Medienmacher
Bald sind weltweit die Bullen los

Die Premiere von Red Bull Global TV rückt näher. Der NDR ist gegenüber werbenden freien Mitarbeitern nicht so hilflos, wie er tut. Und am Medienstandort Köln will sich ein Weltmarktführer ansiedeln.
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HamburgDas ehrgeizige Vorhaben des Getränkekonzerns Red Bull mit einem weltweit verbreiteten TV-Kanal auf Sendung zu gehen, nimmt so langsam Formen an. Auf der Fernsehmesse MipTV vergangene Woche in Cannes hieß es hinter vorgehaltener Hand, die Konzerntochter Red Bull Media House werde das Projekt mit dem Titel Red Bull Global TV 2016 starten. Ganz bestimmt.

Seine Zentrale soll der Sender im österreichischen Salzburg beziehen, wo die Brausefirma ihren Sitz hat. Eine wichtige Rolle wird auch die Dependance in Los Angeles spielen. In der kalifornischen Metropole soll die Digitalstrategie des Senders entwickelt werden, der jenseits des klassischen Fernsehens auf allen digitalen Plattformen präsent sein will – von der Xbox von Microsoft über Apple TV bis hin zu Amazon Prime. Als weitere Niederlassungen sind London und München in Planung.

Bereits am Rande der MipTV 2014 hatte es geheißen, Red Bull Global TV werde in Jahresfrist auf Sendung gehen. Offenbar aber hatten die Macher des Projekts den Programmbedarf unterschätzt. Dabei waren schon auf der Mipcom 2013 – der stets im Oktober stattfindenden Schwesterveranstaltung der MipTV - Produzenten in Hotel-Suiten gelotst worden, um sie als Programmzulieferer für den neuen Sender zu gewinnen.

Sie bekamen eine 16-seitige Broschüre mit dem Titel „Beyond the Ordinary“ in die Hand gedrückt, aus der unter anderem hervorging, welche Programme Red Bull konkret sucht: Neben Trend- und Extremsportarten, soll der neue Kanal Kulturprogramme anbieten, aus dem Nachtleben berichten, People-Geschichten bringen, sich um Abenteuer- und Naturreportagen kümmern, kreative Neuentwicklungen auf allen möglichen Feldern im Auge behalten und mit der Gaming-Szene vernetzt sein. Auch Beziehungsthemen sollen vorkommen.

Dafür, dass der Start von Red Bull Global TV in nicht mehr in allzu weiter Ferne liegt, spricht auch, dass Red Bull Media House seit einigen Wochen verstärkt Fernsehleute jedweder Couleur sucht – vom TV-Redakteur für einen internationalen Newsroom bis zum Produktionsmanager für internationale Inhalte.

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Vergangene Woche war an dieser Stelle von dem Unmut zu lesen, den die „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers mit ihrem Auftritt als Moderatorin bei der Eröffnung einer McDonald’s-Filiale im NDR verursacht hat. Ein Sendersprecher teilte mit, Rakers habe Kai Gniffke, den Chefredakteur von ARD-aktuell vorab über ihren Nebenjob unterrichtet. Als freie Mitarbeiterin brauche sie sich solche Termine aber nicht genehmigen zu lassen.

Das ist zwar richtig. Aber es klingt ein wenig so, als müsse der Sender die Werbe-Eskapaden seiner Moderatorin hinnehmen. Das muss er jedoch keineswegs. Der Verhaltenskodex des NDR gilt ausdrücklich auch für freie Mitarbeiter. In ihm ist unmissverständlich festgeschrieben, dass „sie ihre Tätigkeit beim NDR nicht für kommerzielle PR, für unangemessen hoch dotierte Nebentätigkeiten oder andere private Vorteile nutzen“ dürfen.

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