Medienkonzern
Axel Springer profitiert vom Online-Geschäft

Das klassische Geschäft im Heimatland bleibt schwierig- aber Axel Springer schlägt sich dank der Auslandsaktivitäten wacker. Zudem bringt das Internet üppige Gewinne.
  • 0

BerlinDas digitale Geschäft ist der Motor für den Medienkonzern Axel Springer. Angetrieben von den Online-Aktivitäten sei das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im ersten Halbjahr um sechs Prozent auf den Rekordwert von knapp 309 Millionen Euro gestiegen, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner am Mittwoch. Das digitale Geschäft - darunter vor allem die Portale für Stellenanzeigen, Autos und Immobilien - trug mehr als ein Drittel zum Gewinn bei.

Trotz des konjunkturellen Gegenwinds hält der "Bild"- und "Welt"-Herausgeber an seiner Jahresprognose fest und erwartet einen Anstieg der Erlöse im einstelligen Prozentbereich und ein leicht höheres Ebitda. Die im MDax notierte Springer-Aktie notierte nach anfänglich deutlichen Verlusten am frühen Nachmittag nahezu unverändert.

Döpfner betonte erneut, die digitale Transformation habe "Höchstpriorität". Dazu beitragen soll auch der jüngst angekündigte Erwerb von 75 Prozent an Polens führendem Web-Portal Onet.pl zusammen mit dem Schweizer Partner Ringier. In der ersten Jahreshälfte legten die Umsätze der digitalen Medien um knapp 25 Prozent zu, das Ebitda stieg um 55 Prozent auf knapp 111 Millionen Euro. "Damit ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann dieses Segment die Position des größten Ergebnislieferanten im Konzern übernehmen wird", schrieben die Analysten der DZ Bank.

Seit Jahren verlagert das Berliner Unternehmen sein Geschäft ins Netz, neben Online-Marktplätzen gehören dazu journalistische Portale wie welt.de und der europäische Online-Marketing-Anbieter Zanox. Bei Zanox lief es im ersten Halbjahr nicht ganz so rund, das Ebitda ging leicht zurück - laut Finanzchef Lothar Lanz auch eine Folge der Schuldenkrise in Europa.

Das Verlaghaus erwirtschaftete von Januar bis Juni rund ein Drittel des Konzernumsatzes von 1,62 Milliarden Euro (plus 6,2 Prozent) im Ausland. Welche Folgen eine Verschlechterung der Konjunktur in Deutschland habe, lasse sich in diesem zyklischen Geschäft kaum einschätzen, gab sich Döpfner bedeckt.

Ziel von Springer ist es, sich unabhängiger vom anhaltendem Abwärtstrend bei Printprodukten zu machen. Das Zeitschriftengeschäft sowie die internationalen Printmedien verzeichneten im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang. Den "Bild"-Werbeerlösen half die Sonderaktion zum 60. Geburtstag - zu dem die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung jedem Haushalt kostenlos zugestellt wurde - auf die Sprünge. Dem strukturellen Trend könne sich "Bild" aber nicht entziehen, räumte Döpfner ein. Die verkaufte Auflage fiel um knapp sechs Prozent auf im Schnitt 2,7 Millionen Exemplare.

Döpfner hat sich auf die Fahne geschrieben, die Bezahlkultur für Inhalte im Netz zu verbessern. Für journalistische Qualität müsse gezahlt werden, fordert der Springer-Chef. Erstmals nannte der Konzern nun ein Ziel für entsprechende Einnahmen: Im Gesamtjahr will Springer mit Paid Content wie beispielsweise der "Bild"- und "Welt"-App einen mittleren einstelligen Millionenbetrag umsetzen. In der ersten Jahreshälfte hätten sich die Erlöse verdoppelt, sagte Döpfner. Er forderte andere Medienhäuser auf, ihre Einnahmen in diesem Bereich ebenfalls offenzulegen.

Auf der Suche nach den neuesten digitalen Trends schickt Springer ab September eine Dreier-Delegation unter Führung von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann ins Silicon Valley. "Sie sollen Konzepte für digitales Wachstum entwickeln", sagte Döpfner. Es sei ein Experiment mit offenen Ausgang. Zugleich versicherte er, Diekmann werde nach dem halbjährigen Aufenthalt in seine alte Position zurückkehren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medienkonzern: Axel Springer profitiert vom Online-Geschäft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%