Medienkonzern
Vivendi verspricht Anlegern Trendwende

Alles wird besser – aber erst im nächsten Jahr. Das versprach Vivendi-Finanzchef Philippe Capron angesichts der Geschäftsflaute. Das Unternehmen befindet sich mitten im Konzernumbau. Kostensenkungen sollen 2014 wirken.
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ParisDer französische Medienkonzern Vivendi hat die Anleger angesichts der anhaltenden Geschäftsflaute auf nächstes Jahr vertröstet. Vivendi-Finanzchef Philippe Capron sagte am Donnerstag, im schwachen zweiten Quartal seien insbesondere die Ergebnisse der Mobilfunk-Tochter SFR „enttäuschend“. Die eingeleiteten Kostensenkungen würden jedoch bis zum nächsten Jahr wirken und dann eine Trendwende einleiten.

Vivendi befindet sich mitten im Konzernumbau. Im Zuge der gewollten Rückbesinnung auf das Mediengeschäft haben die Franzosen im Quartal die Abkehr von zwei wichtigen Geschäftsbereichen eingeleitet, nämlich den Verkauf von Mehrheitsbeteiligungen am US-Videospielehersteller Activision Blizzard sowie am marokkanischen Telekom-Anbieter Maroc Telecom. Zu Maroc Telecom laufen exklusive Verkaufsgespräche mit Etisalat aus Abu Dhabi. Der Gewinnbringer Activision fehlt nun aber schmerzlich in der Bilanz. Zudem leidet SFR weiter unter dem harten Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt in Frankreich. Seit Anfang 2012 tobt dort eine Preisschlacht, die der Billiganbieter Iliad losgetreten hatte.

Im zweiten Quartal sank der Umsatz um 0,5 Prozent auf 5,43 Milliarden Euro, wie die hoch verschuldete Universal-Mutter Vivendi mitteilte. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen schrumpfte wegen der schwachen Entwicklung bei SFR dagegen sogar um fast 20 Prozent auf 762 Millionen Euro. Doch der Gewinnrückgang fiel noch etwas moderater aus als von Experten befürchtet. Vivendi-Aktien legten in Paris denn auch um 2,2 Prozent zu und damit stärker als der Gesamtmarkt.

Mit der Verschlankung will sich Vivendi Spielraum verschaffen. So sollen mit dem Einnahmen Schulden abgebaut oder den Aktionären Geld zurückgegeben werden. Konkrete Schritte zur Verwendung der Mittel sind aber nach den Worten von Capron noch nicht entschieden. Der Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung am weltgrößten Videospielehersteller Activision brachte Vivendi allein sechs Milliarden Euro ein. Vivendi behält zwölf Prozent, muss die Gewinne aber nun als Einnahmen aus dem nicht-fortgeführten Geschäft verbuchen.

Bei SFR sank der Umsatz um 11,3 Prozent auf 2,51 Milliarden Euro, obwohl die Zahl der Kunden und Verträge stieg. Der operative Gewinn verringerte sich um gut 16 Prozent. Ende vergangenen Jahres hatte Vivendi bereits Stellenkürzungen bei SFR angekündigt, um mit der schwierigen Marktlage klar zu kommen. SFR könnte abgespalten und an die Börse gebracht werden. Finanzchef Capron wollte nicht sagen, wann das Unternehmen über einen Börsengang von SFR entscheiden werde. In Medien war sogar über einen Verkauf an Iliad oder eine Fusion mit dem bislang nicht börsennotierten, französischen Kabelnetzbetreiber Numericable spekuliert worden.

Die Abschmelzung der Telekom-Aktivitäten ist Teil des laufenden Konzernumbaus. Vivendi teilte mit, der Verkauf der Mehrheit an Maroc Telecom nach Abu Dhabi soll bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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