Medienkonzern
Bertelsmann spart bei seiner Stiftung

Europas größter Medienkonzern, Bertelsmann, verordnet seiner Stiftung einen harten Sparkurs. Künftig wird die jährliche Dividende deutlich niedriger ausfallen, aus der sich die Stiftung speist.

Im nächsten Jahr werden ihr nach eigenen Angaben nur noch 70 Mio. Euro als Budget zur Verfügung stehen. Bislang konnte die in Gütersloh ansässige Stiftung jährlich rund 80 Mio. Euro ausgeben. "Niemand hat erwartet, dass uns die Finanzkrise nicht trifft", hieß es gestern bei der Denkfabrik.

Stiftungschef Gunter Thielen verkündete zudem einen Einstellungsstopp. Frei werdende Stellen würden nicht besetzt, befristete Arbeitsverträge nicht verlängert, teilte der ehemalige Bertelsmann-Chef mit. Alle 16 Programme sollen aber fortgeführt werden. Die Stiftung beschäftigt derzeit 285 Vollzeitkräfte.

Bertelsmann wollte eine mögliche Kürzung der Dividende auf Anfrage nicht kommentieren. Über die Ausschüttung an die Stiftung entscheidet die Hauptversammlung im Mai 2009. Bertelsmann Stiftung und die Familie Mohn halten über Zwischengesellschaften 76,9 Prozent beziehungsweise 23,1 Prozent der Kapitalanteile. Die Stimmrechte werden zu 100 Prozent von der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft kontrolliert.

Als Grund für den Sparkurs nannte Thielen die Finanzkrise. Nach Einschätzung der Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn wird die Finanzkrise drei Jahre dauern. Das sagte die Ehefrau von Reinhard Mohn kürzlich in Gütersloh.

Die Bertelsmann Stiftung gilt im Bildungsbereich als ausgesprochen einflussreich. Linke Wissenschaftler und Gewerkschafter werfen der Denkfabrik allerdings vor, den Konzerninteressen zu dienen. Sie fordern eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit.

Hintergrund des Sparkurses ist die Wachstumsschwäche des Konzerns. Der Medienriese erwartet für dieses Jahr einen Gewinneinbruch von bis zu zehn Prozent. "Das Operating Ebit wird vor dem Hintergrund der gedämpften Konjunkturaussichten fünf bis zehn Prozent unter Vorjahr liegen", hatte Finanzvorstand Thomas Rabe zuletzt angekündigt.

Bereits in den ersten neun Monaten sank das operative Ebit um zehn Prozent auf 926 Mio. Euro, nach gut einer Milliarde im Vorjahr. Der Konzernumsatz ging in den ersten drei Quartal um 0,7 Prozent auf 11,4 Mrd. Euro zurück.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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