Der Medien-Kommissar Der Mythos Hollywood verblasst

Die Globalisierung der TV-Produktion lehrt die Traumfabrik das Fürchten. Die Kreativität im Fernsehgeschäft hat sich internationalisiert. Die Studios der amerikanischen Konzerne finden darauf eine Antwort.
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Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

RTL verschickte am Montag eine Pressemitteilung, die fälschlicherweise kaum beachtet wurde. Deutschland größter Privatsender gibt der ARD-Tochter Global Screens für den Filmrechtevertrieb den Laufpass. Die Münchner Global Screen GmbH, eine Tochter der Bavaria Film und der Rechtevertriebsfirma Telepool, verkaufte bislang in Cannes und anderen Marktplätzen der Fernsehbranche die Lizenzen von RTL-Serien und Shows. Damit machte die private Tochter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks lukrative Geschäfte.

Die absurde Situation, dass eine ARD-Firma für RTL Fernsehrechte verkauft, ist nun beendet. Denn künftig wird Fremantle Media, die Produktionstochter (Ufa) diese Aufgabe übernehmen. Ein medienpolitisches Unding ist damit aus der Welt geschafft.

So macht das „Dschungelcamp" die RTL Group attraktiver

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Fremantle Media ist längst eine Branchenriese und dennoch weitgehend unbekannt. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten hat die hundertprozentige Tochter von Europas größtem Fernsehkonzern RTL Group einen bedeutenden Aufstieg geschafft. Firmen wie Fremantle haben Hollywood in Europa das Fürchten gelernt. Über Zukäufe und Fusionen stieg das unter dem damaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff erworbene Unternehmen zu einem wichtigen Konzern auf.

Fremantle ist mittlerweile in mehr als 30 Ländern von Deutschland, Frankreich, Italien und UK bis nach Brasilien, Mexiko, China und Indonesien mit fast 50 Firmen vertreten. Mit einem Umsatz von 618 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2016 spielt Fremantle in der ersten Reihe bei der globalen Fernsehproduktion mit.

Tops und Flops im Fernsehjahr 2016
Platz 12: „Das WTA-Finale“
1 von 12

Angelique Kerber gehört zu den weltbesten Tenniscracks. Im Fernsehen ist sie allerdings nicht allzu interessant. Den endgültigen Abschluss des WTA-Finales in Singapur schauten gerade mal 1,6 Millionen Menschen. Für das ZDF war das leider eine Pleite.

Platz 11: „Die große Show der Träume“
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Die Schweizer Moderatorin Beatrice Egli bietet eine Bühne, auf der sich ihre Gäste austoben können. Die Sendung erreichte allerdings nur knapp 2,6 Millionen Zuschauer auf dem Ersten.

Platz 10: „4 geben alles“
3 von 12

Das von Steven Gätjen moderierte Familienduell erzielte nur schlechte Einschaltquoten. Nur 2,6 Millionen Zuschauer haben die Show beim ZDF verfolgt.

Platz 9: „Der Andere“
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Die Geschichte um den jungen Flüchtling Nama (Nama Traore) und Willi (Jesper Christensen) wurde von Kritikern gelobt. Die Zuschauer bleiben dennoch aus. gerade einmal 2,9 Millionen Menschen konnten sich für das Drama begeistern.

Platz 8: „Vorstadtweiber“
5 von 12

Die Persiflage der Wiener Nobelviertel kann in Deutschland nur bedingt Punkten. Mit ihren drei Staffeln erzielte die Serie im Schnitt nur ungefähr drei Millionen Zuschauer. An den ähnlichen US-Serienhit „Desperate Housewives“ kommt die Show nicht ran.

Platz 7: „Böse Wetter“
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Der letzte Film mit Götz George ist ein Krimi-Drama, das sich mit einem Grubenunglück aus der DDR-Zeit beschäftigt. Das kam gut bei den Zuschauern an. Rund fünf Millionen Menschen haben den Film gesehen.

Platz 6: „Ku'damm 56“
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Der Dreiteiler erzählt die Geschichte dreier Töchter einer Tanzschulbesitzerin. Während zwei sich damit zufrieden geben, dass ihr Leben über den Platz an der Seite eines Mannes bestimmt wird, kämpft die von Sonja Gerhardt verkörperte Monika um die Gunst ihrer Mutter und gegen die damaligen Konventionen. Zwischen 5,5 und 6,3 Millionen Zuschauer konnten sich für die Filme begeistern.

Noch im vergangenen Jahrhundert war Europa für Hollywood eine sichere Bank. Die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender kauften bei Disney, Sony, Warner, Paramount, Universal oder Fox, was das Zeug hält. Der Appetit von immer mehr Sendern auf einen überschaubaren Markt von Serien, Soaps, Shows und Spielfilmen war gewaltig. Mit preiswert gemachten Reality-TV und Factual Entertainment eroberten hingegen die europäischen Produzenten Marktanteile zurück und wurden selbst zu Giganten, die Hollywood in die Defensive in Europa brachten.

Doch die Studios der großen amerikanischen Medienkonzerne haben darauf eine Antwort gefunden. In den vergangenen Jahren bauten sie systematisch Produktionskapazitäten auf dem Alten Kontinent auf. Mit kleinen und mittleren Produktionsfirmen kamen sie dem lokalen Geschmack in den höchst unterschiedlichen Fernsehmärkten entgegen. Gleichzeitig griffen sie bei jeder möglichen Kaufgelegenheit zu. Sony Pictures übernahm den Eigentümer von „Wer wird Millionär?“, 2waytraffic. Warner Bros. verleibte sich Eyeworks ein, Liberty Global und Discovery übernahmen All3Media. Die größte internationale Produktionstochter schuf freilich Rupert Murdochs Hollywood-Tochter 21st Century Fox mit der Fusion von Shine und Endemol.

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Trotz der Konsolidierung mit dem Geld aus Hollywood ist die einst von Kulturpessimisten befürchtete McDonaldisierung in der Fernsehproduktion ausgeblieben. Im Gegenteil: noch nie gab es so eine Vielfalt an höchst unterschiedlichen Unterhaltungsprogrammen.

Die Internationalisierung der Fernsehproduktion hat freilich Folgen für die Traumfabrik in Kalifornien. Der Mythos Hollywoods verblasst zunehmend. Längst sind die Studios in Los Angeles nicht mehr das Maß aller Dinge in der Fernsehunterhaltung – trotz der Expansion auch nach Europa. Die Kreativität hat sich längst globalisiert. Neben traditionell starken TV-Kreativländern wie Großbritannien und Niederlanden, haben sich neue Regionen etabliert wie Skandinavien, Südostasien, aber auch Indien. Inhalte werden heute global kreiert, finanziert und produziert. Das Quasi-Monopol Hollywood hat aufgehört zu existieren. Sender und Zuschauer dürfen sich unterdessen freuen. Nie gab es so viel Entertainmentangebote wie heute.

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