Der Medien-Kommissar
Ein Lästermaul für Kukident-Sender ZDF

61 Jahre ist das Durchschnittsalter beim ZDF. Mit TV-Jungtalent Jan Böhmermann will der Mainzer Sender verlorene Gebührenzahler wieder zurückgewinnen. Ein Risiko, denn Böhmermann ist kein Pointen-Kuschler.
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Das ZDF hat ein Riesenproblem am Hals. Die Zuschauer sind mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren viel zu alt. Die Mainzer Anstalt muss dringend auch jüngere Gebührenzahler wieder vor den Bildschirm holen, wenn es den gesellschaftlichen Rückhalt nicht verlieren will. ZDF-Intendant Thomas Bellut kennt das Problem seit über einer Dekade. Schließlich war der konservativ-liberale Chef der Fernsehanstalt viele Jahre oberster Programmmacher, bevor er den Chefsessel in Mainz übernommen hatte.

Doch eine tiefgreifende Kehrtwende ist bislang ausgeblieben. Bellut will das Problem im Programm in Trippelschritten lösen. Nun wird das TV-Lästermaul Jan Böhmermann ins Rennen geschickt, um zumindest optisch das früher als Kukident-Sender verschriene ZDF zu verjüngen. Ab kommenden Freitag, 5. Februar, hält der talentierte Entertainer endlich mit der Show „ZDF Neo Royal“ seine eigene Show im Hauptprogramm. Sogar ein größeres Studio und eine eigene Band hat ZDF-Chef Bellut dem Nachwuchstalent Böhmermann spendiert.

Groß ist sein Mut aber nicht, den derzeit spannendsten Comedian in Deutschland auf das ZDF-Publikum loszulassen. Der 33-Jährige darf erst kurz nach Mitternacht, genau um 0:15 Uhr, auf Sendung gehen, also wenn die ZDF-Stammkundschaft sich schon im Tiefschlaf wiegt. Böhmermanns Aficionados werden da ohnehin nicht von der Partie dabei sein. Denn die Erstausstrahlung läuft im ZDF 2, offiziell ZDF Neo, bereits am Donnerstag um 20.15 Uhr.

„Über uns ruht die gütige Macht-ihr-mal-Hand des Programmdirektors“, sagte Böhmermann dem „Spiegel“ zu seiner Unterstützung bei den ZDF-Oberen. Tatsächlich haben Bellut und sein Programmdirektor Norbert Himmler leider nicht die Courage gehabt, den ehemaligen Mitarbeiter von TV-Großlästermaul Harald Schmidt zur Helene-Fischer-Hauptsendezeit zu Wort kommen zu lassen.

Die Gefahr, dass Böhmermann eine seiner umstrittenen Hitler-Witze ablässt oder die Pegida-Bewegung durch den verbalen Fleischwolf dreht, ist natürlich groß. So etwas kann leicht ins Auge gehen. Denn Böhmermann ist keiner zum Pointen-Kuscheln. Einer, der Religion als Blödsinn bezeichnet, macht sich im Fernsehrat mit den Lobbyisten des Katholizismus, Protestantismus und Judentums natürlich keine Freunde. Das spürt über kurz oder lang auch die ZDF-Chefetage.

Erste negative Erfahrungen hat Böhmermann schon gemacht. Der österreichischen „Presse“ vertraute der ehemalige Radiomoderator an: „Wenn es gegen die Kirche geht, werden schnell die Mundwinkel herunter gezogen. Da hast du schnell ein Fax mit einer Beschwerde auf dem Tisch, und der Bitte, beim nächsten Mal zu überdenken, ob so ein Witz eine gute Idee ist.“

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