Der Medien-Kommissar
Info-Radio mit Suchtpotenzial

Der Hörfunksender B5 aktuell setzt seit einem Vierteljahrhundert ausschließlich auf Nachrichten. Die Tochter des Bayerischen Rundfunks liefert den Beweis: Qualität im Journalismus zahlt sich beim Publikum aus.
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Vor 25 Jahren ging der Bayerische Rundfunk innovative Wege. Im Mai 1991 startete die stets eigenwillige ARD-Tochter unter dem Namen B5 aktuell das erste reine Informationsradio in Deutschland. Ein Novum, das schnell Nachahmer fand. Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ probierte es mit einem Nachrichtenradio und scheiterte im Jahr 2002. Die Erkenntnis: Der große redaktionelle Aufwand für einen derartigen Hörfunkkanal lässt sich eben für einen Zeitungsverlag nicht allein mit Werbung finanzieren.

Beim Bayerischen Rundfunk als Teil des öffentlich-rechtlichen Systems sieht das natürlich anders aus. Das Programm ist fast ausschließlich mit Gebühren finanziert. Werbung spielt nur eine Nebenrolle.
Mit B5 aktuell gelang der weiß-blauen ARD-Tochter eine wirkliche Neuerung im deutschen Hörfunk: Nichts als Nachrichten, Hintergründe und Analysen an 365 Tagen im Jahr und 18 Stunden täglich. Längst haben andere ARD-Sender wie der MDR, HR, SWR, RBB und NDR nachgezogen, ohne jemals das Original aus Bayern erreicht zu haben.

Von Anfang an hatte der Münchner Radiokanal eine treue Hörergemeinde. Waren es in den Anfangsjahren noch 300.000 Hörer sind es mittlerweile nach der jüngsten Mediananalyse 2016 Radio I stolze 710.000 Nutzer. Damit ist B5 aktuell der Branchenprimus in Deutschland. Kein anderes Informations- und Kulturradio erreicht ein größeres Publikum.

Doch die eigentlich noch wichtigere Tatsache: der Bayerische Rundfunk erreicht mit seinem Info-Sender ein für ARD-Verhältnisse junges Publikum. Nach Angaben der B5 aktuell-Chefredakteurin Mercedes Riederer liegt das Durchschnittsalter bei rund 50 Jahren. Qualität im Journalismus zahlt sich eben beim Publikum aus. Im Fernsehprogramm dagegen beträgt der Altersschnitt beim Ersten und den Dritten Programmen bei 60 Jahre und mehr.

Der Erfolg des Info-Radios hat eine ganze Reihe von Gründen. B5 aktuell verzichtet seit jeher auf nervige „Elevator Music“. Keine akustische Umweltverschmutzung überbrückt also die Zeit zwischen zwei Wortbeiträgen wie bei anderen Informations- oder Kulturkanälen. Es gibt auch keine Kommentare. Und mit einem klaren Programmschema – nämlich alle Viertelstunde Nachrichten – findet sich der Hörer blitzschnell zurecht. B5 aktuell besitzt damit ein hohes Suchtpotenzial für Informationshungrige.

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  • Ich kann Ihren Eindruck über B5 aktuell nur bestätigen! Was mich jedoch wundert: Seit einiger Zeit sendet B5 kurz vor Beginn eines neuen Nachrichtenblocks Eigenwerbung in der Form dass Personen aus dem öffentlichen Leben Ihre Eindrücke über das Sendeformat berichten. Diese Eigenwerbung ist m.E. im eigenen Sender unnötig (da die Hörer überwiegend von der Qualität des Sendeformats überzeugt sind). In einem anderen Sender -wo die Werbung und Info sinnvoll wäre- erscheint sie nicht! Somit sind die Kosten für diese Werbemaßnahme nicht gut angelegt, da sie keine neuen (oder nur sehr wenige) Hörer akquiriert.

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