Der Medien-Kommissar

Verschlüsselt ARD und ZDF!

Die vor einem Jahr eingeführte Haushaltsgebühr kann nur eine Zwischenlösung zu einem gerechteren System sein. Warum bieten die Öffentlich-Rechtlichen nicht verschiedene Pakete an, wie es der Bezahlsender Sky tut?
14 Kommentare
Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.
Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Es ist wieder Weihnachten. Vor einem Jahr bescherten uns die für den Rundfunk zuständigen Bundesländer die Haushaltsgebühr. Seit Neujahr 2013 zahlen alle Bürger und Unternehmen für ARD, ZDF und Deutschlandradio, unabhängig ob die Angebote im Fernsehen, Radio oder Internet tatsächlich nützen. Ist das fair?

Wie ungerecht das neue Rundfunkgebührensystem ist, bewies erst vor wenigen Tagen die unabhängige Finanzkommission KEF mit ihrer Hiobsbotschaft. Sie bescheinigte ARD und ZDF, dass sie durch die Umstellung von der früheren Gerätegebühr auf die Haushaltgebühr in der laufenden Gebührenperiode über 1,1 Milliarden Euro mehr einnehmen. Dabei hatten die Anstalten seit mehr als einem Jahr gepredigt, die neue Rundfunkgebühr sei „aufkommensneutral“. Bürger und Unternehmen wurden über Monate hinweg getäuscht. Die nun von der KEF empfohlene Gebührensenkung von 73 Cent auf 17,25 Euro ist richtig und erfreulich. Doch sie führt nicht zwangsläufig zu mehr Gerechtigkeit.

Die Haushaltsgebühr, die alle Bürger und Unternehmen pauschal zur Kasse bietet, kann nur eine Zwischenstufe zu einer gerechteren Rundfunkfinanzierung sein. Die Akzeptanz der Gebühr und damit auch der Anstalten wird nur dann steigen, wenn endlich ein faires Modell der Finanzierung von ARD und ZDF gefunden wird.

Mein Vorschlag: Der Kunde kann zwischen verschiedenen Paketen wählen, beispielsweise ein Basispaket mit ARD, ZDF, regionalen Dritten und den jeweiligen regionalen Radiosender samt Internetangeboten. Gegen Aufpreis kann der Nutzer dann beispielsweise Phoenix, 3Sat, Arte oder Kika hinzubuchen. Wer alle 22 Sender und 67 Radios des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nutzen möchte, zahlt den vollen Preis von derzeit 17,98 Euro.

Technisch wären verschiedene Pakete ähnlich wie im privaten Bezahlfernsehen von Sky kein Problem. Im digitalen Zeitalter lassen sich Medienangebote von ARD und ZDF verschlüsseln. Wie das geht, zeigen die Österreicher. Wer beispielsweise den öffentlich-rechtlichen ORF in Deutschland empfangen möchte, schaut nämlich in die Röhre. Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Alpenrepublik verschlüsselt seit vielen Jahren hierzulande seine TV-Angebote. So vermeidet die rot-weiß-rote Anstalt eine Menge Probleme: zum einen können die Deutschen nicht gratis die österreichischen Programme nutzen, zum anderen werden dadurch urheberrechtliche Probleme vermieden.

Wahlfreiheit statt Bevormundung
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Der Medien-Kommissar - Verschlüsselt ARD und ZDF!

14 Kommentare zu "Der Medien-Kommissar: Verschlüsselt ARD und ZDF!"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • WARUM DIE ARD UND ZDF NICHT VERSCHIEDENE PAKETE ANBIETET?

    Weil die keiner freiwillig bezahlen würde, darum.
    Es gibt keinen Bedarf an miserablen und teilweise uralten Unterhaltungsprogramm vermischt mit nicht-neutraler und oft vollkommen wahrheitswidriger Berichterstattung im Sinne von CDU und SPD.

    Deshalb muss jeder das Propaganda-Komplett-Paket der ARD/ZDF auch per Zwang durch die GEZ-Steuer bezahlen.

  • Es ist sicherlich eine nette Idee. Viel wirksamer wären Zahlungsverweigerungen der Bevölkerung. Doch wenn ich mir ansehe, wie wenige Mitmenschen tatsächlich die Petitionen zur Abschaffung des Rundfunkbeitrages unterzeichnen, dann habe ich beinahe das Gefühl, als einsamer Rufer inmitten der Wüste zu stehen.
    Obwohl die Deutschen sich durch so viele positive Tugenden auszeichnen, zeigt sich im Unvermögen zum Widerstand, dem ohnmächtigen Aussitzen der Dinge und der Obrigkeitshörigkeit mit nahezu selbstzerstörischer Unterwerfungsgeste die wohl mit Anstand größte charakterliche Schwäche - leider.

  • Titel: "Verschlüsselt ARD und ZDF!"

    Was soll denn dieser Vorschlag? Es hat sich doch gerade ergeben, dass durch das neue Beitragsmodell wohl doch mehr ehemalige Schwarzseher bezahlen müssen als erwartet und dadurch für alle die Gebühren sinken, bzw. in den nächsten Jahren keine Steigerung zu erwarten ist. Dadurch, dass die über hundert Angebote im ÖR-Rundfunk (mit wenig oder überhaupt keiner Werbung in HD-Qualität) von allen bezahlt wird und für alle frei empfangbar sind, wird es doch erst möglich, dass auch hochwertige und kostspielige Produktionen, die nur von wenigen Zuschauern gesehen werden, machbar sind. Sollen wir denn nur noch vom Sumpf der Spindoktoren und des auf Profit ausgerichteten Rundfunks zugemüllt werden?

