Der Medien-Kommissar
Falscher Schlussstrich beim Kika-Skandal

Das ist der größte Finanzskandal in der Geschichte von ARD und ZDF: Auf vorerst zehn Millionen Euro beläuft sich der Schaden beim Kinderkanal für den Gebührenzahler. Doch die Rücktritte auf der Chefetage bleiben aus.
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Die Intendanten und Programmdirektoren von ARD und ZDF sind in Sachen PR unermüdlich. Kaum ein Tag, an dem die Granden des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems nicht für das acht Milliarden teure Gebührenfernsehen trommeln. Doch beim größten Finanzskandal in der Geschichte von ARD und ZDF bleiben sie auffällig stumm. Der Kinderkanal (Kika), gemeinsam von ARD und ZDF betrieben, erlitt durch Korruption und Untreue einen Schaden von mindestens zehn Millionen Euro. Exakt sind es 9,966 Millionen Euro.

Die kriminelle Scheingeschäfte zwischen Mitarbeitern von ARD und ZDF mit externen Firmen flogen vor vier Jahren auf. Bislang schaffte es der mit der Aufklärung betraute MDR aber nur, 2,3 Millionen Euro an Schadensersatz zurück zu holen. Womöglich ist der Schaden noch höher. Vor dem MDR-Rundfunkrat wollte Intendantin Karola Wille eine höhere Schadenssumme nicht ausschließen.

Insgesamt wurden gegen 20 Verdächtige Ermittlungsverfahren durchgeführt. Nur wenige sind bislang rechtskräftig verurteilt. Der ehemalige Herstellungsleiter des Kinderkanals, Marco Kirchhof, der Millionen über Scheinrechnungen stahl, wurde zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Kika-Geschäftsführer Steffen Kottkamp, der sich als Bauernopfer im Spiel der Großen und Mächtigen betrachtete, wurde entlassen.

Mit dem Kika-Skandal wurde klar, dass der von Erfurt aus agierende Sender ein Selbstbedienungsladen ohne Kontrolle war. Ob jemals der gesamte mutmaßliche Missbrauch nach so vielen Jahren restlos aufgeklärt werden kann, steht in den Sternen.
Mit Ausnahme der mit der Aufklärung betrauten MDR-Intendantin Wille, die nicht anders kann, schweigen sämtliche Intendanten und Programmchefs zu dem gewaltigen Schaden für den Gebührenzahler. Niemand auf der Chefetage hat bislang eine medienpolitische Verantwortung für den jahrelangen Betrugsfall übernommen. Nun versucht Intendantin Wille einen Schlussstrich zu ziehen. Kann er überhaupt gelingen?

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Falscher Schlussstrich beim Kika-Skandal

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Der Finanzskandal bleibt ohne Folgen

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