Medienmacher
Begrüßungsgeld für Redakteure

In Berlin entsteht ein neuer TV-Vermarkter. In NRW stellt sich die Redaktion einer Tageszeitung komplett neu auf. Und: Was die Werbebranche mit dem Rücktritt von Stefan Raab zu tun hat.
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HamburgIn der vom Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik herausgegeben Rangliste der größten Medienunternehmen der Welt belegt der US-Konzern Viacom, zu dem unter anderem das Hollywood-Studio Paramount gehört, zusammen mit dem Schwesterkonzern CBS mit einem Umsatz von 20,7 Milliarden Euro den sechsten Platz. Wenn sich ein solcher Medienriese sich mit dem für deutsche Verhältnisse auch nicht gerade kleinen Medienhaus Axel Springer („Bild“, „Welt“) zusammentut, kann dabei – zumindest theoretisch – Großes entstehen. Tatsächlich planen beide Häuser aber eine eher überschaubare Partnerschaft. Wie es in Berliner Medienkreisen heißt, wollen Viacom und Springer sich bei der Fernsehvermarktung zusammentun.

Dazu muss man wissen, dass die Amerikaner in Deutschland ausschließlich mit Nischensendern präsent sind. Zu ihrem deutschen Portfolio gehören die Musikkanäle MTV und Viva, der Kindersender Nickelodeon sowie der Kanal Comedy Central. Springer wiederum nennt als einzigen TV-Sender den Nachrichtenkanal N24 sein eigen. Die beiden großen deutschen Fernsehvermarkter IP Deutschland, das zur Mediengruppe RTL Deutschland gehört, und Seven One Media, den Vermarktungsableger der Pro Sieben Sat.1 Media AG, kann die neue Konkurrenz aus der Hauptstadt kaltlassen. Ob das geplante Joint Venture für El Cartel Media, den Vermarkter von RTL II, gefährlich wird, dürfte davon abhängen, ob das neue Joint Venture auch Sender Dritter vermarkten will.

Offiziell halten sich beide Partner bedeckt. Eine Springer-Sprecherin sagt, ihr Haus kommentiere keine Markt-Spekulationen. Ein Viacom-Sprecher äußert sich ähnlich. Dabei ist ein Zusammengehen bei der TV-Vermarktung ein logischer Schritt: Online arbeiten die Vermarktungsableger der beiden Häuser – Axel Springer Media Impact und Be Viacom – bereits seit Frühjahr 2014 zusammen.

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Auf einschneidende Veränderungen müssen sich die Redakteure der in Düsseldorf, Wuppertal, Krefeld und Mönchengladbach erscheinenden „Westdeutschen Zeitung (WZ)“ gefasst machen. Die Redaktion des vom Verlag W. Giradet herausgegebenen Blattes soll in die neu gegründete, nicht tarifgebundene WZ Content GmbH ausgelagert werden. Laut „WZ“-Chefredakteur Ulli Tückmantel ist das erforderlich, weil seine Redakteure künftig nicht nur für die Zeitung, sondern auch für Online, mobile Medien und das Radio arbeiten sollen. Und zwar gern auch für Dritte. Das sei nach dem Tarifvertrag für Redakteure an Tageszeitungen aber nicht möglich. „Wenn ich möchte, dass ein Redakteur einen Videobeitrag dreht und selbst schneidet, bin ich auf das Entgegenkommen der Gewerkschaften angewiesen“, sagt Tückmantel.

Nach Angaben des Chefredakteurs soll niemand gezwungen werden, sich bei der WZ Content GmbH anstellen zu lassen. Die Redakteure will der Verlag offenbar auch mit einer Art Begrüßungsgeld in Höhe von 2.500 Euro in die neue Firma locken. Zudem soll es bei 13,7 Jahresgehältern bleiben. Redakteure, die in tarifgebundenen Verlagen beschäftigt sind, müssen dagegen Einbußen hinnehmen, da nach dem neuesten Gehaltstarifvertrag das Urlaubsgeld und die Jahresleistung reduziert werden. Aber auch die Mitarbeiter der neuen GmbH können zumindest theoretisch Geld verlieren. Garantiert wird ihnen nur 90 Prozent ihres Gehalts. Zehn Prozent werden in variable Gehaltsanteile umgewandelt und nur nach Erreichen bestimmter Ziele ausgezahlt. Laut Tückmantel tritt diese Regelung aber erst 2017 in Kraft. Zudem sei es praktisch unmöglich, mehr als fünf Prozent des Gehalts zu verlieren.

Ob es bei Zuschlägen für Sonntagsarbeit, der bisherigen Anzahl von Urlaubstagen sowie bei Verfügungstagen als Ausgleich für Überstunden bleibt, ist Gegenstand von Verhandlungen von Betriebsrat und Verlag. Theoretisch können 40 bis 50 Mitarbeiter in die neue Gesellschaft wechseln. Der Chefredakteur sagt, er habe „keinen Zweifel daran, dass genügend Leute zusammenkommen“.

Die „WZ“ hat vergangenes Jahr die Zahl ihrer Redakteure halbiert. Sie zählt zu den Blättern, die von der Printkrise besonders heftig gebeutelt sind. In den vergangenen 15 Jahren hat sich ihre verkaufte Auflage nahezu halbiert. Sie liegt derzeit nur noch bei gut 85.000 Exemplaren.

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