    Zitat Fat_bob_ger: "Dadurch wird einer kulturlosen Gesellschaft Vorschub geleistet, wenn nirgends mehr die Möglichkeit besteht, sich über solche Themen zu informieren."

    Das ist völlig richtig. Und genau darum gibt es in allen Demokratien der Welt einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

    Ich unterstelle, dass diejenigen, die hier so eifrig versuchen, den ÖRR in Misskredit zu bringen oder als "Systemfunk" abzutun, genau das Gegenteil einer informierten und gebildeten Bevölkerung als politisches Ziel ansehen. Die wollen eine uninformierte, verblödete Bevölkerung, die jede noch so plumpe Lösung für komplizierte Probleme und jede noch so blöde Verschwöhrungstheorie kritiklos glaubt, damit sie mit der Verbreitung von dem, was sie für richtg und sinnvoll halten, leichtes Spiel haben.

  • Technisch wäre es kein Problem. Aber politisch nicht gewollt. Denn dann würde kaum noch jemand dafür zahlen.

  • Viel sparen kann man durch so ein Wahlmodell nicht, denn Krimis, Sportschau, Nachrichten und Filme sind nicht billig und gerade diese werden vom Bürger nachgefragt. Dokumentationen, Kulturbeiträge, Bildungsprogramme u. ä. sind für die Masse uninteressant und werden nicht nachgefragt werden. Dadurch wird einer kulturlosen Gesellschaft Vorschub geleistet, wenn nirgends mehr die Möglichkeit besteht, sich über solche Themen zu informieren. Dann werden wir in einem Sumpf von werbezerfledderten Actionfilmen, Containerstaffeln, Gefängnisdokus, Kuppelshows u. ä. untergehen. Mich wundert es, dass niemand die werbefreien Filme nach 20:00 im ÖRRundfunk schätzt. Berlusconi hat in Italien den ÖRR kastriert und dominiert nun mit seinen bunten Verblödungssendern die dortige Medienlandschaft. Wenn die ÖR Konkurrenz in D ausgeschaltet ist, dann werden die Programme der freien privaten Sender so ausgedünnt werden, dass der Bürger auf ein 35,00 Euro Paket eines Bezahlsenders zugreifen muss. PS: Objektive Nachrichten wird es nie geben, weder in Russland, noch in den USA, noch in China, noch bei uns, denn immer wenn Interessen im Spiel sind, leidet die Objektivität und im Privatfunk ist Celebrity dominierend und gehaltvolle Berichterstattung zu teuer. Die öffentlich rechtlichen Sender sind nicht so schlecht wie ihr Ruf, vielleicht gibt es zuviele Sender.

  • Wie verhält es sich mit unseren Grundrechten?
    Ich würde ja gern Beiträge zahlen, die der Weiterentwicklung des Gemeinwesens dienen. Leider gilt dies nicht für die Mehrzahl der ARD-ZDF Angebote, wie teure Sportsendungen, Wetten dass, Musikantenstadl, Carmen Nebel, Tatorte und Unterhaltungsfilme. Die technische und personelle Ausstattung des ARD-ZDF ist unangemessen aufwendig. Ein Großteil des Beitragsvolumens wird zweckentfremdet, ohne dass Betragszahler Einfluss über die Verfügung der Mittel haben.
    Aus diesen Gründen schränkt der Rundfunkbeitrag meine Freiheit ein. Er zwingt mich, etwas zu unterstützen, das ich weder haben und noch nutzen will und das der Weiterentwicklung des Gemeinwesens schadet. Mittel, die ich gern anderen Aufgaben zuwenden möchte, werden dadurch blockiert. Dagegen widersetze ich mich in Anlehnung an Artikel 2 der Grundrechte im Grundgesetz.
    Weiterhin verstößt der Rundfunkbeitrag gegen das Gleichheitsgebot in Artikel 3, da alle ARD-ZDF Angebote im Ausland kostenlos gesehen und gehört werden können.

  • Schön wäre es aber wie wollen die 8 Milliarden durch Abos
    zusammen bekommen?Am Tag schauen 4-6 Millionen ARD/ZDF, daas brauchen die schon für die ganze zusatz Rente der Mitarbeiter.

  • Sehr gut dieser Vorschlag. Dann müsste man nicht mehr den ganzen Mist bezahlen, den ARD und ZDF so produzieren.

  • Bitte "uns" und "gelassen" selbständig, wenn gewünscht, einsetzen.

  • Wenn wir produktiv arbeitende und hauptsteuerlasttragende Mittelschicht eine sehr teure Beamten-und Verwaltungsschicht sowie eine kostenintensive Politiker-und Parteienschicht neben vielen weiteren in- und ausländischen Kapitalbedürftigen leisten können, wollen und müssen, dann sind die Peanuts für die sogenannten "öffentlich-rechtlichen" Bedürfnisse-Decker auch noch zu tragen. Wenn Steuer-und Abgabenanteile bemängelt und reduziert werden sollen, dann müßten zunächst vorgenannte Bevölkerungsanteile zur Ader und auf den Boden der Existenzberechtigung geholt werden. Da jedoch der geneigte Wähler dies für unwichtig erachtete, müssen alle weiter ihre Last tragen, wobei wir Mittelschicht wieder mal die doppelt-gelackmeierten sind. Wir trösten uns am besten damit, daß wir dies als sozialen Beitrag für die vorgenannten Bevölkerungsanteile ansehen und unser ganzjähriges Weihnachtsgeschenk daraus machen (müssen).
    Frohes Fest

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%