Der Medien-Kommissar
Wallraffs zweifelhaftes Verhältnis zu McDonald's

RTL fährt mit den Undercover-Reportagen des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff Traumquoten ein. Doch wie unabhängig sind die Enthüllungen über die Fastfood-Kette Burger King wirklich?
  • 0

Er wurde mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille prämiert, mit dem August-Bebel-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Bereits seit Jahrzehnten ist kein Enthüllungsjournalist geachteter als Günter Wallraff – der Mann, der Deutschland einst lehrte, wie böse die „Bild“-Zeitung sein kann. Der 71-Jährige ist längst zu einer Ikone des investigativen Journalismus weit über die deutschen Grenzen hinaus avanciert.

In einem Alter, in denen sich andere Schriftsteller bereits Lorbeerkränze flechten, ist Wallraff noch immer unermüdlich unterwegs. Einer der es nicht lassen kann, Missstände in der Wirtschaft aufzuklären. Eines seiner jüngsten Ziele: die Fast-Food-Kette Burger King.

Für seinen Auftraggeber RTL ist das „Team Wallraff – Reporter Undercover“ ein Glücksgriff. Mit den Undercover-Recherchen wie bei der Hamburger-Kette poliert die Fernsehtochter des Medienkonzerns nicht nur ihr Image auf, sondern erzielt Traumquoten. Knapp 3,8 Millionen Zuschauer verfolgten die Burger-King-Episode. In der Woche darauf waren es bei den Recherchen über Pflegeheimen sogar 4,4 Millionen.

Besonders bitter für die betroffenen Firmen: vor allem junge Zuschauer verfolgen die TV-Reportagen. Das hat Folgen – und zwar ökonomische. Burger King erlitt Dank Wallraff und RTL tatsächlich Umsatzeinbußen, wie der Deutschland-Chef Andreas Bork öffentlich zugeben musste.

„Das gastronomische, gesundheitsgefährdende und Mitarbeiter ausbeutende ‚Böse‘ in Deutschland hat einen Namen: Burger King. Dem Enthüllerkönig Günter Wallraff und RTL sei Dank für ihre erneute objektive und investigative Aufklärungsarbeit“, schrieb kürzlich ein enthusiastischer Leserbriefschreiber an die „Welt“. Doch ist der Enthüllungsjournalismus so objektiv? Gibt es einen Wallraff, der gar vom Geldsegen  eines Burger-King- Konkurrenten profitiert?

Die Recherchen des „Spiegel“ skizzieren einen anderen Wallraff abseits vom altruistischen Investigativ-Reporter von RTL. Demnach arbeitete Wallraff vor ein paar Jahren offenbar mit McDonald’s zusammen. Er ist laut „Spiegel“ bei einem internen Meeting des Konzerns aufgetreten. Die Gegenleistungen: 5000 Euro für seine Stiftung. Außerdem hätte er bei Mitarbeiterbefragungen geholfen und sich für ein internes Schulungsvideo zur Verfügung gestellt.

Auch mit der McDonald’s Agentur Burson-Marsteller sei er verbandelt gewesen. Laut „Spiegel“ erhielt er 3000 Euro für seine Stiftung: Seine Leistung: er sprach für die Agentur in Frankfurt über „PR und investigativen Journalismus“.

Seite 1:

Wallraffs zweifelhaftes Verhältnis zu McDonald's

Seite 2:

Bitte immer mit Seitenumbruch

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Wallraffs zweifelhaftes Verhältnis zu McDonald's"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%