Der Medien-Kommissar
Kreative Selbstbefruchtung

ARD und ZDF vergeben ihre Filme am liebsten an die eigenen Produktionskonzerne. Kleine und mittlere Produzenten gucken in die Röhre. Der unfaire Wettbewerb muss sich ändern. Und es gibt Mittel und Wege dazu.
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Wenn es um die Vergabe von Filmproduktionen geht, sind ARD und ZDF so transparent wie eine Nebelwand im November. Das hat einen guten Grund. Denn die Öffentlich-Rechtlichen spielen nicht fair. Die Rundfunkanstalten bevorzugen seit vielen Jahren die eigenen Produktionskonzerne wie die Bavaria Film Network Movie oder Studio Hamburg. Das fand der Verband Deutscher Filmproduzenten e.V. in mühevoller Kleinarbeit heraus. Die kleinen und mittleren Produzenten gucken in die Röhre.

In der Branche ist der unfaire Wettbewerb längst ein offenes Geheimnis. Doch die Betroffenen schweigen über die Auftragsvergabe. Denn von den Filmunternehmern will es sich niemand mit den mächtigen Redaktionen bei ARD und ZDF verscherzen. Öffentliche Kritik an der Produktionsvergabe gilt in den Anstalten noch immer als Majestätsbeleidigung, berichtet mir ein Produzent, der das Geschäftsgebaren des Gebührenfernsehens seit langem kennt.

Umso mutiger ist das Vorhaben der Produzentin Sharon von Wietersheim, Vorstand des Verbandes Deutscher Filmproduzenten, endlich ein wenig Licht in das Dunkel zu bringen. Nach ihrer Marktanalyse wurden von den 270 Filmen in der Hauptsendezeit zwei Drittel aller Filme von abhängigen Produzenten im vergangenen Jahr hergestellt. Bei der ARD waren die hauseigene Bavaria Film mit 20 Streifen sowie die ARD-Eigenproduktionen unangefochtener Spitzenreiter. Danach folgen die UFA – Tochter des Fernsehkonzerns RTL Group – und Studio Hamburg, eine hundertprozentige Tochter des NDR. Beim ZDF ist die hauseigene Network Movie laut dem Verband Deutscher Filmproduzenten mit 20 Filmen die unbestrittene Nummer eins. Rund ein Viertel aller 113 ZDF-Filme wurden von Network Movie und Bavaria produziert.

Die unfaire Vergabepolitik hat dramatische Folgen. Die kreative Selbstbefruchtung sorgt nicht nur dafür, dass es an Mut und Experimenten zur Hauptsendezeit fehlt und sich vor allem junge Zuschauer längst woanders besser unterhalten lassen. Sie ist auch dafür verantwortlich, dass unabhängige Produzenten chancenlos bleiben und die Uniformierung der deutschen Filmlandschaft zunimmt.

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Kreative Selbstbefruchtung

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Vorbild aus den Niederlanden

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  • Das ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Ich konnte nach monatelanger Recherche beweisen, das sich die Sender in Milliardenhöhe Filme über die Filmförderungen zusätzlich finanzieren lassen. Der Produzentenverband aber interessierte sich nicht dafür, ebensowenig wie auch nur eine einzige Partei oder Zeitschrift. Und warum wohl? Weil alle was vom derzeitigen Stand haben. Und die, die am Set sind sagen nichts, weil sie Angst haben, nie wieder Filme drehen zu können, was derzeit auch stimmt! Der WDR bsp. zahlt ein paar Mios in die Filmstiftung NRW ein, bekommt aber das x-fache durch die bundesweiten Förderungen wieder rein. Und wie das geht? Ganz einfach. In den jeweiligen Vergabeausschüssen sitzen Vertreter der Sender! Mittlerweile bekommen die Privaten i.Ü. auch Filmfördermittel! Als unabhängiger Filmemacher hast du KEINE Chance! Und auch das ist gewollt! Doch auch meine kurzen Einwendungen sind nur ein kleines Puzzleteil, denn meine Ermittlungen gingen bis zur Regierung rauf. Speziell zum ehemaligen Minister für Kultur und Medien, Herrn Neumann. Als der dann kein Minister mehr war, sorgte er vorher dafür, das die Fördermittel des BKM (Bundesm. für Kultur und Medien) an die FFA (FilmFörderAnstalt Berlin) vergeben wurde. Und wer wurde wohl der neue Geschäftsführer der FFA? Herr Neumann! Und wer sitzt außerdem im Vergabeausschuss der FFA? Christine Ströbel, die Geschäftsführerin der 100% ARD-Tochter DEGETO, die im Übrigen die Tochter von Wolfgang Schäuble ist. Achja, das Finanzministerium verteilt doch immer die Steuergelder an die verschiedenen Ministerien, oder? Ich höre jetzt besser auf, sonst explodiere ich ...

  • Da wird sich nie etwas ändern, solange das Geld durch den Zwangsbeitrag ewig fließt. Schauen Sie sich nur das Firmengeflecht des BR an und dann überlegen Sie, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk ohne Not wirklich was ändert:
    http://online-boykott.de/de/buergerwehr/112-grundversorgung-was-die-oeffentlich-rechtlichen-rundfunkanstalten-daraus-ableiten-oder-die-quelle-die-nie-versiegt

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