Der Medien-Kommissar

Rechtspopulisten nehmen den ORF ins Visier

Österreichs öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist vor allem der rechtspopulistischen FPÖ ein Dorn im Auge. Dem ORF droht ein personeller und inhaltlicher Umbau. Die neue Regierung will den Sender austrifizieren.
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Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.
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WienArmin Wolf ist die journalistische Ikone des ORF. In der ZIB 2, dem Nachrichtenflaggschiff des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich, fühlt der populäre Journalist den Politikern der Alpenrepublik auf den Zahn bis es schmerzt. Der Träger des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises lässt sich bei seinen gefürchteten Interviews nicht mit den Nullaussagen, Worthülsen und Ausflüchten seiner Studiogäste abspeisen. Er fragt nach. Er stellt die gleiche Frage auch dreimal, wenn es sein muss. Das gefällt nicht jedem in Österreich, vor allem traditionell nicht den Regierungsmitgliedern.

Bereits seit 15 Jahren moderiert der 52-Jährige die ZIB 2 in einer Art und Weise, die man sich auch für die „Tagesthemen“ der ARD oder das „Heute-Journal“ des ZDF wünschen würde. Wolf konnte bislang auf die Rückendeckung seiner Chefs zählen. Doch seine Tage als kritischer, unbestechlicher Anchorman des ORF könnten bald gezählt sein. Denn die neue konservativ-rechtspopulistische Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz und seinem Vize Heinz-Christian Strache hat den ORF ins Visier genommen.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (links) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der FPÖ wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk umbauen. Quelle: AFP
Duo gegen den ORF?

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (links) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der FPÖ wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk umbauen.

(Foto: AFP)

ORF-Insider berichten bereits von einem Plan, Armin Wolf auf eine höhere Position intern wegzuloben, um ihn damit vom Bildschirm zu verbannen. Das wäre bei der österreichischen Rundfunkanstalt kein ungewöhnliches Vorgehen. Noch immer hat jede Bundesregierung die Spitzenpositionen nach eigenem Gutdünken besetzt. Das gilt auch für Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der 57-jährige Manager wurde zwar im Sommer vergangenen Jahres für eine dritte Amtszeit wiedergewählt, schließlich steht der ORF wirtschaftlich und journalistisch gut da. Doch sein größter Nachteil ist die Mitgliedschaft in der SPÖ.

Im Hintergrund werden bereits einige Kandidaten für den Chefsessel gehandelt. Der frühere Kronprinz der ÖVP und Gegenkandidat von Wrabetz bei der Wiederwahl, Richard Grasl, sei jedoch aus dem Rennen, heißt es im Regierungslager.

Der neuen Mitte-rechts-Regierung in Österreich geht es aber um mehr als nur Personalrochaden. Sie will über ein neues ORF-Gesetz die Zukunft der Rundfunkanstalt ganz auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Im 179 Seiten umfassenden Koalitionsvertrag von ÖVP und FPÖ sind die Ziele zumindest holzschnittartig formuliert. Darin wird eine umfassende Austrifizierung gefordert, wie beispielsweise mehr österreichische Inhalte oder die Forcierung neuer Technologien „Made in Austria“. „Neben österreichischen Inhalten sind auch die Leistungen österreichischer Künstler, Sportler und Produzenten für die nachhaltige Identitätssicherung entsprechend im öffentlich-rechtlichen Auftrag als Schwerpunkt zu verankern“, heißt es auf Seite 84 des Koalitionsvertrags.

Und weiter: „Österreichische Künstler sind in den Programmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verstärkt und nachhaltig zu fördern.“ Der ORF als mediale Gegenwelt zur Globalisierung. Es ist unverkennbar, dass beim Schreiben dieses Teils des Regierungsprogramms die Rechtspopulisten die Feder geführt haben.

„Die Zwangsbeiträge sind zu hinterfragen“
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37 Kommentare zu "Der Medien-Kommissar: Rechtspopulisten nehmen den ORF ins Visier"

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  • Nochmal kurz zum kurzen Maas. Der war durchaus für Plebiszite. Nur – seitdem er damals von der AfD dafür gelobt wurde, hat er diesen Anfall wohl ganz schnell wieder unterdrückt.

  • Als Prügelknabe kommt Herr Jourdant für mich eher nicht in Frage. Schließlich bietet er doch ähnliche Qualitäten wie sein Geschäftszweck – hat also einen gewissen Unterhaltungswert.

    Das aber auch nur dann, wenn man über ihn spricht, bzw. schreibt. Direkt auf ihn einzugehen, ist nun mal reine Zeitverschwendung, wie man auch hier wieder einfach sehen kann.

    Aber eines ist an ihm wirklich bemerkenswert – er ist nie frustriert und ist deshalb immer, wenn er kommentiert, für eine amüsante Unterhaltung gut.

