Der Medien-Kommissar
Verschlüsselt ARD und ZDF!

Die vor einem Jahr eingeführte Haushaltsgebühr kann nur eine Zwischenlösung zu einem gerechteren System sein. Warum bieten die Öffentlich-Rechtlichen nicht verschiedene Pakete an, wie es der Bezahlsender Sky tut?
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Es ist wieder Weihnachten. Vor einem Jahr bescherten uns die für den Rundfunk zuständigen Bundesländer die Haushaltsgebühr. Seit Neujahr 2013 zahlen alle Bürger und Unternehmen für ARD, ZDF und Deutschlandradio, unabhängig ob die Angebote im Fernsehen, Radio oder Internet tatsächlich nützen. Ist das fair?

Wie ungerecht das neue Rundfunkgebührensystem ist, bewies erst vor wenigen Tagen die unabhängige Finanzkommission KEF mit ihrer Hiobsbotschaft. Sie bescheinigte ARD und ZDF, dass sie durch die Umstellung von der früheren Gerätegebühr auf die Haushaltgebühr in der laufenden Gebührenperiode über 1,1 Milliarden Euro mehr einnehmen. Dabei hatten die Anstalten seit mehr als einem Jahr gepredigt, die neue Rundfunkgebühr sei „aufkommensneutral“. Bürger und Unternehmen wurden über Monate hinweg getäuscht. Die nun von der KEF empfohlene Gebührensenkung von 73 Cent auf 17,25 Euro ist richtig und erfreulich. Doch sie führt nicht zwangsläufig zu mehr Gerechtigkeit.

Die Haushaltsgebühr, die alle Bürger und Unternehmen pauschal zur Kasse bietet, kann nur eine Zwischenstufe zu einer gerechteren Rundfunkfinanzierung sein. Die Akzeptanz der Gebühr und damit auch der Anstalten wird nur dann steigen, wenn endlich ein faires Modell der Finanzierung von ARD und ZDF gefunden wird.

Mein Vorschlag: Der Kunde kann zwischen verschiedenen Paketen wählen, beispielsweise ein Basispaket mit ARD, ZDF, regionalen Dritten und den jeweiligen regionalen Radiosender samt Internetangeboten. Gegen Aufpreis kann der Nutzer dann beispielsweise Phoenix, 3Sat, Arte oder Kika hinzubuchen. Wer alle 22 Sender und 67 Radios des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nutzen möchte, zahlt den vollen Preis von derzeit 17,98 Euro.

Technisch wären verschiedene Pakete ähnlich wie im privaten Bezahlfernsehen von Sky kein Problem. Im digitalen Zeitalter lassen sich Medienangebote von ARD und ZDF verschlüsseln. Wie das geht, zeigen die Österreicher. Wer beispielsweise den öffentlich-rechtlichen ORF in Deutschland empfangen möchte, schaut nämlich in die Röhre. Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Alpenrepublik verschlüsselt seit vielen Jahren hierzulande seine TV-Angebote. So vermeidet die rot-weiß-rote Anstalt eine Menge Probleme: zum einen können die Deutschen nicht gratis die österreichischen Programme nutzen, zum anderen werden dadurch urheberrechtliche Probleme vermieden.

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  • WARUM DIE ARD UND ZDF NICHT VERSCHIEDENE PAKETE ANBIETET?

    Weil die keiner freiwillig bezahlen würde, darum.
    Es gibt keinen Bedarf an miserablen und teilweise uralten Unterhaltungsprogramm vermischt mit nicht-neutraler und oft vollkommen wahrheitswidriger Berichterstattung im Sinne von CDU und SPD.

    Deshalb muss jeder das Propaganda-Komplett-Paket der ARD/ZDF auch per Zwang durch die GEZ-Steuer bezahlen.

  • Es ist sicherlich eine nette Idee. Viel wirksamer wären Zahlungsverweigerungen der Bevölkerung. Doch wenn ich mir ansehe, wie wenige Mitmenschen tatsächlich die Petitionen zur Abschaffung des Rundfunkbeitrages unterzeichnen, dann habe ich beinahe das Gefühl, als einsamer Rufer inmitten der Wüste zu stehen.
    Obwohl die Deutschen sich durch so viele positive Tugenden auszeichnen, zeigt sich im Unvermögen zum Widerstand, dem ohnmächtigen Aussitzen der Dinge und der Obrigkeitshörigkeit mit nahezu selbstzerstörischer Unterwerfungsgeste die wohl mit Anstand größte charakterliche Schwäche - leider.

  • Titel: "Verschlüsselt ARD und ZDF!"

    Was soll denn dieser Vorschlag? Es hat sich doch gerade ergeben, dass durch das neue Beitragsmodell wohl doch mehr ehemalige Schwarzseher bezahlen müssen als erwartet und dadurch für alle die Gebühren sinken, bzw. in den nächsten Jahren keine Steigerung zu erwarten ist. Dadurch, dass die über hundert Angebote im ÖR-Rundfunk (mit wenig oder überhaupt keiner Werbung in HD-Qualität) von allen bezahlt wird und für alle frei empfangbar sind, wird es doch erst möglich, dass auch hochwertige und kostspielige Produktionen, die nur von wenigen Zuschauern gesehen werden, machbar sind. Sollen wir denn nur noch vom Sumpf der Spindoktoren und des auf Profit ausgerichteten Rundfunks zugemüllt werden?

    Zitat Fat_bob_ger: "Dadurch wird einer kulturlosen Gesellschaft Vorschub geleistet, wenn nirgends mehr die Möglichkeit besteht, sich über solche Themen zu informieren."

    Das ist völlig richtig. Und genau darum gibt es in allen Demokratien der Welt einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

    Ich unterstelle, dass diejenigen, die hier so eifrig versuchen, den ÖRR in Misskredit zu bringen oder als "Systemfunk" abzutun, genau das Gegenteil einer informierten und gebildeten Bevölkerung als politisches Ziel ansehen. Die wollen eine uninformierte, verblödete Bevölkerung, die jede noch so plumpe Lösung für komplizierte Probleme und jede noch so blöde Verschwöhrungstheorie kritiklos glaubt, damit sie mit der Verbreitung von dem, was sie für richtg und sinnvoll halten, leichtes Spiel haben.

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