Medien-Kommissar
ProSieben Sat 1 kapert Österreich

Nach dem Kauf des österreichischen Senders ATV durch ProSieben Sat 1 will der Konzern die Nummer Eins in der Alpenrepublik werden. ATV soll RTL- und VOX-Anteile wegnehmen. Die Österreicher beklagen eine „Germanisierung“.
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Am Ziel seiner Träume ist Markus Breitenecker. Der österreichische Statthalter von ProSieben Sat 1 durfte die Übernahme des bisherigen Konkurrenten ATV am Morgen nach der Bezahlung des Kaufpreises an den bisherigen Eigentümer Herbert Kloiber vorstellen. Breitenecker tritt zur Verkündung im eigenen Studio des österreichischen ProSieben Sat 1-Ableger Puls wie ein Bauleiter auf: in Jeans und mit Kapuzenpullover.

Tatsächlich ist die Übernahme des österreichischen Privatsenders für den deutschen Medienkonzern eine Herausforderung. Kloiber hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt, ATV nicht umsonst als den „größten Fehler“ seines langen Unternehmerlebens beschrieben.

„Ich will meinem Sohn mit ATV kein Danaergeschenk machen“, sagte der gebürtige Wiener. Sohn Herbert L. Kloiber arbeitet bereits als Co-Geschäftsführer der Tele-München-Gruppe mit Hauptsitz in München.

Der Fernsehmarkt in Österreich ist ein Kuriosum. In dem Alpenland, dessen Einwohnerzahl ungefähr die Hälfte von Nordrhein-Westfalen entspricht, ist der öffentlich-rechtliche ORF der Marktführer im Fernsehen, Radio und Internet. Diese Poolposition will Breitenecker den bisherigen Platzhirschen streitig machen.

Sein Ziel: Puls und ATV sollen unter dem Dach von ProSieben künftig der Marktführer in der werberelevanten Zielgruppe der unter 50-Jährigen werden. Mit seinem Ableger Puls 4 hatte ProSieben Sat 1 schon bisher eine starke Stellung. Darüber hinaus vermarkt der DAX-Konzern seine Kanäle ProSieben, Sat 1, Kabel und Sixx mit österreichischen Werbefenstern.

Doch das Ziel der Marktführerschaft zu erreiche, ist es noch ein weiter Weg. Aber unrealistisch ist das Ziel keineswegs. „Der ORF wird immer älter und älter. Gegen die Überalterung kämpft er viel zu wenig“, konstatiert der frühere RTL-Chefredakteur Hans Mahr.

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ATV als „schwerer wirtschaftlicher Sanierungsfall“

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