Der Medien-Kommissar
Stahlgeld für das Burgtheater

Der Technologiekonzern Voestalpine setzt als neuer Sponsor der berühmtesten Bühne deutscher Sprache ein Zeichen gegen Intoleranz und Islamphobie. Österreichs Theater und Konzerne halten sich normalerweise fein zurück.
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Der amerikanische Autor Ayad Akhtar tritt kurz vor der Premiere schüchtern beim Empfang des Stahlkonzerns Voestalpine im Burgtheater auf. Schließlich ist der Pulitzer-Preisträger mächtig unsicher, ob sein in den USA widersprüchlich aufgenommenes Stück „Geächtet“ („Disgraced“) auf der berühmtesten Bühne deutscher Sprache funktioniert. Akhtar reflektiert auf eine sehr komplexe und kluge Art und Weise das in Schieflage geratene Lebensgefühl von amerikanischen Muslimen nach dem 11. September 2001.

In seinem 2012 in Chicago uraufgeführten Meisterwerk geht es um Amir, einen muslimischen Wirtschaftsanwalt pakistanischer Herkunft, der um Ansehen und Aufstieg in der amerikanischen Gesellschaft kämpft. Am Ende zerbricht Amirs Migrantentraum und seine Hoffnung auf ein assimiliertes Leben in einem westlichen Land am subtilen und inhumanen Rassismus.

Dass sich der neue Burgtheater-Sponsor Voestalpine, einst gegründet als Hermann-Göring-Werke in Hitlers Lieblingsstadt Linz, das Stück „Geächtet“ mit Auftakt eines Sponsorendaseins ausgesucht hat, ist alles andere als Zufall. Damit gibt das börsennotierte Unternehmen ein Statement ab für mehr Toleranz und gegen Rassismus. Gerade in einem Land, das womöglich am nächsten Sonntag bei der Bundespräsidentenwahl mit Norbert Hofer (FPÖ) den ersten Rechtspopulisten auf den Chefsessel eines westeuropäischen Staates hebt, ist das eine besondere Ansage. Denn in der Regel duckt sich die Wirtschaft angesichts des Rechtsdralls in Österreich geschickt weg.

Wolfgang Eder, langjähriger CEO des Stahlriesen, reiste zusammen mit seinen Vorstandskollegen und seinem Aufsichtsratschef eigens nach Wien, um bei der Premiere von „Geächtet“ persönlich dabei zu sein. Über drei Jahre läuft der neue Vertrag des Linzer Konzerns als Sponsor des Wiener Burgtheaters. Künftig werden unter den Gästen im Burgtheater verstärkt Mitarbeiter der Voestalpine zu finden sein. Denn der Technologiekonzern hat sich mit seinem Vertrag als Sponsor ein festes Kartenkontingent gesichert.

Finanzielle Details der Zusammenarbeit mit der weltberühmten Bühne wurden zwar nicht bekannt. Doch so viel ist klar: Das Stahlgeld kann die Staatsbühne in der österreichischen Hauptstadt gut brauchen, denn durch schlampiges Management und absurde Kassenführung schlitterte das Burgtheater in eine finanzielle Schieflage, aus der sich nun die aus Deutschland stammende Burgtheater-Chefin Karin Bergmann langsam herausarbeitet.

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