Der Medien-Kommissar
ZDF – die Schlechtesten!

Der massive Zuschauerbetrug des ZDF bei der Show „Deutschlands Beste!“ muss Folgen haben. Der Rücktritt von Programmchef Norbert Himmler ist überfällig. Denn beim Sender stinkt der Fisch vom Kopf her.
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Die ARD taumelt vor Freude. Die Übertragung des Finales zwischen Weltmeister Deutschland und Argentinien lockte fast knapp 35 Millionen Zuschauer vor den Fernsehseher. Eine historische Bestmarke! Und das ZDF? Das Zweite taumelt hilflos. Der massive Zuschauerbetrug in der zweiteiligen Unterhaltungsshow „Deutschlands Beste!“ mit Johannes B. Kerner ist der größte Skandal der öffentlich-rechtlichen Anstalt seit Jahren.

Systematisch wurde von der Redaktion auf dem Mainzer Lerchenberg die Bestenliste gefälscht. So wurde beispielsweise ZDF-Nachrichtenmann Claus Kleber nach oben katapultiert, sein RTL-Kollege Peter Kloeppel aber nach hinten geschoben. SPD-Politiker wie Frank-Walter Steinmeier wurden aufgewertet, CDU-Politiker wie Wolfgang Schäuble abgewertet. Eingeladene Gäste wurden auf der Liste 50 beliebtesten Frauen und Männer einfach nach oben geschoben.

Die gezielte Manipulation wirft Fragen auf, welches Selbstverständnis in der öffentlich-rechtlichen Anstalt überhaupt herrscht. Offenbar ein gottähnliches. Denn anders sind diese Allmachtphantasien von ZDF-Managern nicht zu erklären.

Der Schaden ist unterdessen gewaltig. Denn die Seriosität und die Glaubwürdigkeit des ZDF sind schwer beschädigt. Gerade bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, der sich als Gralshüter des Schönen, Guten und Wahren begreift, wiegt das doppelt.

Der Vergleich des CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der den ZDF-Betrug mit dem ADAC-Skandal vergleicht, ist jedoch einfältig. Offenbar ist gelernten Realschullehrer aus Niederbayern entgangen, dass der getäuschte Bürger aus dem ADAC jederzeit austreten kann, für das ZDF muss er hingegen lebenslang zahlen – ganz unabhängig wie viele Betrügereien künftig noch entdeckt werden. Verantwortlich für diese „Zwangsmitgliedschaft“ sind die Parteien, allen voran die CSU.

Statt für schnelle Transparenz zu sorgen, rückte das ZDF nur stückchenweise mit der Wahrheit über die gezielte Manipulation heraus. Mit „Idioten“ beschimpfte Moderator Claus Kleber seine ZDF-Kollegen per Twitter. ZDF – die Schlechtesten! Einen öffentlichen Widerspruch in der Anstalt gab es nicht.

ZDF braucht einen Neuanfang

Um den Skandal aus der Welt zu schaffen und die mächtigen Parteipolitiker zu befrieden, ist von den ZDF-Oberen offenbar geplant, auf der unteren oder mittleren Ebene Köpfe rollen zu lassen. Das entspricht dem üblichen Vorgehen bei solchen Missständen.

Tatsächlich stinkt aber der Fisch im Fall des ZDF vom Kopf her. Unter ZDF-Programmchef Norbert Himmler ist ein Klima entstanden, das offenbar solche redaktionelle Betrügereien erst möglich gemacht hat. Selbstherrlichkeit und Selbstgerechtigkeit gehört unter seiner Ägide zur DNA auf dem Mainzer Lerchenberg. Sein fatales Krisenmanagement in den vergangenen Tagen zeigt die ganze Überheblichkeit des seit 2012 amtierenden Programmdirektors.

Statt lückenloser Aufklärung förderte Himmler die Wahrheit nur scheibchenweise zu Tage. Seine Entschuldigung per Pressemitteilung reicht längst nicht aus. Die Zuschauer, die tatsächlich geglaubt hatten mit ihrer Stimme die „Besten Deutschlands“ zu wählen, sind vom ZDF schamlos betrogen worden. Warum stellt sich Himmler nicht in einem Online-Chat oder Pressekonferenz den vielen offenen Fragen? Gerade im Gebührenrundfunk, der von den Bürgern mit jährlich fast acht Milliarden Euro allein an Rundfunkgebühren finanziert wird, gibt es eine besondere Verpflichtung für Aufklärung zu sorgen.

Um seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, braucht das ZDF einen redaktionellen Neuanfang. Dazu gehört ein neuer Programmdirektor, der für Seriosität und Glaubwürdigkeit steht. Himmler, der sein ganzes Berufsleben in der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt verbrachte, hat gezeigt, dass er nicht in der Lage ist die Einhaltung der ZDF-Programmrichtlinien zu garantieren. In diesen Richtlinien ist ausdrücklich „von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit“ die Rede.

Intendant Thomas Bellut muss zudem von Unabhängigen untersuchen lassen, ob es noch weitere Manipulationsfälle im ZDF gibt und Rechenschaft über die Ergebnisse ablegen. Transparenz ist noch immer die schärfste Waffe gegen Betrügereien.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • Ich frage mich, was das ZDF sich sonst noch leisten will!
    Dieser Sender verkommt immer mehr. Anstatt eines vernünftigen Programms werden mehrere Programmteile bedient, die sich durch Wiederholungen über mehrere Jahre am Leben erhalten sollen. Filmbeiträge werden in der Media Thek wissentlich weggelassen um die dummen Bürger mit Beiträgen von Ökoterroristen voll zu Müllern. Ansonsten kocht man sich dumm und dämlich und lässt talken damit man überhaupt noch etwas zu senden hat. Es stimmt doch, dass der Fisch am Kopf anfängt zu stinken.

  • Das ZDF braucht keinen Neuanfang, die Anstalt gehört endlich abgeschafft, da die dort Tätigen beweisen, dass sie es seriös nicht können. Ein ÖR-TV-Sender genügt völlig. Uns Gebührenzahler könnte man dadurch finanziell entlasten.

  • Mauscheleien? Und deswegen zurücktreten? Wieso das?
    Die Öffentlich Rechtlichen sind doch niemand gegenüber verantwortlich und haben uneingeschränkt Mittel zur Verfügung. Die tun und lassen was sie wollen!

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