Der Medien-Kommissar
Netflix setzt Kartellamt unter Druck

Der Start des US-Videodienstes Netflix in Deutschland wird den Fernsehmarkt grundlegend verändern. Darauf müssen die Wettbewerbshüter reagieren: Mit einer Erlaubnis für ein gemeinsames Videoportal von ARD bis Pro Sieben.
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Alle zittern vor Netflix. Der Start des amerikanischen Internet-Videodienstes läutet tatsächlich eine Zeitenwende im deutschen Fernsehmarkt ein – der allmähliche Abschied des linearen TV-Zeitalters, das für ARD und ZDF und ihre Konkurrenten RTL und Pro Sieben Sat 1 seit der Einführung des Privatfernsehens vor drei Jahrzehnten so bequem und finanziell ergiebig war.

Reed Hastings, Mitbegründer und CEO von Netflix, kommt in dieser Woche nach Deutschland, um die Werbetrommel für seinen Internet-TV-Anbieter zu rühren. In den USA, dem härtesten Fernsehmarkt der Welt, zählt Netflix schon mehr als 50 Millionen Abonnenten. Hastings wird einen Interview-Marathon absolvieren. Es ist aber nicht seine Art, groß auf den Putz zu hauen, was eigentlich für die Internet- und TV-Branche so typisch ist. Die eher bescheidene Art seines Auftritts macht den Markteintritt von Netflix in Deutschland und Österreich aber um keinen Deut weniger gefährlich für die etablierten Sender.

Gerade die jungen Zuschauer lassen sich von den Programmdirektoren in den Senderzentralen immer weniger vorschreiben, was bei ihnen auf den Bildschirm am Computer, Fernseher oder Handy flimmert. Filme, Serien, Shows, aber auch Dokumentationen und Reportagen auf Abruf haben Hochkonjunktur. Netflix rennt mit seinem Angebot bei den jüngeren Zielgruppen offene Türen ein.

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Das in der kalifornischen Provinzstadt Los Gatos ansässige Unternehmen, das vor 17 Jahren als DVD-Versender begann, hat sich in Deutschland mit mächtigen Partnern verbündet. Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, wird Netflix in Deutschland mit den Marktführern Deutsche Telekom beim Festnetz-Internet und Vodafone beim Mobilfunk eng kooperieren. Auf den Markteintritt von Netflix und die damit verbundene Veränderung des Fernsehmarktes müssen die deutschen Wettbewerbshüter reagieren. Ihr bisheriges Koordinatennetz für den TV-Markt gerät durcheinander.

Das Bundeskartellamt, das in vergangenen zehn Jahren selten eine glückliche Hand bei seinen Entscheidungen im Medienmarkt hatte, wird nicht herumkommen, die rasch verändernden Märkte nochmals genau unter die Lupe zu nehmen. Die bisherigen Schubladen des linearen Fernsehens mit relativ eingefrorenen Marktanteilen für die großen Marktteilnehmer sind nun nicht mehr das Maß aller Dinge. Im non-linearen TV-Zeitalter gelten andere Maßstäbe.

Netflix besitzt die weltgrößte Online-Bibliothek. Für die Hollywood-Studios ist der Videodienst mittlerweile eine immer wichtiger werdende Vermarktungsstufe. Hinzu kommt, dass Netflix spätestens seit den Erfolgen wie „House of Cards“ oder „Orange is the New Black“ zu einem wichtigen und finanziell potenten Auftraggeber in Hollywood aufgestiegen ist.

Die Konkurrenten im hiesigen Markt sind dagegen Winzlinge: Das Online-Videoportal Maxdome von Pro Sieben Sat 1, RTL Now oder die Mediatheken von ARD und RTL verzeichnen schöne Zuwachsraten, aber sie agieren alle unabhängig voneinander. Eine richtige Durchschlagskraft im deutschen Markt können sie im Alleingang nicht erreichen.

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  • Die Problematik: Die einen sind Unternehmer, die anderen sind Beamte.

    Einem Beamten unternehmerisches Denken beizubringen - viel Erfolg.

    Und einem Beamten evtl. wissen zu lassen, dass er "vielleicht" mit seiner Sicht der Dinge "etwas" falsch liege, da sich die Welt nunmal geändert hat, hat ohnehin sofort verschi**en.

    PS:

    Als die Axel Springer AG ProSiebenSat1 übernehmen wollte, scheiterte auch dies. Der damalige Kartellamtspräsident verbot diesen Zusammenschluss letztlich.

    Auch deswegen, da Böge und Döpfner sich privat spinnefeind waren.
    Böge hat sich somit darin geaalt, Döpfner seinen Deal vermasselt zu haben.

    Und Leute wie Böge werden mit Pensionen gemästet, da platzt einem der Kragen.

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