Der Medien-Kommissar Höllenjob ARD-Vorsitzender

BR-Chef Ulrich Wilhelm löst MDR-Intendantin Karola Wille an der Spitze der ARD ab. Der Personalwechsel bietet die Chance, endlich mit den Bürgern und Gebührenzahlern stärker ins Gespräch zu kommen.
3 Kommentare
Pro Sieben Sat 1: Die Telenovela im Vorstand – Medien-Kommissar
Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

In Zeiten, in denen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein eiskalter Wind ins Gesicht bläst, ist ein Wechsel an der Spitze keine Routine mehr. Zum Abschied hat Karola Wille, die bisherige ARD-Vorsitzende und Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), in ihrer Rede auf der letzten Intendantensitzung in Leipzig nochmals kräftig ausgeholt.

Ihre Bilanz strotzt allerdings vor Selbstlob. „Durch die föderale Struktur ist die ARD mit ihren Landesrundfunkanstalten nahe bei den Menschen, ihrer Lebenswelt“, behauptet die in der DDR promovierte Juristin. „Nie war unsere Verantwortung, Meinungsvielfalt herzustellen, zur kulturellen Identität und zur gesellschaftlichen Integration beizutragen, wichtiger als in dieser Zeit. Wir in der ARD stellen uns dieser Verantwortung“, sagte das frühere SED-Mitglied.

Der neue ARD-Vorsitzende weiß um die Wichtigkeit des Dialogs mit den Bürgern. Quelle: dpa
Ulrich Wilhelm

Der neue ARD-Vorsitzende weiß um die Wichtigkeit des Dialogs mit den Bürgern.

(Foto: dpa)

Es ist genau das Übermaß an Selbstherrlichkeit, das Gebührenzahler und Bürger zunehmend gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufbringt. Die Zeiten von medialer Pädagogik haben sich im digitalen Zeitalter mit einer ungeahnten Vielfalt von Medien schlichtweg überlebt. Statt Botschaften über die eigenen Medien zu verkünden, müssen die Rundfunk-Granden endlich in einen ernstgemeinten und dauerhaften Dialog mit ihren Nutzern kommen.
Gerade in der Amtszeit von Wille hat sich gezeigt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Lebenswirklichkeit der Bürger offenbar nur noch unzugänglich wiedergibt. Der mediale Umgang von ARD und ZDF mit den sexuellen Übergriffen von Migranten auf der Kölner Domplatte beim Jahreswechsel 2015/16 ist dafür ein Beispiel. Über die Messerattacke eines jungen Afghanen auf ein 15-jähriges Mädchen in einem Supermarkt in Rheinland-Pfalz vor wenigen Tagen hatte die „Tagesschau“ erst nach öffentlicher Kritik berichtet. Ein Fauxpas, der dem Ansehen der ARD schadet.

Der größte Fehler von Wille in ihrer zweijährigen Amtszeit als ARD-Vorsitzende ist der Mangel an Selbstkritik. Statt ehrlich die Probleme im ineffektiven Apparat der Rundfunkanstalten anzusprechen und konstruktive Lösungen schnell und effektiv umzusetzen, pocht die Intendantin auf eine „funktionsgerechte Finanzausstattung“. In ihrem zaghaften Reformbemühen sieht Wille sich von ungerechten Verlegern, Politikern, Internetkonzernen und Gebührengegnern umzingelt. Das Problem sind aber nicht die anderen, sondern das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem selbst, das über Jahrzehnte eine tiefgreifende Modernisierung versäumt hat und nun dafür die Rechnung erhält.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Ein pragmatischer Rundfunkmanager übernimmt das Ruder
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Der Medien-Kommissar - Höllenjob ARD-Vorsitzender

3 Kommentare zu "Der Medien-Kommissar: Höllenjob ARD-Vorsitzender"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was die ARD angeht, deren beschriebene letzte Führerin der Beweis dafür ist, dass SED-Funktionäre ganz offensichtlich gegen Lernfähigkeit immun sind, erklärt vielleicht das staatstragende Verhalten der ARD – aber nur vielleicht.

    Denn von Herrn Belluth ist mir eine Mitgliedschaft in der ehemaligen SED nicht bekannt.

    Was hat dann wohl Beide „befähigt“, jeweils diese „Spitzenpositionen“ zu besetzen?

    Bei der Wille könnte es der bereits erbrachte Nachweis der systemischen Zuverlässigkeit gewesen sein.

  • Die staatlichen Medien und das Politiksystem leben in einer Symbiose. Die Staatsmedien benötigen die Alimentation die diese mittels der GEZ Fernsehsteuer (Kopfsteuer) mit Hilfe der Politiker erhalten und die Politiker benötigen die Medien als Propagandaapparat um eine Politik/Ideologie umzusetzen die den Interessen der Menschen diametral gegenübersteht.

    Der Vorsitzende einer solchen Anstalt muss Propagandaerfolge vorweisen...Man denke an die Merkel Shows vor der Wahl wo ihr (vorbereitete politisch korrekte) Fragen aus dem Publikum gestellt wurden. Man denke an die Shows in denen man versuchte die Opposition durch den Kakao zu ziehen. Gleichzeitig muss der Eindruck einer Unabhängigkeit mit ein paar Alibiartikeln erweckt werden.

    Der Vorsitzende muss sehr vorsichtig mit der Macht umgehen. Er muss wissen welche Politiker er durch den Kakao ziehen darf und welche besser nicht.

    Ingesamt ist es eine Funktion mit sehr viel Macht die gleichzeitig sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert.

  • Man kann nur hoffen, dass der Wilhelm allen "Gestrigen" jetzt zeigt , wo in Bayern der Hammer hängt, jedenfalls nicht in Berlin!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%