Der Medien-Kommissar
Die gefährliche Spirale des Populismus

Österreichs Bundeskanzler Christian Kern warnt Medien und Politik vor einer gnadenlosen Gefallsucht. Das hat durchaus Ironie – ist der Regierungschef doch selbst Teil der von ihm angeprangerten Spirale des Populismus.
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Einen eleganteren Rahmen für den Start in die Woche hätte sich Österreichs Bundeskanzler Christian Kern nicht wählen können. Umgeben von der opulenten Pracht des Wiener Rathauses eröffnete der sozialdemokratische Regierungschef den European Newspaper Congress. Der Redner war vom Verleger Johann Oberauer („Kress“) nicht nur angesichts seines Amtes ausgewählt worden. Denn Kern hat Kommunikationswissenschaften studiert und war früherer als Wirtschaftsjournalist tätig. Der 51-Jährige weiß daher beim Thema „Im selben Boot? Politik und Medien im Zeitalter von Fake-News und Populismus“ worüber er spricht.

Im Gegensatz zu manch anderen Redner des Mediengipfels machte sich der Regierungschef tatsächlich tiefere Gedanken über die „wechselseitige Konditionierung“ von Medien und Politik. Seine ernüchternde These: „Politik und Medien bedienen eine Spirale des Populismus.“ Durch die Digitalisierung wird diese Spirale immer weiter gedreht. So weit, dass Politiker und Medien die tatsächliche Wirklichkeit ignorieren. Kern diagnostizierte den Algorithmus als „neuen Gott der Quote“. Information entpuppe sich als Ware, die mit Klicks bezahlt werde.

Das eine ist die medienwissenschaftliche Erkenntnis, das andere die politische Realität. Tatsächlich findet in Österreich mit dem Sozialdemokraten Kern und seinen konservativen Herausforderer Sebastian Kurz (ÖVP) ein gnadenloses Rennen der Gefallsucht statt. Beide Politiker drehen die Spirale des Populären immer weiter. „Politik besteht heute zu 95 Prozent aus Inszenierung“, konstatiert und kritisiert der Kanzler zugleich. Nachdem die ÖVP unter ihren neuen Chef Kurz die ohnehin dahindümpelnde Koalition in der vergangenen Woche platzen ließ, muss Kern sich im Oktober bei den vorgezogenen Wahlen dem Votum der Bürger stellen.

Das Lamentieren des Kanzlers über die Medien ist nicht frei von unfreiwilliger Ironie. Denn Kern ein Musterbeispiel für die Gefallsucht. Um sein volkstümliches Image aufzupolieren, lässt der Wiener bisweilen den medialen Anstand vermissen. Sein Auftritt als Pizzalieferant war eine verfehlte PR-Nummer. Zu Jahresbeginn inszenierte sich Kern mit einer zweistündigen, genauestens einstudierten Rede in einer von Anhängern gefüllten Arena in der rechtspopulistischen Hochburg Wels als politischer Messias und eröffnete ohne Not einen Wahlkampf zwischen den Regierungsparteien.

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Kern hat im Kampf um die Popularität seinen Meister gefunden

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  • Die Österreicher haben jemanden zum Staatsoberhaupt gewählt, den man nach seinen jüngsten Kopftuch-Äußerungen nur noch als einen armen Irren ansehen kann, der nicht mehr weiß, was er faselt. Ein tragischer Fall.

    Nicht ohne Grund waren diese Äußerungen nie ein Thema hier im Handelsblatt.

    Und Herr Siebenhaar, der an dieser Stelle mal George Soros als "Philanthrop" (!) bezeichnet hat, giftet auch lieber über den "Populismus". Wohlwissend, dass er nie erklären muss, was eigentlich so schlimm daran sein soll, auf die Bedürfnisse des Volkes (= populus) einzugehen.

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