Der Medien-Kommissar: Zwischen frischem Wind und Ego-Problemen

Der Medien-Kommissar
Vorbild für die mediale Elite

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Zwischen frischem Wind und Ego-Problemen

Buchholz macht im Gespräch klar, dass ihn die Lust zum Gestalten antreibt. Der Unternehmer will in dem strukturschwachen Bundesland Ökonomie und Ökologie versöhnen, neue Entwicklung in der Energiebranche ermöglichen, ultraschnelles Internet überall verfügbar machen. Viele Idee, hehre Ziele. Im Grunde genommen will der frühere FDP-Landtagsabgeordnete die Wirtschaft im hohen Norden wachküssen.

Die Mitarbeiter im Wirtschaftsministerium können sich unterdessen auf eine Zeitenwende gefasst machen. Buchholz, der mir gegenüber seinen Führungsstil als durchsetzungsstark und emphatisch umschreibt, will verändern und modernisieren. Auf Geduldsproben mit der Ministerialbürokratie wird sich der promovierte Jurist nicht einlassen wollen. Und Dinge beim Namen zu nennen, damit hat der frühere Gruner-Chef seit jeher kein Problem.

Ohnehin kann sich der in Ahrensburg bei Hamburg lebende Liberale, der bereits in den Neunziger Jahren dem schleswig-holsteinischen Landtag als Abgeordneter angehörte, Kompromisslosigkeit leisten. In seiner Zeit bei Bertelsmann verdiente er einen zweistelligen Millionen-Betrag. Er ist längst finanziell unabhängig. Sein Gehalt als Wirtschaftsminister liegt nach eigener Einschätzung im Jahr ungefähr in der Höhe eines Monatsgehaltes bei Gruner + Jahr. In Kiel verdient ein Minister deutlich unter 200.000 Euro pro Jahr.

Das vom einstigen Verleger und Gruner-Chef Gerd Schulte-Hillen entdeckte Polit-Talent Buchholz kann im Ministeramt dennoch nicht schalten und walten wie in einem Konzern. Den kompromisslosen Führungsstil, den er in schwierigen Jahren bei Gruner + Jahr an den Tag gelegt hatte, wird Buchholz in der Politik nicht fortführen können.

Der lebensfrohe Protestant wird Kompromisse in einer Dreier-Koalition ertragen müssen, in den er womöglich nicht immer eine bella figura machen wird. Das geht auf das Ego. Und das ist bei Buchholz nicht gerade klein. Doch der fleißige Manager ist lernbereit. Das hilft ungemein im komplizierten Ökosystem Wirtschaftspolitik.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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