Der Medien-Kommissar
Rundfunkbeamter oder Manager?

ORF-Chef Alexander Wrabetz wird als „Medienmanager des Jahres“ ausgezeichnet. Davon können seine Intendantenkollegen in Deutschland nur träumen. Dort geht das Weiterwurschteln weiter, wie der Hessische Rundfunk zeigt.
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An jahrlanger Häme und Ablehnung hat Alexander Wrabetz viel, sehr viel aushalten müssen. Der ORF-Chef besitzt aber großes Stehvermögen und diplomatisches Geschick. Von seinen Gegnern wird er auch heute noch unterschätzt. Dabei hat er in seiner zehnjährigen Amtszeit den ORF zu einer der modernsten Rundfunkanstalten in Europa weiter entwickelt.

Der ORF ist in Österreich Markführer im Fernsehen, im Radio und im Internet. Das schafft keine andere mit Gebühren finanziert Rundfunkanstalt in Europa. Im Gegensatz zu ARD und ZDF ist dem ORF auch nicht das junge Publikum weggelaufen. Das Flaggschiff der Österreicher, ORF 1, kommt in der Zielgruppe der 14- bis 24-Jährigen auf einen Marktanteil von rund 25 Prozent. Davon kann die deutsche Konkurrenz des Gebührenfernsehens nur träumen.

Der früher so zerstrittene ORF hat sich in Wien, der Welthauptstadt der Intrige, zu einem integrierten, digitalen Medienunternehmen weiter entwickelt. Wrabetz gelang es sogar, mit seinem internen Konkurrenten Richard Grasl wichtige Zukunftsprojekte wie das Zusammenführen aller Redaktionen unter einem Dach voranzutreiben. Der früher für den Stahlkonzern Voestalpine tätige ORF-Chef hat bewiesen: Er ist ein Manager und kein Rundfunkbeamter.

Am Donnerstag wird ihm in der Konzernzentrale der Österreichischen Bundesbahnen der Lorbeerkranz geflochten. Im dritten Stock des ultramodernen Hochhauses wird Wrabetz vom Branchenmagazin „Der österreichische Journalist“ als „Medienmanager des Jahres“ ausgezeichnet. Ein besseres Kompliment gibt es nicht für einen bescheiden auftretenden, aber strategisch effektiven Macher nicht. Er hat im vergangenen Jahr beim Eurovision Song Contest in Wien gezeigt, dass die überschaubare Rundfunkanstalt in Wien Unterhaltungsshows auf Weltklasse-Niveau produzieren kann.

Wrabetz ist aber einer, der nicht nur Programm kann, sondern auch Zahlen. Im vergangenen Jahr hat der ORF mit einem Überschuss von elf Millionen Euro abgeschlossen und nicht mit tiefroten Zahlen wie so manche ARD-Anstalt. Zur langfristigen Finanzierung hat er sogar eine 180 Millionen Euro große Unternehmensanleihe am Markt untergebracht, die zu vier Fünfteln von deutschen Investoren gezeichnet wurde.

Gutes Management und guter Journalismus ist eine symbiotische Gemeinschaft. Das eine geht nicht ohne das andere. Wrabetz hat den ORF zurück in die schwarzen Zahlen geführt und damit die Voraussetzung für eine größere Unabhängigkeit geschaffen.

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