Der Medien-Kommissar
Mehr TV-Demokratie wagen

Die Petition gegen den unpopulären ZDF-Moderator Markus Lanz zeigt: Der Gebührenzahler will das Diktat der Sender nicht mehr hinnehmen. Doch mehr Mitsprache ist im öffentlich-rechtlichen System nicht vorgesehen.
  • 10

Dieter Nuhr hat Recht, wenn er sich gegen digitales Mobbing und binäre Erregung stark macht. Tatsächlich trägt die in der vergangenen Woche gestartete Online-Petition gegen den Moderator und Fernsehproduzenten Markus Lanz groteske Züge. Dem rheinländischen Kabarettisten ist der „Online-Petitionswahn“ ein Dorn im Auge. Mittlerweile haben fast schon eine Viertel Million Menschen gegen die rüden Interviewmethoden des Italieners in seiner ZDF-Talksendung virtuell unterschrieben. Stündlich werden es mehr.

Was der ansonsten schlaue Dieter Nuhr aber nicht gemerkt hat: Die Online-Petition gegen den ZDF-Großverdiener Lanz ist nichts anderes als der Ausdruck einer großen Hilflosigkeit des Gebührenzahlers. Der Zuschauer muss seit über einem Jahr Zwangsgebühren an ARD und ZDF entrichten, unabhängig davon, ob er die Inhalte überhaupt will.

Der Gebührenzahler ist der entmündigte Bürger. Im System von ARD und ZDF ist für ihn keine Mitsprachemöglichkeit vorgesehen. Dabei ist eigentlich der Gebührenzahler der eigentliche Eigentümer des größten öffentlich-rechtlichen Rundfunks weit und breit. Mit seinem jährlichen Obolus von über 7,5 Milliarden Euro finanziert er den opulenten Apparat, der Moderatoren wie Markus Lanz in wenigen Jahren zu Millionären macht.

Politiker wie die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht haben natürlich ein Anrecht auf eine faire Behandlung vor laufender Kamera, gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit seinem besonderen Qualitätsanspruch. Das gilt auch für Markus Lanz, der die streitbare Dame unhöflich und unprofessionell in seiner ZDF-Talksendung behandelte. Darüber besteht kein Zweifel.

Doch Politiker können sich im Gegensatz zum Gebührenzahler sehr gut wehren. Sie sitzen in den Rundfunk- und Fernsehräten, entscheiden in den Hinterzimmer der Macht über Aufstieg und Fall im Hofstaat namens ARD und ZDF. Deshalb ist der „Online-Petitionswahn“ zugunsten einer Politikerin auch ein Stück absurd.

Was wir brauchen ist weniger eine Debatte um Markus Lanz, sondern um mehr Demokratie bei ARD und ZDF.

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Mehr TV-Demokratie wagen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Markus Lanz verdient als Moderator beim ZDF jährlich 1.248.000 € Grundmoderatorenvergütung
    .
    Seit Oktober 2012 moderiert er "Wetten, das...?" und erhält dafür jährlich 128.000 €.
    Mit der Talkshow "Markus Lanz" verdient er weitere 250.000 € jährlich.

    Das sind 1,626 MIO / Jahr oder 135 500 TSD /Monat!!


    Siehe dazu
    www.gehaltsreporter.de/promi_gehaelter/8056.htm

    Das sind allein die Gelder aus unseren GEZ-Gebühren.

    Weitere Einnahmequellen kommen dann noch hinzu.

    Thomas Gottschalk verdiente bis 2012 als Moderator bei dem ARD 6.000.000 € jährlich.



    Bei openPetition ist nun eine weitere Petition angelaufen, die sich an die Bundesregierung wendet:

    "" Deckelung der Gehälter für Moderatoren des öffentlich rechtlichen Fernsehens ""

    https://www.openpetition.de/petition/online/deckelung-der-gehaelter-fuer-moderatoren-des-oeffentlich-rechtlichen-fernsehens

  • Lanz ist nicht das Übel sondern Frau Wagenknecht was hat sie glaubt das sie in einer Talk Show geht ohne das Lanz genau nachfragt ! Dann soll Frau Wagenknecht wegbleiben wenn sie kritisches Nachfragen nicht haben kann !! Lanz weiter so kein online Mobbing !!

  • Die Medien (TV und Zeitungen) kann man nur noch mit "spitzen Fingern" anfassen und lesen oder sehen heutzutage, vollgestopft mit Lüge und Propaganda.

    Die Redakteure "waschen und lenken" die Hirne der Deutschen und "lullen uns ein".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%