Der Medien-Kommissar
Vorbild für die mediale Elite

Der Wechsel vom Managern in die Politik hat im Gegensatz zum umgekehrten Vorgang noch immer Seltenheitswert. Nun wird der frühere Gruner + Jahr-Chef Bernd Buchholz neuer Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein.
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Um einen flotten Spruch war Bernd Buchholz nie verlegen. Als im Herbst 2008 die größte Finanzkrise seit Kriegsende ausbrach und wie ein Tsunami die Werbemärkte hinwegfegte, hatte der spätere Vorstandschef von Gruner + Jahr („Stern“, „Brigitte“) und damalige Deutschland-Chef des Hamburger Verlagshauses für seine verunsicherten Mitarbeiter eine klare Ansage: „Wenn Sie als Kapitän auf der Brücke stehen und eine Riesenwelle aufs Schiff zukommen sehen, dann müssen sie den Leuten auf dem Sonnendeck sagen, dass sie ihre Liegestühle und Drinks beiseite stellen müssen“, formulierte der selbstbewusste Manager damals.

Der lockere Spruch löste einen Aufschrei der Empörung damals in der Belegschaft aus. Und doch Buchholz sollte – leider – Recht behalten. Denn die durch die Pleite von Lehman Brothers ausgelöste Krise trug wesentlich dazu bei, dass Gruner + Jahr heute wirtschaftlich nur noch ein Schatten seiner selbst ist.

Wahrheiten auszusprechen gehört seit langem zum ungeliebten Handwerkszeug des Managers, der nun Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein wird. Am 28. Juni wird die neue Landesregierung von CDU, Grüne und FDP in Kiel vereidigt. Am Nachmittag des gleichen Tages wird der 55-jährige FDP-Politiker sein Amtszimmer im Kieler Wirtschaftsministerium beziehen.

Der Wechsel eines finanziell unabhängigen Managers in der Politik hat in Deutschland Seltenheitswert. Dabei könnte gerade die unter der Mittelmäßigkeit leidende Politik auf allen Ebenen – vom Bund über die Ländern bis zu den Kommunen – mehr Alphatiere mit Ideen und Mut aus der Wirtschaft brauchen. Warum tut sich Buchholz das an? Schließlich verbringen viele seiner Altersgenossen längst mehr Zeit auf Golfplatz und auf dem Segelboot als im öden Büro.

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Zwischen frischem Wind und Ego-Problemen

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