Der Medien-Kommissar
Grammy, Geld, Glamour

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Streaming ist globaler Wachstumstreiber der Musikbranche

Heute ist der Musikmarkt in Deutschland konsolidiert. Die drei Branchenriesen Universal, Sony und Warner teilen sich laut GfK rund 67 Prozent des Marktes. Die restlichen Marktanteile entfallen auf andere und unabhängige Musikfirmen.

Die digitale Distruption besitzt unterdessen große Vorteile für Künstler und Labels. Heutzutage ist es über die Streamingdienste von Spotify, Apple oder Amazon erheblich leichter und preiswerter, beispielsweise auch deutsche Künstler international bekannt zu machen. Streaming ist längst zum globalen Wachstumstreiber der Musikbranche aufgestiegen. Die 14 wichtigsten Märkte der Welt sind im vergangenen Jahr laut Sony gewachsen. In den USA ist längst Streaming zum Hauptumsatzträger avanciert.

Doch die digitale Disruption verläuft nicht übergleich gleich und vor allem keineswegs gleich schnell. So ist in Deutschland die CD nicht totzukriegen. Das haptische Vergnügen, einen Silberling in den Händen zu halten, verbunden mit dem Gedanken der Autarkie, sorgt dafür, dass die Musik-Labels immer noch über die Hälfte ihrer Einnahmen mit physischen Tonträgern machen. Es ist nicht nur die CD, sondern auch die Schallplatte. Vinyl – wie sie heute modisch genannt wird – erreicht vor allem ein junges Publikum.

Bereits 1913 hatte Wolfgang Riepl in seiner Erlanger Dissertation das „Riepl‘sche Gesetz“ formuliert, nach dem kein neues Medium ein altes ersetzt. Riepl sollte bis heute Recht behalten. Streamingdienste ersetzen nicht komplett die CD, nicht einmal die CD komplett Vinyl. Es gibt ein komplementäres Nebeneinander, doch kein totales Verschwinden. Davon ist auch Sony-Manager Ginthör überzeugt. Als ich ihn nach seiner Marktprognose frage, antwortet er nach anfänglichem Zögern, in einem Jahrzehnt in Deutschland würden zehn Prozent der Erlöse mit der CD und weitere fünf Prozent mit Vinyl gemacht. Der Rest sei Streaming.

Das sind gute Aussichten für Künstler und Labels im deutschen Markt, dem drittgrößten der Welt – wenn nicht die Piraterie wäre. Denn eine wachsende Zahl von CDs und Vinyl werden heute über illegal im Internet über große Online-Händler wie Amazon verkauft. Ein Problem, das vermutlich nie komplett in den Griff zu kriegen ist.

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Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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