Der Medien-Kommissar
Manipulation als System

Auf das ZDF folgt nun die ARD: Jahrelang fälschte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) die Ergebnisse von Online-Abstimmungen. Ein Skandal ohne personelle Folgen – Senderchef Lutz Marmor macht weiter wie bisher.
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Lutz Marmor, der fröhliche Rheinländer an der Spitze des Norddeutschen Rundfunks (NDR), ist der Mr. Teflon des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems. Jahrelang bereicherte sich seine mittlerweile rechtskräftig verurteilte Fernsehspielchefin Doris J. Heinze ohne dass jemanden im Sender die Unregelmäßigkeiten aufgefallen wären. Der Vertrag des umstrittenen NDR-Programmdirektors Frank Beckmann wurde verlängert, obwohl der frühere Kinderkanal-Chefs nur mit der Zahlung von 30.000 Euro die Einstellung eines Untreueverfahrens in seiner Funktion beim Kika erreichen konnte. Lutz Marmor saß die beiden Skandale schlichtweg aus.

Nicht anders will das Urgestein des Gebührenfernsehens auch im jüngsten Skandal seines Hauses verfahren. Nachdem der Betrugsskandal bei der ZDF-Show „Deutschlands Beste!“ aufgeflogen war, stellte auch der NDR plötzlich fest, dass er jahrelang seine Gebührenzahler aufs Kreuz gelegt hatte. Kleinlaut musste der ansonsten so selbstgerechte Sender bekennen, dass er Online-Abstimmungen bei Rankingshows manipuliert hatte. Darunter Sendungen wie „Die spektakulärsten Rücktritte“, „Die beliebtesten Party-Hits“ oder „Die schönsten Mühlen Norddeutschlands“.

Diese Manipulationen sind bitter für den Gebührenzahler. Denn wenn er schon keinen direkten Einfluss beispielsweise mit einer Direktwahl der Rundfunkräte nehmen kann, so gab er sich doch der Illusion hin mit einem Anruf Rankinglisten beeinflussen zu können – eigentlich eine schöne demokratische Möglichkeit der Rundfunkbeteiligung.

Umso schändlicher ist es, dass damit nach Gutsherrenart Schindluder getrieben wurde. Die absurde Erklärung für die Manipulationen lautet, dass sie aus dramaturgischen Gründen, wegen fehlender Bildrechte oder schlechter Materiallage notwendig gewesen sein, die Listen zu verändern.

In den vergangenen vier Jahren wurde bei neun Sendungen manipuliert. So flog Loriot aus der Liste, weil der NDR schlichtweg keine Senderrechte hatte. Der Humorist wurde ersetzt mit Loki Schmidt. Von der verstorbenen Kanzlergattin gab es schließlich Bilder genug.

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Kein Persilschein für die ARD

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  • mehr http://www.publikumskonferenz.de !!!

  • Warum sollte sich irgendein Vertreter der staatlich Garantierten Rundfunksteuer darüber Gedanken machen, was sein Zahlvieh von ihm hält ?

  • Ein öffentlich-rechtlicher Sender muss sich nicht rechtfertigen. Kein Politiker und keine Partei sind heute annähernd so mächtig wie die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten. ARD, ZDF und Co. können nach Belieben die öffentliche Diskussion lenken, Politikerkarrieren beenden und Recht zu Unrecht machen. Öffentlich-rechtlichen Medienanstalten sind heute ein gutes Beispiel dafür, wie Macht korrumpiert und wie einseitige Berichterstattung die Demokratie aushebelt. Wie kann ein Bürger an der Wahlurne eine richtige Entscheidung treffen, wenn man ihm z.B. bei der Einführung des Euros die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns im heterogenen Europa verschweigt oder vergisst zu erwähnen, dass ohne genügend Pumpspeicherwerke die Energiewende unser Land gegen die Wand fährt.
    Um die Situation zu verstehen, sollte man Untersuchungen wie diese kennen:
    Laut einer Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin sympathisiert die große Mehrheit der Journalisten mit Rot-Grün (vor allem mit den Grünen). Und nicht nur das: 32,5 Prozent der Befragten geben an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie (durchgeführt vom Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg).

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