzt zurecht die wahre Arbeiterpartei, die AfD.

    Die AFD muss und wird die CDU als Partei der Bürgerlich-Konservativen sowohl in der Mittelschicht wie auch der Arbeiterschicht ablösen, dahin muss die volle Kraft der AFD Parteistrategie gehen.

    Der ehrliche, fleissige und wert-konservative Bürger hat endlich wieder eine Lobby, die AfD. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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