Der Medien-Kommissar
Der rote Medien-Stier

Red Bull baut sein Medienimperium weltweit aus. Zeitschriften und TV-Sender transportieren die Marke, der österreichische Brausehersteller vermischt Werbung und Unterhaltung. Das hat dramatische Folgen für den Zuschauer.
  • 1

Eigentlich müsste Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz bei seinem Fernsehsender Servus TV längst den Stecker ziehen. Denn der Privatkanal, der sich mit anspruchsvollen Inhalten nach öffentlich-rechtlichem Vorbild einen guten Ruf erworben hat, schreibt tiefrote Zahlen. Mateschitz, der öffentlichkeitsscheue Milliardär aus Fuschl am See, zieht es traditionell vor zu schweigen. Doch Servus TV fährt offenbar horrende Verluste ein. Nach Schätzungen von Brancheninsidern sollen sich die Anlaufverluste auf 50 Millionen und mehr belaufen.

Davon allerdings lässt sich der sendungsbewusste Unternehmer nicht schrecken. Im Gegenteil: Er investiert fleißig weiter in Servus TV. In der kommenden Saison startet der Salzburger Kanal ein neues, teures Magazin namens „TM Wissen“, kauft in Cannes aufwendige US-Serien wie „Copper“ mit Franka Potente und schnappt der Konkurrenz opulente Dokumentationen wie den Klimawandel-Streifen „Harmony“ weg. Mittlerweile beschäftigt Servus TV rund 300 Mitarbeiter am Standort Salzburg.

Dabei ist der Sender nur einer von vielen Bausteinen des roten Medien-Stiers. Weitgehend unbemerkt arbeitet Dietrich Mateschitz an einem weltweiten Medienimperium. Erst vor wenigen Tagen unterzeichnete sein Red Bull Media House mit Fox Sports einen dreijährigen Programmliefervertrag. Der Sportsender des Medien-Tycoons Rupert Murdoch wird künftig alle vier Red Bull World Series in den USA übertragen. Die Red Bull Crashed Ice World Championship, die Red Bull X-Fighters Freestyle Motocross World Tour, die Red Bull Cliff Diving World Series und die Red Bull Air Race World Championship werden rund 180 Stunden live über die amerikanischen Bildschirme flimmern – ein Meilenstein für den Energiegetränke-Hersteller.

Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen

Kolumnenkabinet

Als Dietrich Mateschitz, ein früherer Handelsvertreter von Jacobs Kaffee, 1987 mit Red Bull sein erstes Energiegetränk auf den Markt brachte, ahnte niemand, dass ihn diese Geschäftsidee zum reichsten Menschen Österreichs machen würde. Heute ist Red Bull der Weltmarktführer unter den Energydrinks. Während Konkurrenten nicht einmal ahnten, was Content Marketing ist, machte er die Marke zum Medieninhalt – eine unternehmerische Leistung der Sonderklasse.

Mit dem Stratosphärensprung ist Red Bull zur globalen Marke aufgestiegen. Das Abenteuer seines Zöglings Felix Baumgartner sahen weltweit Hunderte von Millionen Menschen. Allein bei Youtube riefen mehr als 35 Millionen Nutzer das Video zu „Red Bull Stratos“ ab. So eine Aktion hatte es in der Geschichte der Markenkommunikation noch nicht gegeben.

Mateschitz geht auch unkalkulierbare Risiken für seine Marke ein. Denn manche der Red Bull-Abenteuer können tödlich enden. Erst vor wenigen Tagen stürzte der ungarische Flügel-Springer Viktor Kovats bei einem Übungssprung für den von Red Bull ausgerichteten Wettbewerb in den Tod. Er stürzte in China auf eine Klippe, weil sich sein Fallschirm nicht öffnete. Einen Ersatzfallschirm gab es nicht. Ein globaler Proteststurm blieb aus.

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Der rote Medien-Stier"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese Entwicklung war schon lange abzusehen.
    Eine Content-Industrie weiß sich eben zu helfen, wenn man Zensur statt Aufklärung und Medienkompenz bevorzugt.
    Nachrichten sind stinklangweilig, manchmal muß man sich 3 Tage lange diesselben Bilder ansehen, Foren und Blogs werden zensiert, ähh, reguliert, nein, auch nicht, moderiert nennt man das jetzt, Schlaglichter statt Informationen, Rekorde als High-Lights und mit Stolz geschwellter Brust tolle Sachen aus Youtube suchen, natürlich nur wenn man den richtigen Proxy in D hat.
    Social-Scripts als Tränen- und Gesellschaftsdrücker für Produktwerbung, auch die deutschen Werbemacher habens schon begriffen. Zu Hause im Glück eben, so macht man das heute. Medienaufsicht? Ach Medienaufsicht, sind das diejenigen die aufpassen das man im Netz kein kopulierendes Paar oder Nazis sieht, aber Blutrausch und Poker garnicht so schlimm ist? Ach stimmt ja, die sollen sich ja an die Genfer Konvention halten.
    Voll verpennt kann man da nur sagen, Hauptsache es raubt keiner Kopien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%