Der Medien-Kommissar
Döpfners neue Welt

Vodafone holt Mathias Döpfner, Chef des Medienkonzerns Axel Springer, in den Aufsichtsrat. Der 52-Jährige will vom Telefonriesen lernen. Und dieses Wissen für die Expansion in Großbritannien und den USA nutzen.
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Mathias Döpfner hat in den USA ein Kunststück fertig gebracht. Bereits seit neun Jahren sitzt der Vorstandschef von Axel Springer („Bild“, „Welt“, Immonet) im Aufsichtsrat von Time Warner (CNN, Warner Bros.). Eigentlich liegt die Verfallszeit von Kontrolleuren in US-Konzernen dieser Größenordnung deutlich darunter. Doch Döpfners Rat ist in New York gefragt. Er stellt die richtigen Fragen im internationalen Aufsichtsgremium.

Das hat sich in der Kommunikationsbranche herumgesprochen. Bereits im vergangenen Jahr zog der promovierte Musikwissenschaftler in das Kontrollgremium des amerikanischen Musikgiganten Warner Music (Red Hot Chili Peppers, Eric Clapton, Linkin Park) ein. Nun hat zum 1. April auch noch Vodafone den Springer-Chef in den Aufsichtsrat berufen. Das ist ein Ritterschlag, denn der britische Konzern gehört zu den weltweit führenden Telekommunikationskonzernen. Allein in Deutschland macht der Telekom-Konkurrent fast zehn Milliarden Euro Umsatz.

Eine solche Berufung schmeichelt natürlich dem nicht zu kleinen Ego eines Managers, der seit dreizehn Jahren unangefochten an der Spitze von Springer steht. Sie gleicht einer Ordensverleihung für den Über-Springer. Schließlich hat es Döpfner geschafft, den einst kriselnden Zeitungskonzern zum führenden digitalen Verlagshaus in Europa auszubauen. Das ist eine Leistung, um die in mancher Konkurrent hinter vorgehaltener Hand beneidet.

Doch bei der Übernahme von Aufsichtsratsmandaten geht es Döpfner nicht um die Befriedigung von Eitelkeiten. Vielmehr begreift er die Arbeit als Kontrolleur als Möglichkeit zu lernen. Es ist kein Zufall, dass sich Axel Springer den Nachrichten- und Dokumentationskanal N24 ins Haus geholt hat. Von Time Warner kennt Döpfner seit Jahren die Tücken des teuren News-Business und weiß dennoch um dessen wirtschaftliche und publizistische Bedeutung für den Konzern.

Durch seine Aufsichtsratsaktivitäten schafft es Döpfner, sein internationales Netzwerk auszubauen und neue Einsichten zu gewinnen. Wie kein anderer CEO hat er das Erbe von Axel „Cäsar“ Springer internationalisiert. Heute erwirtschaftet der einstige „Bild“-Konzern bereits 43 Prozent seiner Erlöse außerhalb Deutschlands. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Springer mehr als die Hälfte der Umsätze im Ausland machen wird.

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