Der Medien-Kommissar
Die unterschätzte Medienmacht

Rechtspopulisten in ganz Europa nutzen gezielt soziale Netzwerke. Was bürgerlichen Parteien dagegen dort produzieren, ist oft unfreiwillig komisch oder erinnert an DDR-Fernsehen. Ein strategischer Fehler.
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Der erste deutsche Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Konrad Adenauer konnte sich noch wahr Medienabstinenz leisten. Der CDU-Grande genoss in seinem italienischen Feriendomizil abends lieber von seiner mit bodentiefen Fenster ausgestatteten Bibliothek den spektakulären Blick über den Comer See. In seiner Villa La Collina, auf einer Anhöhe im Weiler Cadenabbia gegenüber dem touristischen Sehnsuchtsort Bellagio, suchte der Regierungschef aus Bonn zweimal im Jahr Erholung – auch medial.

Nicht einmal ein Fernsehgerät mit deutschsprachigem Programm stand dem Parteivorsitzenden damals bei seinen mehrwöchigen Aufenthalten im mediterranen Paradies zur Verfügung. Das Internet konnte damals – Ende der 1950er und frühen 1960er-Jahre des 20. Jahrhunderts – niemand erahnen. Der Partei- und Regierungschef ließ sich damals zur Unterhaltung am liebsten Krimis im vertrauten Kreis vorlesen. Eine untergegangene Zeit.

Die politische Kommunikationswelt hat sich so radikal geändert, wie vor einem halben Jahrhundert niemand zu wagen geglaubt hatte. Die sozialen Netzwerke sind heute für die politische Kultur von zentraler Bedeutung. Deshalb nimmt sich auch der mächtigste Mann des Planeten, US-Präsident Barack Obama, täglich Zeit, zehn Anfragen auf Facebook persönlich zu beantworten.

In Deutschland hingegen nehmen die Parteien die sozialen Netzwerke immer noch nicht richtig ernst. Es sind eher bescheidene Versuche, über die neuen Kommunikationskanäle junge und in der Regel politikferne Zielgruppen zu erreichen. Hinter vorgehaltener Hand wird durchaus bekannt, dass zu wenig Geld, Personal und vor allem Ideen in Facebook & Co. investiert wird. Manches, was in den digitalen Werkstätten der Parteien entsteht, ist unfreiwillig komisch oder erinnert in der Machart an die „Aktuelle Kamera“ im DDR-Fernsehen.

In der politischen Arbeit setzen die Parteien überwiegend noch auf Newsletter, Informationsblätter und Schaukästen. Wer heute aber die Stammtische, die Nichtwähler, die Jungen, die Digitalen erreichen will, kommt um die neuen Kommunikationsplattformen nicht herum. Offenbar hat es sich bei Parteienvertretern noch nicht herumgesprochen, dass sie bei einem Auftritt im dritten Programm der ARD im Schnitt nur Zuschauer, sprich Wähler jenseits der 60 Jahre erreichen. Eitelkeit statt Zielgruppenansprache.

Es sind vor allem die bürgerlichen Parteien, welche die Bedeutung von Facebook, Twitter, Instagram & Co. immer noch unterschätzen. Das ist ein strategischer Fehler. Denn die neue politische Konkurrenz von rechts hat die neuen Medienkanäle nicht nur für sich entdeckt, sondern nutzt sie geradezu erschreckend gut. Die rechtspopulistische FPÖ ist dafür ein Paradebeispiel. Der ehemaligen Haider-Partei ist es gelungen, mit Hilfe von Facebook und anderen Plattformen eine schmerzfreie Gegenöffentlichkeit geschaffen, die höchst erfolgreich verzerrt, motiviert und mobilisiert.

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Die unterschätzte Medienmacht"

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  • Ralph S.17.08.2016, 15:55 Uhr
    Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.


    HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA


  • Immerhin wurden die Gesetze von der BKanzlerin & BReg gebrochen (!) und die öR Rfk-Anstalten - finanziert durch Zwangsbeiträge- verbreiten wie ein Staatsrundfunk ein falsches Meinungsbild und wahrheitswidrige Darstellungen! Der zwangsbeitragsfinanzierte "Staatsrfk" hat das Vertrauen der Bevölkerung VERLOREN & ist obsolet! (& kann abgeschafft werden!). Die GLOBALEN sozialen Netzwerke & die globalen Medien (Auslandspresse!!!) geben ein umfassenderes & weniger manipuliertes Meinungsbild wider- bildungsnahe Schichten holen sich hier ihre Informationen & tauschen so ihre Meinungen so unbeeinflußt & effektiver weltweit aus! Der öR Staatsrfk hat nur noch eine "manipulative" Kraft auf die bildungsfernen (Wähler-)Schichten-die sich einen globalen Meinungsaustausch (z.B. aufgrund von Sprachbarrieren!) leisten können!
    Herr "Kommissar", wer ist denn bei Ihnen "Rechtspopulist" ??? Kräfte die das "pseudokriminelle", verfassungs- und rechtswidrige & rechtsstaatferne Verhalten der BReg & ihrer ausländischen Schergen "anprangern", sind keine Populisten sondern RECHTSSCHAFFENDE Bürgerinnen/Bürger, die eine verantwortungslose, an der Macht befindliche "Pseudo-Elite" in ihre Schranken weisst - dass sie sich hierbei der modernsten Medientechnologien international bedient, zeugt doch nur von ihrer geistigen Vitalität - im Gegensatz zu den vergreisten etablierten politischen Pseudoeliten, denen doch schon sehr lange NICHTS mehr sinnvolles & problemlösendes einfällt! Mit durchschaubaren medialen Primitivsprüchen wie "Wir schaffen es!" konnte man vielleicht noch in der DDR & im 3. Reich Probleme lösen (Massenpsychologie)- in eine Welt der globalen sozialen Netzen (wo Juristen, Wirtschaftsfachleute & Ingenieure & Naturwissenschaftler & Mediziner) zusammenfinden eher weniger! Merkel & Konsorten haben schon lange ihren Zenit überschritten - sie sollten ihr Feld freimachen!!!!

  • Die AfD ist ganz sicher eine ganz besonders demokratische Partei geworden, als Rechte und Rechtsnationale nach gründlicher Vorbereitung der zukünftigen Provinzfürstin Petry den „Diktator“ Lucke abgewählt haben.

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