Der Medien-Kommissar
Die Hochzeit als Ware

George Clooney hat sich vom Schauspieler zum Unternehmer gemausert. Der Verkauf seiner Vermählung an die amerikanische Zeitschrift „Vogue” zeigt, wie professionell Clooney als TV-Produzent und Werbeikone vorgeht.
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George Clooney überließ bei der Vermählung mit der 16 Jahre jüngere Amal Alamuddin in Venedig nichts dem Zufall. Seine Hochzeitsgäste wurden verpflichtet, speziell präparierte Mobiltelefone mit entsprechenden Geheimnummern zu nutzen, die anschließend weggeworfen wurden. In Hollywood-Kreisen spricht man vom „burner phones“: Die anomyme Prepaidhandys werden oft in Krimis erwähnt, da sie keine verfolgbaren Spuren hinterlassen sollen.

Über 400 Sicherheitskräfte schirmten die Gäste in den venezianischen Luxushotels ab. Kellner, Zimmermädchen und sonstiges Hotelpersonal mussten ihre Handys abgeben. Sinn und Zweck der Übung: die Macht über die Bilder zu behalten. Denn der Hollywood-Star hat die eigene Hochzeit längst zur Medienware gemacht. Der Käufer: Vogue. Die amerikanische Zeitschriftenikone hat die Rechte an der Vermählung des Glamour-Ehepaars exklusiv erworben. Die legendäre Chefredakteurin der Vogue, Anna Wintour, weilte selbst unter den Gästen der Bilderbuchhochzeit am Canal Grande.

Mit seinem Merkantilismus zeigt George Clooney wie sehr er mittlerweile Profi ist. Längst hat sich der Schauspieler zum Medienunternehmer gewandelt. Zum einen betreibt der 53-Jährige mit Smoke House Pictures – benannt nach seinem Lieblingsrestaurant gegenüber der Studios von Warner Bros. im kalifornischen Burbank – eine Filmfirma, die mit dem Dritten-Reich-Streifen „The Monuments Men“ von sich reden macht.

Zudem ist er eine höchst erfolgreiche Werbeikone. Nicht zuletzt seinem Einsatz als weltweites Testimonial für Nespresso, der Kaffeesparte des Schweizer Lebensmittelgiganten Nestlé, ist der gigantische Erfolg der eigentlich viel zu teuren Alukapseln zu verdanken.

Der Exklusivdeal mit der „Vogue“ ist für Clooney ein Meilenstein. Denn damit hat er bewiesen, dass er längst selbst die Werbebotschaft ist. Während andere Hollywood-Stars wie Angelina Jolie und Brad Pitt aus ihrer Vermählung eine Geheimniskrämerei machen, ist es bei Clooney ein Business. Das Geschäft soll allerdings die Welt verbessern. Denn der Hollywood-Star will das Honorar der „Vogue“ an einer Nicht-Regierungsorganisation seiner Wahl spenden.

Mit dem Verkauf der eigenen Hochzeit poliert Clooney somit nicht nur sein fast makelloses Image auf, sondern behält auch die Kontrolle über die Bilder. Denn die Wirklichkeit kann die Illusion sehr leicht stören. Das ein Schauspieler nur zu gut. Wetten, dass die lautstarken Proteste der Stadtbediensteten bei der Vermählung im venezianischen Rathaus „Ca‘ Farseti“ nicht Bestandteil der „Vogue“-Berichterstattung sein werden. Bestellte Wahrheiten sind eben die schönsten Wahrheiten, vor allem für diejenigen, welche sie in Auftrag geben. Mr. Clooney, herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit!

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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