Der Medien-Kommissar
Die ARD verlässt die Wagenburg

Die neue ARD-Chefin Karola Wille verspricht, den Unmut der Gebührenzahler nicht weiter zu ignorieren. Doch ohne eine tiefgehende Reform der Rundfunkfinanzierung werden die Anstalten weiter isoliert bleiben.
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An Skandalen hat es beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in den vergangenen Jahren nicht gemangelt. Udo Foht, ehemaliger allmächtiger Unterhaltungschef MDR, musste wegen undurchsichtiger Finanzgeschäfte vor Jahren gehen. Der Millionenbetrug um den in Erfurt ansässigen Kinderkanal erschütterte das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter, genauso wie die Bewährungsstrafe wegen Bestechlichkeit für den früheren MDR-Sportchef Wilfried Mohren. Intendantin Karola Wille hatte in der auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofs angesiedelten Rundfunkanstalt in Leipzig in den vergangenen Jahren ordentlich aufgeräumt. Ihre Arbeit wurde dabei vom tragischen Selbstmord ihres Vorgängers Udo Reiter überschattet. Der langjährige MDR-Intendant hatte sich 2014 selbst erschossen.

Zu Jahresbeginn hat die ehrgeizige Juristin nun den ARD-Vorsitz übernommen. Wille tritt ein schweres Amt an. Denn unter ihren Vorgänger, NDR-Intendant Lutz Marmor, ist das Gebührenfernsehen in die schwerste Krise seiner Geschichte geschlittert. Durch die Einführung der Haushaltsabgabe ist zu einer tiefen Entfremdung zwischen den Rundfunkanstalten und den Bürger gekommen. Reformen für mehr Effizienz wurden verschleppt oder gar nicht erst angegangen.

Hinzu kommt, dass vor allem jüngere Zuschauer immer weniger bereit sind, ein Rundfunksystem zu finanzieren, dass sie nicht konsumieren. Der Generationenabriss ist längst eine bittere Tatsache. Schon heute beträgt das Durchschnittsalter der Zuschauer beim Ersten und in den Dritten Programme 60 Jahre und älter.

Karola Wille hat also bei der ARD einen Berg von Arbeit vor sich. Es naiv zu glauben, dass innerhalb des zweijährigen ARD-Vorsitzes der kommunikationsstarken MDR-Chefin tatsächlich die meisten Probleme gelöst werden könnten. Doch zumindest unternimmt Wille erstmals den ernsthaften Versuch, den völlig abgerissenen Dialog mit den Gebührenzahlern wieder aufzunehmen. Sie hat erkannt, dass in Teilen der bundesrepublikanischen Gesellschaft die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Im Gegenteil, die Anstalten haben sich durch Arroganz und Selbstgerechtigkeit viel Unmut und häufig auch Ablehnung zugezogen.
Wille zieht aus der Legitimationskrise von ARD und ZDF nun die richtigen Schlussfolgerungen. Das ehrt sei. Die 56-Jährige will dieser Tatsache „stellen, sich damit auseinandersetzen und aufklären“. Dazu gehört der „nachhaltige, kontinuierliche und wahrhafte Dialog mit den Beitragszahlern“, sagt die neue ARD-Chefin. So klar und deutlich hat es vor Wille noch kein einziger ARD-Vorsitzender ausgesprochen. Sie verspricht „umfassende Transparenz in wirtschaftlichen und journalistischen Handeln und eine Fehlerkultur, die von Offenheit und Kritikfähigkeit gegenüber den Beitragszahler bestimmt ist.“

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  • Sie reden bzw. schreiben völlig wirr .....

  • Höchste Zeit das dieser dilettantische und zum Bersten aufgeblähte Apparat öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten geschlossen wird, brauchen wir nicht mehr.
    Gerade die jüngsten Vorfälle in Köln oder der Konflikt in der Ukraine etc. etc. zeigen eklatant, dass zahlende Publikum wird solange es sich aufrecht halten lässt systematisch betrogen und belogen, richtig widerlich was da teilweise abgeht.

  • Was war denn "kürzlich"? Seit dem 04.01., als die Katze aus dem Sack war, konnten sogar die ÖR nicht mehr anders, als über diese schon etwas betagten "Neuigkeiten" zu berichten. Sogar mit mehreren ARD-Brennpunkten. Natürlich nicht, ohne vor einer "Instrumentalisierung von rechts" zu warnen.

    Der Einzige der, meines Wissens, schon vor dem 04. darüber berichtet hat, war der Kölner Stadtanzeiger.
    Ich verlasse mich bei sowas auf die Deutschen Wirtschaftsnachrichten im Netz.

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