Der Medien-Kommissar: Wenn der Zuschauer zum King Kong wird

Der Medien-Kommissar
Wenn der Zuschauer zum King Kong wird

Netflix kennt den Nutzer über seinen Algorithmus besser als jeder Fernsehsender. Damit wird das Portal aus Kalifornien die Film- und TV-Branche grundlegend verändern. Die Öffentlich-Rechtlichen müssen aufpassen.
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Wenn sich prominente Produzenten, Verleiher und TV-Manager aus vier Ländern für zwei Tage zur Klausur in die Südtiroler Berge zurückziehen, dann muss das einen guten Grund haben. Für das Alpenglühen im Frühling hatte die 60-köpfige Gruppe in einem Belle-Epoque-Hotel im malerischen Oberbozen keinen Sinn. Denn angesichts der dramatischen Umwälzungen in der Branche hatten die Unternehmer und Manager – darunter Jan Mojto (Beta Film), Marcus Ammon (Sky), Christian Becker (Rat Pack) und Danny Krausz (Dor Film) – viel zu besprechen.

Der Kampf um die Zuschauer ist noch nie so hart wie heute. Denn die audiovisuellen Angebote nehmen ungebremst zu.  Nicht nur die privaten und öffentlich-rechtlichen Sender duellieren sich mit immer neuen Kanälen so intensiv wie noch nie. Hinzu kommt die neue Konkurrenz durch Filmabrufportale im non-linearen Markt, der vor allem junge Zielgruppen anzieht.

Der Markteintritt von Netflix in Deutschland und Österreich droht den Film- und Fernsehmarkt zu verändern – wie einst Facebook, das den Platzhirschen StudiVZ innerhalb weniger Jahre ins Abseits katapultiert hat. Denn ähnlich wie Facebook kennen Netflix und der Mitwettbewerber Amazon ihre Zuschauer haargenau. Sie arbeiten mit einem Algorithmus.

Ein Produzent flachste auf der Tagung, die von der Filmförderung Business Location Südtirol organisiert wurde, Netflix, das börsennotierte Filmabrufportal aus Kalifornien, kenne seinen Zuschauer besser als der Zuschauer sich selbst. In der Übertreibung liegt viel Wahres. Die Amerikaner erheben vielfältige Daten, wie Titel, Genre, Sehdauer oder das Alter der Nutzer und nutzen sie für die Schaffung ihrer Serien und Filme. Das ist offenbar einer der Gründe, weshalb Netflix mit Serien wie „House of Cards“ einen solchen durchschlagenden Erfolg eingefahren hat.

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TV-Sender können sich nur schwer gegen Konkurrenz wappnen

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