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17.10.2007 
Entscheidung für einen Betreiber

Medienkonzerne starten Handy-TV

von H.-P. Siebenhaar

Die 14 Medienanstalten haben Fernsehgeschichte geschrieben: Gestern entschieden sich die Medienkontrolleure beim Handy-Fernsehen für die Firma Mobile 3.0. Der neue Betreiber, ein Konsortium dreier Unternehmen, soll ARD, ZDF, RTL, Pro Sieben Sat1, aber auch Regionalprogramme und Radiosender auf das Mobiltelefon bringen.

DÜSSELDORF. An dem erst vorige Woche gegründeten Konsortium halten der südafrikanische Medienkonzern Naspers sowie die Verlagshäuser Burda („Focus“, „Bunte“) und Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Zeit“) die Mehrheit. Das neue Angebot soll bei der Fußball-Europameisterschaft im nächsten Jahr zum monatlichen Preis von rund sieben Euro starten. „Wir wollen möglichst schnell Reichweite gewinnen. Je günstiger der Preis, desto niedriger die Hemmschwelle der Kunden“, sagte Paulus Neef von Mobile 3.0 dem Handelsblatt.

Mit ihrer Entscheidung haben die Medienwächter den Telekomkonzernen einen Korb gegeben. Die Deutsche Telekom, Vodafone und 0 2, Tochter des spanischen Telekomriesen Telefonica, hatten sich ebenfalls intensiv um die Lizenz für das Handy-Fernsehen im DVB-H-Standard beworben.

Die Diskussion unter den Medienanstalten war nach Angaben von Beteiligten intensiv. „Es gab keine Favoriten“, sagte Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landesmedienanstalt. Die Entscheidung fiel nach stundenlanger Diskussion dann aber klar aus. „Am Ende gab es eine einmütige Entscheidung“, sagte Reinhold Albert, Chef der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM). Die Anstalten hätten der Lösung mit den Partnern Naspers, Burda und Holtzbrinck vor allem aus Gründen der Medienvielfalt den Zuschlag erteilt.

Fernsehen via Handy ist in Deutschland bisher kaum existent, der Dienst mit Hilfe der technischen Standards UMTS und DMB erwies sich bisher als Flop. In der Branche werden dem DVB-H-Standard derzeit die größten Chancen für den Massenmarkt eingeräumt. In Europa ist das Handy-Fernsehen im Standard DVB-H aber noch in einem Anfangsstadium. Am weitesten ist das Handy-TV in Italien verbreitet. Dort haben bereits über 600 000 Nutzer das Fernsehangebot per Handy für knapp 20 Euro monatlich abonniert.

Die Freude über den Zuschlag war am gestrigen Dienstag bei Mobile 3.0 groß. „Wir freuen uns. Es war bis zum Ende der Diskussion nicht klar, wer den Zuschlag erhält“, sagte Paulus Neef, einer der Initiatoren des Handy-TV. Neef, als Gründer der Internet-Agentur Pixelpark einer der Symbolfiguren der ersten Internet-Welle, ist Geschäftsführer der Neva Media. An der Firma sind Holtzbrinck und Burda zu je einem Drittel beteiligt. Unter den Gesellschaftern ist auch die Medieninvestorin Christiane zu Salm. Neva Media hält wiederum 45 Prozent am Konsortium Mobile 3.0.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der neue Plattformbetreiber Mobile 3.0 muss sich sputen.

Die restlichen 55 Prozent werden von Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) gehalten. Diese Firma wird vom wenig bekannten Medienkonzern Naspers kontrolliert, der viel Erfahrung im Bezahlfernsehen hat.

Der neue Plattformbetreiber Mobile 3.0 muss sich sputen. „Wir erwarten bis zum 9. November einen Vorschlag, wie die 16 Kanäle belegt werden“, sagte DLM-Chef Albert. Zwei Drittel der Belegungen seien bereits klar, über den Rest werde verhandelt. „Wir haben verschiedene Angebote von Inhaltelieferanten“, sagte Neef. Darunter sei auch der Film- und Fernsehproduzent UFA. Die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann gilt als einer der Pioniere des Handy-TV.

Das neue Angebot wird 2008 nicht flächendeckend starten. Insider erwarten, dass lediglich ein Viertel aller potenziellen Kunden das Handy-TV nutzen kann. Am Montag hatte die Bundesnetzagentur T-Systems, Tochter der Deutschen Telekom, den Zuschlag für den technischen Sendebetrieb gegeben.


Das Überall-Fernsehen startet 2008

Euphorie: Die Begeisterung für das Handy-TV ist bei Investoren und Beratern groß. Angesichts einer steigenden Mobilität und anhaltenden Beliebtheit des Handys wird eine große Nachfrage erwartet. In Italien hat der viertgrößte Mobilfunkbetreiber 3 Italia sein mobiles Fernsehangebot bereits an zehn Prozent aller Kunden verkauft.

Start: Das Handy-TV im DVB-H-Standard der Medienkonzerne Naspers, Burda und Holtzbrinck soll im Sommer 2008 zur Fußball-EM starten. Die monatliche Mindestgebühr soll bei sieben Euro liegen.

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