Der Medien-Kommissar Pro Sieben wird zum Dax-Wackelkandidaten

Der angeschlagene Fernseh- und Internetkonzern Pro Sieben Sat 1 läuft Gefahr, den deutschen Leitindex Dax verlassen zu müssen. Das wäre nicht nur ein Schaden für die Sendergruppe, sondern für die ganze Medienbranche.
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Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.
Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Aktionäre von Pro Sieben Sat 1 brauchen starke Nerven. Die Aktie des Medienkonzerns hat seit Jahresbeginn fast ein Drittel ihres Wertes verloren. Der unerwartet schnelle Abgang des langjährigen Vorstandschefs Thomas Ebeling wegen einer unbedachten Äußerung über die eigenen Zuschauer auf einer Telefonkonferenz mit Analysten sorgt für eine riesige Unsicherheit. Wer soll den Unterföhringer Konzern in eine bessere Zukunft führen?

Die Suche läuft in und außerhalb der Fernsehbranche bereits auf Hochtouren. Der Fernsehmanager Markus Tellenbach, einst Chef von Premiere (heute Sky Deutschland) und Vox, ist ein Kandidat. Der Schweizer ist ein Spezialist für die Wertsteigerung von börsennotierten Unternehmen. Für die Aktionäre des polnischen TV-Konzerns TVN und davor für jene der in Amsterdam ansässigen Fernsehgruppe SBS vergoldete er die Investments. Der 57-Jährige ist nach sieben Jahren als Vorstandschef des polnischen Privatsenders TVN in Warschau nach Zürich zurückgekehrt. Dort leitet er heute das kleine und innovative Unternehmen Virtually Live.

Und die Anleger des Dax-Konzerns? Sie erwarten mit Bangen den 5. Dezember. Denn an diesen Tag tritt die Index-Kommission zusammen. Dann wird sich entscheiden, ob Pro Sieben Sat 1 weiterhin dem Dax angehören wird. Die einst vom verstorbenen Medien-Tycoon Leo Kirch gegründete Sendergruppe ist der einzige Medienkonzern im deutschen Leitindex.

In der Medienallee im Münchner Vorort Unterföhring verbreitet man unterdessen Gelassenheit. Mit Blick auf Marktkapitalisierung und Liquidität schätzt die Chefetage die Gefahr, den Dax zu verlassen, momentan als unwahrscheinlich ein. Doch die potenziellen Tauschkandidaten wie der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen, der Finanzdienstleister Wirecard oder der Werkstoffhersteller Covestro warten nur darauf, auf die Überholspur zu gehen.

Sollte Pro Sieben trotz der offiziellen Zuversicht doch aus dem Dax fliegen, würde sich nach Meinung von Experten die Talfahrt der Aktie noch beschleunigen. Schließlich wären dann die Unterföhringer unter dem Radarschirm vieler internationaler Investoren. Das Interesse und die Handelsvolumina wären dann rückläufig.

Ein Rauswurf aus dem Dax wäre nicht nur bitter für Pro Sieben, sondern für die gesamte deutsche Medienbranche. Denn dann würde sie international noch weniger Aufmerksamkeit genießen. Ersatz für Pro Sieben Sat 1 ist nämlich nicht in Sicht. Auch wenn Axel Springer in der Marktkapitalisierung die Unterföhringer längst mit fast einer Milliarde Euro überholt hat, wird der Berliner „Bild“-Konzern nicht in den Dax aufrücken.

Muss der Konzern noch mehr abschreiben?
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