Der Medien-Kommissar
Stahlgeld für das Burgtheater

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Theaterintendanten schweigen

Das Stück „Geächtet“ von Ayad Akhtar ist ein seltenes Beispiel in Österreich für ein Theater, das nicht nur unterhalten, sondern auch verändern will. Die Hochkultur der Alpenrepublik ist in den vergangenen Jahren zu einer gut geschmierten Hochleistungsmaschine mutiert, in der für provokante Positionen und gar eindeutige Haltungen kein Platz mehr ist.

Das Theater hat sich grundlegend verändert. Früher wollten Intendanten und Regisseure Positionen und Macht erobern, um die Gesellschaft zu verändern. Heute wollen sie nur noch Positionen und Macht erobern. Die Kulturmaschinerie ist in einem Land, in dem Rechtspopulisten von einem Sieg zum nächsten eilen, weitgehend entpolitisiert. Das musste auch der deutsche Theaterintendant Christoph Nix erkennen, als er für seine Doktorarbeit die wichtigsten Bühnenchefs in Österreich zu ihrer politischen Haltung befragte.

Er biss nämlich auf Granit. Fragen wie „Glauben Sie, dass Sie als IntendantIn politischen Einfluss haben?“ oder „Wer macht in Österreich Theaterpolitik?“ oder gar „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestags/Nationalratswahl wäre?“ wollten die Mächtigen an Österreichs Bühnen nicht beantworten. Nix verschickte 15 Fragebögen und bekam nur zwei zurück. Darauf schlug er über eine Presseerklärung in Österreich Alarm. Doch außer der Wiener Zeitung „Standard“ griff kein namhaftes Blatt das Thema auf. Lag es daran, dass der Skandal gar nicht erkannt wurde? Oder war dafür schlichtweg die Resignation der Kulturschaffenden dafür verantwortlich?

Das Engagement der Voestalpine beim Burgtheater ist als Ermunterung zu sehen, sich vom musealen Theater mit Klassikern wie Johann Nestroy oder Hendrik Ibsen wieder stärker den zeitgenössischen Autoren zuzuwenden, um so ein neues und auch jüngeres Publikum zu gewinnen. Gerade in einer Zeit, in der Populismus als Reaktion auf Globalisierung und Digitalisierung das bisherige Wertesystem bedroht, wird das Theater auch als Medium der gesellschaftlichen Auseinandersetzung dringend gebraucht.

Debatten über Fremdenfeindlichkeit und Islamphobie dürfen nicht nur Hetzern auf Facebook & Co. überlassen werden. Sondern müssen auch auf der Bühne in aller ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit behandelt werden. Der Versuch des Burgtheaters mit „Geächtet“ ist ein gelungenes Beispiel dafür. Dieser Versuch wird noch sehr viel wertvoller, wenn ihn einer der größten Konzerne Österreichs fördert. Die Frage ist nur, warum Theater und Österreichs Konzerne – auch Voestalpine – nicht schon sehr viel früher auf die Idee gekommen sind.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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