Der Medien-Kommissar
Gruner+ Jahr sagt leise Servus

Für den Verlagsriesen Gruner+Jahr spielt das Auslandsgeschäft bald nur noch eine Nebenrolle. Das bekommt auch die frühere Ertragsperle in Österreich zu spüren: Wegen mieser Zahlen wird dort der Chef ausgetauscht.
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Gruner+Jahr hat mal wieder Probleme mit seinem Auslandsgeschäft, dieses Mal in Österreich. Bei der Wiener Verlagsgruppe News („Profil“, „News“, „Woman“) hängt schon länger wegen enttäuschender Zahlen der Haussegen schief. Der von der Alster an die Donau geschickte Verlagsmanager Axel Bogocz hat mit seinen Sparüberlegungen in der Alpenrepublik viel Porzellan zerschlagen.

In Hamburg zog Gruner-Chef Julia Jäkel und ihr in Paris lebender Auslandsvorstand Rolf Heinz daher die Reißleine. Sie schickten Bogocz kurzerhand in die Wüste. Nun soll Horst Pirker, ehemaliger Chef des Red-Bull-Media House („Servus TV“) und frühere Vorstand des Verlagskonzerns Styria („Die Presse“), das Wunder von Wien vollbringen. Früher schrieb nämlich die Verlagsgruppe News Umsatzrendite von bis zu 20 Prozent. Selbst im Horrorjahr 2008, als der Werbemarkt auf Grund der von Lehman Brothers ausgelösten Finanzkrise zusammenbrach, waren es noch über 15 Prozent.

Heute kann die Österreich-Tochter davon nur träumen. „Da ist kein Leben mehr in dem Laden“, sagt ein Insider. Beteiligten schätzen den bereinigten Umsatz im abgelaufenen Jahr 2013 auf nur noch 105 Millionen Euro – ein absoluter Tiefstand. Nur mit Mühe werden, so Wiener Insider, niedrige einstellige Renditen erzielt.

Nun tritt der vierte Österreich-Chef innerhalb von drei Jahren an. Jäkel schickt keinen weiteren Fremdenlegionär an die Front in Wien, sondern holt mit Horst Pirker einen Manager aus der Alpenrepublik. „Er besitzt ein großes Charisma, das mit Kompetenz und Intelligenz unterfüttert mit“, sagte „Profil“-Chef Christian Rainer. 

Doch der 54-jährige Pirker, zuletzt Chef der Grazer Entsorgungsfirma Saubermann, wird sein Amt erst im Frühjahr antreten. Dann ist schon ein großer Teil des Jahres gelaufen. Hinzu kommt: Pirker ist kein Anzeigenverkäufer. „Er ist ein Hochschullehrer“, polemisiert ein österreichischer Manager, der über seine Zeit bei Red Bull wenig Positives berichten kann. Doch was die Verlagsgruppe News mit ihrem gleichnamigen Sorgenkind braucht, sind Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen.

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