Der Medien-Kommissar
Warum ARD und ZDF fusionieren sollten

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verspricht zu sparen, allerdings nur ein bisschen. Die Politik ist gefordert, das anachronistische System zu reformieren – und ARD und ZDF mittelfristig zusammen zu legen.
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Das Ritual ist bekannt. ARD und ZDF legen Sparvorschläge vor, die Länder korrigieren ein wenig und winken schließlich die Ideen unter Applaus durch. Nun hat das Tandem seine neuen Ideen dargelegt, wie es zwischen 2018 und 2021 wirtschaften will. Bei den Vorschlägen kommen kumuliert scheinbar imposante Zahlen zustande. Das ZDF verspricht seine Kosten innerhalb von sieben Jahren um 270 Millionen Euro zu senken. Die sehr viel größere ARD will sogar im gleichen Zeitraum die Kosten um 951 Millionen Euro drücken.

Doch die Zahlen, die auf den ersten Blick wie große Einschnitte aussehen, sind tatsächlich nur Korrekturen kosmetischer Art. Denn im gleichen Zeitraum liefert der Gebührenzahler geschätzte sage und schreibe 56 Milliarden Euro an Rundfunkgebühren ab. Seit der Einführung der Haushaltsgebühr im Jahre 2013 müssen schließlich alle zahlen, ganz egal ob sie die Angebote im Fernsehen, Internet oder Radio überhaupt nutzen. Das spült jährlich rund acht Milliarden Euro in die Kassen von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Derzeit werden 17,50 Euro pro Haushalt fällig, um das opulente System von TV-Kanälen, Hörfunksendern und Websites zu finanzieren.

Der scheidenden ARD-Vorsitzenden Karola Wille und ihrem ZDF-Kollegen Thomas Bellut ist kein Vorwurf zu machen, dass sie mit ihren Sparvorschlägen der Politik ein wenig Sand in die Augen zu streuen. Das Duo versucht das Beste für seine jeweilige Mannschaft herauszuholen. So gehört es sich für gute und loyale Chefs.

Mit ihren Vorschlägen erfüllen Wille und Bellut ohnehin nur die gesetzlichen Bestimmungen. Die Intendanten machen den laut Verfassung für den Rundfunk zuständigen Ländern nur Vorschläge. Mehr aber auch nicht. Die politische Verantwortung tragen die Ministerpräsidenten ganz allein. Und genau das ist das Problem. Die Länder müssen endlich den politischen Mut aufbringen, das verkrustetes und ineffektive Rundfunksystem zu reformieren. Die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen ein neues Konzept, um dem veränderten Nutzerverhalten und den gesellschaftlichen Erwartungen Rechnung zu tragen.

Im digitalen Zeitalter braucht niemand mehr eine mediale Grundversorgung durch staatsnahe Rundfunkanstalten mit einem beamtenähnlichen Pensionssystem. Noch nie zuvor konnten sich die Bürger, egal ob Text, Zahlen, Foto oder Videos, so umfassend informieren, wie heute. Dass ein solches Angebot, die Menschen nicht schlauer macht, steht auf einem anderen Blatt.

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Rundfunkgebühren kaum zu rechtfertigen

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  • ARD und ZDF und alles, was die Zuschauer und Hörer nicht mehr haben wollen, abschaffen - so bald als möglich! Es gibt ja noch viele weitere Faktoren, wie z.B. horrende Pensionen absolut überflüssiger Funktionäre, die ins Gewicht fallen. Die ÖR genießen noch weitere Privilegien, die eine schnelle Abschaffung notwendig machen. Mit staatlichem Rückhalt versuchen sie Internetangebote in den Markt zu drücken - vorbei an allen, die redlich dafür arbeiten, wie z.B. auch Herr Siebenhaar. Ein privatwirtschaftlich Tätiger kann einem Werbetreibenden niemals solche Angebote für den selben Preis anbieten, wie ein öffentlich gesponserter Sender, der zudem völlig risikofrei arbeitet und machen kann, was er will, solange er keiner großen Partei auf die Füße tritt.

    Die ÖR beuten aber auch ihre freien und festen freien Mitarbeiter aus. Keine andere Organisation leistet sich so ein System.

    Sieben Jahre? Viel zu lang. Es geht natürlich nicht über Nacht, aber jetzt muss ein weiterer Ausbau verhindert und dann innerhalb von fünf Jahren alles abgewickelt werden. Die FDP hat bereits 2013 einen Vorstoß gemacht. Jetzt kann sie liefern. Über die Hälfte der Bevölkerung steht dahinter.

  • Natürlich, Herr Spiegel. Wir wollen schließlich nicht undankbar sein. Wer treu und mit maximalem Einsatz die Wahrheit zugunsten der Staatsregierung verbogen hat, soll von diesem Staat niemals im Stich gelassen werden.
    Ein Rittergut für jeden ehemaligen Indendanten!

  • Enrico Caruso@Wenn man die Wahrheitsverkünder zusammen legt, müsste man aber die Anzahl der Posten, Räte u. s.w. beibehalten. Die sozialen Verwerfungen
    sind bei den tausenden von Kostgängern erheblich, das könnte den Staat destabilisieren.

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