Der Medien-Kommissar
Wahrheitsministerium Google

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George Orwell war hellseherisch

Doch es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass politische Propagandisten und halbseidene PR-Strategen die Faktencheck-Firmen bald für sich entdecken werden. Sie werden versuchen, Einfluss zu nehmen. Viele Fragen drängen sich auf: Wie unabhängig werden derartige Unternehmen sein? Wer finanziert sie? Welche Themen und Personen werden überhaupt einer Prüfung unterzogen?

Am Ende dieser Entwicklung zeichnet sich bereits ein Sieger ab. Google besitzt die Chance, mit der neuen Zusatzfunktion zum Wahrheitsministerium der Zukunft zu werden. George Orwell hat in seinem hellseherischen Roman „1984“ manches vorausgeahnt. Sein Protagonist Winston Smith arbeitet im „Ministerium für Wahrheit“. Seine Aufgabe besteht darin, unpassende Fakten und Daten so zu manipulieren oder zu löschen, dass sie der herrschenden Partei nutzen. Historische Wahrheiten werden konsequent verfälscht.

In den USA und Großbritannien entscheidet ausschließlich Google, welche Nachrichten mit welchem Faktencheck versehen werden. Algorithmen schaffen Wahrheiten. Sie laufen Gefahr, uns angebliche Tatsachen zu verkaufen, die nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen müssen. Zweifellos wird das neue Zusatzangebot die ohnehin schon gewaltige mediale Macht der Suchmaschine ungemein verstärken. Denn wer der Lüge mit Faktenchecks im Netz überführt wird, kann sogar eine Wahl um den mächtigsten Chefsessel der Welt verlieren. Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump könnte dafür mit seinen Falschaussagen über seinen Umgang mit Frauen das historisch erste Beispiel liefern.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Wahrheitsministerium Google"

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  • Ein "Faktencheck" ist natürlich abhängig davon was als "Fakt" anerkannt wird.

    Wenn man die "wahren" Fakten der linken Meinungselite überlässt dann wird man die Fakten zum "Klimawandel" vom IPCC (Klimaschwindlern) übernehmen, die unwissenschaftliche ökoreligiöse Anti - Atom Propaganda, zum Faktum machen. Beispiele sind das Deutsche Wikipedia.

    Insgesamt wäre es natürlich prima wenn man in Berichten benannte Fakten prüfen könnte. Allerdings nehme ich an, dass dieses Instrument vom Deutschen Regime dazu genutzt wird ihre Propaganda als Fakt zu verankern.

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