Der Medien-Kommissar
Im Schwitzkasten von ARD und ZDF

Die privaten Filmdienstleister werfen den kommerziellen Töchtern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens einen ruinösen Preiswettkampf vor. Die Politik muss nun auf das Preisdumping der Öffentlich-Rechtlichen reagieren.
  • 0

Das Schweigen hat ein Ende. Die privaten Filmdienstleister haben aus Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen viele Jahre zum ungleichen Wettbewerb mit den kommerziellen Töchtern von ARD und ZDF geschwiegen. Doch mittlerweile ist aus Sicht der konzernunabhängigen Firmen die Schmerzgrenze überschritten. Sie werfen erstmals über ihrer vor gut einem Jahr gegründeten Allianz Unabhängiger Filmdienstleister dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen einen ruinösen Preiskampf vor.

Der schwere Vorwurf: mit Gebührengeldern werden defizitäre Technik-Dienstleister finanziert, die mit Preisdumping den Markt verzerren. Die Situation in der Branche hat sich nach Angaben von Branchenteilnehmern auf Grund des Preisverfalls massiv zugespitzt. Die privaten Dienstleister fühlen sich von ARD und ZDF in den ökonomischen Schwitzkasten genommen. Ihnen bliebe nicht einmal ein Stück vom Kuchen, sondern nur noch die Krümel, sagen Beteiligte.

ARD und ZDF verfügen über ein Imperium privater Firmen, das seinesgleichen in Europa sucht. Rund 180 Unternehmen, oft unter den Dach der beiden großen Atelierbetriebe Bavaria Film und Studio Hamburg, sollen es sein. Längst ist ein Geflecht von Firmen entstanden, dass selbst Entscheider des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht immer durchblicken.

Von der ursprünglichen Idee, ausschließlich hauseigene Fernsehproduktionen zu unterstützen, haben sich die öffentlich-rechtlichen Töchter längst meilenweit entfernt. Der Ausflug in die Privatwirtschaft wird bisweilen für den Gebührenzahler teuer, der am Ende des Tages indirekt für das eine oder andere Fiasko gerade stehen muss. So erlebte die Bavaria mit ihrem börsennotierten Tochterunternehmen Cinemedia in München Mitte 2013 eine Insolvenz. Die ARD-Tochter Bavaria war dort Großaktionär des jahrelangen Verlustbringers.

Marktteilnehmern beklagen, dass eine ganze Reihe von Firmen aus dem Imperium von ARD und ZDF mit ihren Niedrigstpreisen gar nicht nach ausschließlich wirtschaftlichen Regeln handeln würden. Sonst wären manche schnell weg vom Fenster.

Die über Jahrzehnte entstandene Schieflage bedarf dringend einer Korrektur. Die für den Rundfunk zuständigen 16  Bundesländer dürfen nicht einfach wegsehen, wenn der Wettbewerb in einem wichtigen Teil der audiovisuellen Industrie offenbar nur eingeschränkt funktioniert. Laut Allianz Unabhängiger Filmdienstleister hat vor allem Bavaria-Tochter Cine-Mobil vor einem knappen Jahr gegründeten Verbandes einen Preiskampf in der Branche ausgelöst.

Seite 1:

Im Schwitzkasten von ARD und ZDF

Seite 2:

Ein politischer Drahtseilakt

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Im Schwitzkasten von ARD und ZDF"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%