Der Medien-Kommissar
Der Medienflop von Kitzbühel

Das Medienspektakel um das Hahnenkamm-Rennen war trotz der Werbetrommel von Red Bull und ZDF sowie ORF nicht nur sportlich eine Enttäuschung. Der Nobelskiort braucht ein neues Geschäftsmodell.
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An Red Bull hat es nicht gelegen. Der Brause-Hersteller des Milliardärs Dietrich Mateschitz hatte bereits Wochen vorher mit dem Kinofilm „Streif - One Hell of a Ride“, der von der Konzerntochter Servus TV koproduziert wurde, dem angeblich gefährlichsten Skirennen der Welt ein filmisches Denkmal gesetzt. Der zweistündige Film ist ein großartig gemachter Werbesport für das Hahnenkamm-Rennen auf der legendären Streif-Abfahrt. Doch ausgerechnet in der 75. Auflage erwies sich der Wettkampf als medialer Flop. Der Höllenritt auf der bis zu 85 Prozent steilen Eispiste fiel wetterbedingt aus. Die legendäre „Mausefalle“, ein Steilhang mit Sprüngen bis zu 80 Metern, wurde wegen dichten Nebels gestrichen. Für die Skirennläufer war das ungefähr so  als würde einem Gladiator die Arena weggenommen. Die kürzeste Streif aller Zeiten verkam zum Streifchen.

Für Kitzbühel ist das eine bittere Enttäuschung. Der Tiroler Nobelskiort am Fuß des Wilden Kaiser braucht den medialen Glanz wie ein Durstiger das Wasser. Das Hahnenkamm-Rennen ist traditionell das Hochamt der Markenpflege für das Millionärsparadies. Im Gefolge der Gladiatoren auf zwei Brettern reisen Jahr für Jahr die Schönen und Reichen in die Tiroler Berge.

Doch diesmal fiel die große Show bescheiden aus. Wirtschaft und Politik blieben dem medialen Spektakel weitgehend fern. Sie überließen die Bühne in der Schicki-Micki-Kleinstadt lieber Lederhosen-Musiker Andreas Gabalier, Fernsehsehschönheit Verena Pooth, Opernball-Chef Richard Lugner („Mörtel“) oder Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone. Selbst die Audi Night, die angesagte Party des Ingolstädter Automobilhersteller im Luxushotel „Zur Tenne“ war quasi ein Businesstermin. Dort trafen der Audi- und VW-Vorstand auf bekannte Geschäftspartner wie Continental-Chef Elmar Degenhart, Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann, Gesellschafterin des Autozulieferers Schaeffler oder Springer-Vorstand Andreas Wiele. Der österreichische Verleger Wolfgang Fellner („Österreich“) brachte es auf den Punkt, weshalb er noch nach Kitzbühel käme – aus beruflichen Gründen.

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