  • Nicht selbständig zu denken, schließt aber nicht aus, selbständig zu sein, Herr Caruso. Und genau das ist unser grüner Ideologe Jourdant. Ich messe dessen Beiträge deshalb an der Qualität seines Geschäftszwecks, der da ist, Manga-Manga, japanische Comics und ähnlich Nützliches an wohl meist geistig etwas limitierte Kundschaft zu verticken.

  • Merken Sie es auch? Auf seine irrlichternden Beiträge zu antworten, ist zwecklos. Aber als Prügelknabe macht Herr Jourdant eine ausgesprochen gute Figur!

  • Sie haben schon richtig vermutet, Herr Kabus, ich habe zur Abwechslung heute mal meinen eigenen Beitrag zu den Fake-News geliefert.

    Herr Maas als Vorreiter eines Plebiszits? Das wäre ungefähr so, als ob Herr Jourdant plötzlich anfangen würde, selbstständig zu denken.
    Und so weit wollen wir doch nicht gehen mit unseren Ansprüchen, oder?

  • Herr Caruso,

    Ist das jetzt die reine Wahrheit, oder wollen Sie, dass mich Herr Jourdant erneut eines Denkfehlers bezichtigen kann, weil ich etweas "ungeprüft" gläubiig glaube?

    Ausgerechnet der Maas, der so gern Fake-News über die ÖR verbreiten lässt? Das wäre ja so, als ob er sich selbst entm.... würde.r

    Lese ich richtig - Wahlempfehlung von Altmeier? Und ich dacfhte immer, der ist merkelhörig, weshalb der auch nicht für Neuwahlen ist - wie ich im übrigen auch, weil eine Minderheiten-Regierung der CDU (von mir aus auch mit CSU) für das Beste halte, was Deutschland derzeit passieren kann. Dafür nehme ich den ÖR auch noch eine gewisse Zeit in Kauf.

  • Herr Peer Kabus 18.12.2017, 17:55 Uhr

    <<Oder ist mir entgangen, dass bei uns das Volk demnächst über die Abschaffung der Zwangsgebühren für den ÖR entscheiden darf?>>

    Es ist Ihnen entgangen! Herr Maas bereitet gerade so ein Plebiszit vor. Unterstützung findet er dabei von Herrn Altmaier. Die beiden sind eben unermütlich im Einsatz für mehr Bürgerbeteiligung.

    Gut, Herr Altmaier wird dann wieder dazu aufrufen, wer nicht seiner Meinung ist, soll der Abstimmung fern bleiben - aber wer würde es schon wagen, sich der Wahlempfehlung dieses Herrn zu widersetzen?

  • Hallo Herr Caruso,

    Ohne Unterstützung der weniger Denkfähigen, die selbst davon überzeugt sind, denken zu können (womit ich logisches Denken meine), wären die ÖR bei weitem nicht so erfolgreich. Das lässt sich trefflich bei den üblichen Demos von links-grünen Hilfstruppen beobachten.

    Aber auch gewisse Kommentatoren sind mit einem ungeheuren Sendungsbewusstsein ausgestattet. Manch einer weiß sogar alles z. B. über Artikel, ohne die je gelesen zu haben.

    Leider werden Sie den Dreck, den Ideologen nebst Mitläufern und Überzeugungstätern absondern, noch einige Zeit ertragen müssen. Oder ist mir entgangen, dass bei uns das Volk demnächst über die Abschaffung der Zwangsgebühren für den ÖR entscheiden darf?

  • Herr Jourdant, der brave Konsument der ÖR, verteidigt seine geliebte "Klimaerwärmung"!
    Mit der Eiszeit, die man uns so etwa zu Zeiten des Club of Rome versprochen hatte, hat es ja leider nicht so ganz geklappt. Da hat sich die 180-Grad-Wende geradezu angeboten.
    Gut, den Unsinn werden wir auch überstehen. Mit Trump hat bereits eine realistischere Sicht der Dinge eingesetzt.

  • Ein wunderschöner Artikel! Zwar in seiner Aussage ganz der übliche Einheitsbrei (rechts sind die Bösen), aber insgesamt sehr ermutigend. In Österreich scheint sich die Zeit der öffentlich finanzierten Lügenpropaganda dem Ende zuzuneigen. In der Schweiz möglicherweise ebenfalls, auf das Plebiszit dort bin ich sehr gespannt!

    Dieses ganze ÖR-System hat die Verbreitung des großen Klimaschwindels überhaupt erst möglich gemacht. Wenn eine Lüge nur oft genug wiederholt wird, wird sie irgendwann geglaubt. Es hilft zudem, gegenteilige Meinungen von vorneherein zu stigmatisieren (Leugner, Populisten, Verschwörungstheorie). So wird von den ÖR alles niedergemacht, was seriös ist. Ein "Meinung gegen Meinung" findet nicht statt. Es gibt die Meinung der Redaktion und danach werden die Personen ausgesucht, die sich zu Wort melden dürfen. Ich kann diesen ganzen Dreck nicht mehr ertragen - also macht die ÖR endlich arbeitslos!

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