Der Medien-Kommissar
Von Bekloppten und Bescheuerten

Mit der „Heute-Show“ führt das ZDF seit fünf Jahren vor, dass Humor und Sprache eine wunderbare Liaison eingehen können. Zum Geburtstag wurde der „bewaffnete Arm des ZDF“ zu Recht prämiert.
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Das schönste Geschenk zum fünften Geburtstag der „Heute-Show“ hat sich Moderator Oliver Welke gar nicht selbst gemacht. Das Präsent servierte ihm Bernd Lucke, Vorsitzender der europakritischen Alternative für Deutschland (AfD), mit seinem Wahlerfolg bei den Europa-Wahlen quasi frei Haus. Wie entlarvend-frech der mediale Umgang mit den designierten Europa-Parlamentariern künftig ausfallen wird, darauf bot der 48-Jährige einen Vorgeschmack. Am Beispiel eines fiktiven Comics um das Bürokratie-Monster „Brüsselo“ entzauberte er die populistischen Parolen von Lucke („Wir sind nicht das Weltsozialamt“) und seinen Parteikollegen auf witzige Art und Weise.

Die satirischen Wochenrückblicke von Welke und seinem Team gehören mittlerweile zu den Glanzstücken des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Während der Comedy-Klamauk bei der privaten Konkurrenz es schafft, sich in der Kategorie Niveau immer wieder selbst zu unterbieten, ist die „Heute-Show“ ein Garant für eine treffsichere Satire, die auch unbequeme Positionen abseits des gesellschaftspolitischen Mainstreams vertritt.

Sprache und Fernsehen sind in der Regel nicht eine Liebe auf den ersten Blick. Keiner weiß das besser als die in Wiesbaden ansässige Gesellschaft für deutsche Sprache. Als politisch unabhängige Vereinigung hat sie in der Vergangenheit bei der Vergabe von Preisen immer mal wieder daneben gegriffen. Das kann vorkommen. Mit der Vergabe des Sprachkritik-Medienpreises an Oliver Welke hat sie diesmal aber ins Schwarze getroffen.

Welkes Sprachwitz, der die ganze Bandbreite von Eleganz bis Rustikalität abdeckt, sucht seinesgleichen im deutschen Fernsehen. Die Nachrichtenparodie, die im Mai 2009 quasi als Abspann zur damals populären Satiresendung „Neues aus der Anstalt“ anfing, ist längst eine qualitative Benchmark in der TV-Branche.

Es ist alles andere als einfach, mit einer humorvollen Sendung über Politik heute noch die Menschen vor den Bildschirm zu fesseln. Die „Heute-Show“ hat dieses kleine Wunder geschafft, wie die gute Zuschauer-Resonanz immer wieder demonstriert. Nirgendwo sonst werden die inhaltsleeren Phrasen mancher Parteipolitiker und ihre arroganter Umgang mit der Macht besser entlarvt, als in der „Heute-Show“.

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Von Bekloppten und Bescheuerten"

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  • Oh weh, das tut weh. Wenn das ein Glanzstück des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (auch so eine blödsinnige und verfälschende Bezeichnung) sein soll, dann gute Nacht.
    Ich schau diesen Quatsch schon lange nicht mehr. ARD und ZDF generell fast nie mehr. Abschalten!

  • Die "Heute-Show" ist keine "Satire-Sendung" mit "Sprachwitz" oder ähnlichem, sondern eine billige Bashing-Veranstaltung, die sich, da schließe ich mich meinem Vorredner an, mittlerweile deutlich abgenutzt hat.
    Außerdem wird diese Sendung ausgiebig dazu genutzt, um dem Zuschauer deutlichst klar zu machen, wie er welche politische Entscheidung oder wie er welche Partei
    einzuordnen hat. Es werden dem Pöbel, insbesondere vor Wahlen, unverhohlen Sprach- und Denk-Vorgaben erteilt.
    Ergo: die "Heute-Show" ist eine einseitige linkslastige Propaganda-Show a la Karl-Eduard von Schnitzler's "Schwarzer Kanal" im DDR-TV, der wöchentlich den Westen und die BRD diffamierte.

    Um es mal "satirisch" auszudrücken: Oliver Welke ist der Karl-Eduard des ZDF!

  • "Die satirischen Wochenrückblicke von Welke und seinem Team gehören mittlerweile zu den Glanzstücken des öffentlich-rechtlichen Fernsehens" - gehörten, Herr Siebenhaar, gehörten. Mitterweise ist das Ganze zu einem billigen Versprecher-Bashing und infantilen Beschimpfungen geworden. Von Esprit, subtilem Witz oder auch derb-ueberraschender Ironie ist nichts mehr geblieben. Das Ganze wirkt nur noch dröge und abgestanden. Mein Rat an Herrn Welke: aufhören, bevor es Ihnen so ergeht wie Herrn Gottschalk.

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