Der Medien-Kommissar
Markt macht Medien frei

Je größer die wirtschaftliche Stärke von Fernsehsendern, Radios, Zeitungen und Zeitschriften ist, desto freier ist ihre Berichterstattung. Eine Erkenntnis, die in Zeiten staatlicher Vereinnahmung wichtiger ist denn je.
  • 0

Medien sind allmächtig. Sie lügen und verzerren. So zumindest die Behauptungen von Populisten quer durch Europa – von rechts bis links. Der Hass, der Fernsehsendern, Radios, Zeitungen und Zeitschriften von Extremisten entgegen gebracht wird, hat einen guten Grund. Neben der Exekutive und Judikative des Staates – Polizei, Ordnungsbehörden und Richter – sind es die Medien, die das Treiben von Populisten beobachten, darüber berichten, analysieren und kommentieren. Doch das ist noch lange keine „vierte Gewalt“, wie sich die oftmals selbstverliebte Branche von noch Mächtigeren gerne nennen lässt. Es ist eine Dienstleistung für den Leser, Zuschauer und Hörer – für die Bürger.

Dieser Bürgerservice ist ungemein wichtig für eine funktionierende Demokratie. Die beiden Wissenschaftler Tim Besley und Robin Burgess von der London School of Economics formulierten vor fünfzehn Jahren eine These, die im Kern besagt: je tiefer und ausführlicher Medien berichten, desto größer ist die Neigung der Politiker, dem Allgemeinwohl und nicht Einzelinteressen zu dienen.

Genauso gehört die rücksichtlose Unterdrückung der Medien zum Handwerkszeug jedes demokratisch gewählten Autokraten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan oder sein russischer Amtskollege Wladimir Putin sind dafür warnende Beispiele. Doch auch in vielen osteuropäischen Ländern wie in Ungarn, Polen, Serbien, oder Montenegro funktioniert das politische Geschäft längst nach ähnlichem Muster mit Folgen für die Demokratie.

Der Schweizer Medienökonom Matthias Benz hat in Wien vor kurzem eine beachtenswerte Antrittslesung unter dem Titel „Wie einflussreich sind die Medien?“ gehalten. Der Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“ war von der Universität Wien zum Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre berufen worden. Benz erklärt, wie diese informatorische Dienstleistung überhaupt erbracht werden kann. Seine These: nur mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit. „Medien können umso unabhängiger agieren, je größer und breiter gestreut ihre Einnahmen aus kommerziellen Quellen sind“, lautet die Erkenntnis des frisch gebackenen Honorarprofessors.

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Markt macht Medien frei"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%