Der Medien-Kommissar
Warum ARD und ZDF fusionieren sollten

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Rundfunkgebühren kaum zu rechtfertigen

In Zeiten eines noch vor zwei Dekaden unvorstellbaren Angebots an Information, Unterhaltung, Sport, Bildung und Kultur haben es ARD und ZDF immer schwerer, ihre früher so dominante politische und gesellschaftliche Bedeutung zu verteidigen. Egal zu welcher Studie über Mediennutzung man greift, überall gibt es die gleiche Botschaft: Bei der jungen Generation sind ARD und ZDF auf den Rückzug oder spielen nur noch eine marginale Rolle.

Vor diesem Hintergrund sind die milliardenschweren Rundfunkgebühren kaum zu rechtfertigen. Eine Möglichkeit, um die Rundfunkgebühr nachhaltig zu senken, wäre die Zusammenlegung von ARD und ZDF. Rundfunkhistorisch war das Zweite in Mainz – einst als „Adenauer-Fernsehen“ verspottet – ohnehin ein politischer Unfall der jungen Bundesrepublik. Was spricht dagegen, künftig ARD und ZDF zu verschmelzen?

Schon heute gibt es viele Unterhaltungs- und Informationsangebote mehrfach. Im Programm sind viele Angebote so ähnlich, dass der Zuschauer ohnehin kaum mehr unterscheiden kann, ob die Sendung im Ersten, Zweiten oder in den Dritten gelaufen ist. Für die Zukunft versprechen ARD und ZDF elf gemeinsame Projekte, um besser und effektiver zu kooperieren. Die Bereitschaft zu einer konstruktiven Veränderung ist bei Wille und Bellut zumindest erkennbar. 

Manche Ministerpräsidenten ahnen bereits, dass ein uneingeschränktes Weiter-so im System von ARD und ZDF nicht geben kann. Bei der Bundestagswahl ist die Alternative für Deutschland (AfD) zur drittstärksten Kraft aufgestiegen. Die Rechtspopulisten verstehen es insbesondere in Ostdeutschland geschickt, die Wut der Gebührenzahler für ihre Zwecke zu nutzen.

Das sollte den Länderchefs eine deutliche Warnung sein. Sie müssen endlich die medienpolitische Energie aufbringen, eine grundsätzliche und tiefgehende Diskussion über eine Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufzunehmen – mit den Intendanten und den Bürgern. Eine mittelfristige Zusammenlegung von ARD und ZDF wäre in diesem Zusammenhang ein großer Wurf.

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Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Warum ARD und ZDF fusionieren sollten"

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  • ARD und ZDF und alles, was die Zuschauer und Hörer nicht mehr haben wollen, abschaffen - so bald als möglich! Es gibt ja noch viele weitere Faktoren, wie z.B. horrende Pensionen absolut überflüssiger Funktionäre, die ins Gewicht fallen. Die ÖR genießen noch weitere Privilegien, die eine schnelle Abschaffung notwendig machen. Mit staatlichem Rückhalt versuchen sie Internetangebote in den Markt zu drücken - vorbei an allen, die redlich dafür arbeiten, wie z.B. auch Herr Siebenhaar. Ein privatwirtschaftlich Tätiger kann einem Werbetreibenden niemals solche Angebote für den selben Preis anbieten, wie ein öffentlich gesponserter Sender, der zudem völlig risikofrei arbeitet und machen kann, was er will, solange er keiner großen Partei auf die Füße tritt.

    Die ÖR beuten aber auch ihre freien und festen freien Mitarbeiter aus. Keine andere Organisation leistet sich so ein System.

    Sieben Jahre? Viel zu lang. Es geht natürlich nicht über Nacht, aber jetzt muss ein weiterer Ausbau verhindert und dann innerhalb von fünf Jahren alles abgewickelt werden. Die FDP hat bereits 2013 einen Vorstoß gemacht. Jetzt kann sie liefern. Über die Hälfte der Bevölkerung steht dahinter.

  • Natürlich, Herr Spiegel. Wir wollen schließlich nicht undankbar sein. Wer treu und mit maximalem Einsatz die Wahrheit zugunsten der Staatsregierung verbogen hat, soll von diesem Staat niemals im Stich gelassen werden.
    Ein Rittergut für jeden ehemaligen Indendanten!

  • Enrico Caruso@Wenn man die Wahrheitsverkünder zusammen legt, müsste man aber die Anzahl der Posten, Räte u. s.w. beibehalten. Die sozialen Verwerfungen
    sind bei den tausenden von Kostgängern erheblich, das könnte den Staat destabilisieren.

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