Medienmacher
Comeback als Urlaubsvertretung

Claus Strunz vertritt Ulrich Meyer. In der ARD herrscht zumindest ein bisschen Verdruss über Stefan Aust. Und Roland Tichy erleidet mit einer Petition Schiffbruch.
  • 0

HamburgClaus Strunz moderiert wieder: Der Chef von Axel Springers Produktionsgesellschaft MAZ & More TV Produktion, die das „Sat 1 Frühstücksfernsehen“ produziert, wird am 15. und am 22. September durch das Reportage-Magazins „Akte“ von Ulrich Meyer führen, das ebenfalls auf Sat 1 läuft. Das bestätigte eine Sendersprecherin auf Anfrage. Offenbar steht bereits seit Ende 2013 fest, dass Strunz, der in seinem früheren Leben als Printmann Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ und des „Hamburger Abendblatts“ war, Meyer vertreten wird, wenn der verhindert ist.

Beide Journalisten können sehr gut miteinander. Wie es in Senderkreisen heißt, wollte Sat 1 auch nach Auslaufen von Strunz‘ Talkshow „Eins gegen Eins“, die offiziell nie eingestellt wurde, den Springer-Mann an sich binden. Deshalb bot man ihm außer der Stellvertretung Meyers auch Kommentare im „Sat 1 Frühstücksfernsehen“ an, für dessen Produktion Strunz damals noch nicht verantwortlich war.

So trat der gebürtige Franke erstmals Anfang 2014 zu früher Morgenstunde bei Sat 1 als Kommentator in Erscheinung. Die Möglichkeit für eine Vertretung bei „Akte“ hatte sich bis dato hingegen nicht ergeben. Im September aber macht Meyer Urlaub, was er sonst offenbar selten tut.
***

In Teilen der ARD herrscht offenbar Unmut darüber, dass der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust die Filmrechte an seinem Buch „Heimatschutz“, in dem es um die Mordserie des rechtsextremen NSU geht, an die Münchener Constantin Film verkauft hat. Hintergrund: Seit Anfang 2014 ist bekannt, dass Aust zusammen mit der TV-Produzentin Gabriela Sperl für die ARD eine Spielfilmtrilogie zu den NSU-Morden plant. Der erste und der zweite Teil des Projekts sind mittlerweile abgedreht. Die Dreharbeiten zum dritten Teil beginnen im Herbst.

In einer sehr ausführlichen ARD-Pressemitteilung zu dem Projekt vom Mittwoch, anlässlich des Endes der Dreharbeiten des zweiten Teils der Trilogie, wird Aust mit keinem Wort erwähnt. Er hatte den Auftrag zur Entwicklung des Projekts vor allem wegen seines NSU-Buches bekommen.

Federführend bei der Spielfilmtrilogie ist der Bayerische Rundfunk. Mit ihm steht Aust auch in Gesprächen wegen der Entwicklung einer 90-minütigen Dokumentation zu der Mordserie. Sie könnte direkt im Anschluss an die Ausstrahlung der drei Spielfilme gezeigt werden. Allerdings ist die Doku, obwohl schon seit langem geplant, noch nicht in trockenen Tüchern. Das soll aber nicht an der Verstimmung der ARD liegen, sondern daran, dass die geplante Rekonstruktion der NSU-Morde in Spielszenen ungewöhnlich aufwändig sein soll. Eine NSU-Doku der drei ARD-Magazine „Fakt“, „Report Mainz“ und „Report München“, die im November laufen soll und bei der die Bayern ebenfalls federführend sind, ist aber wohl keine Konkurrenzveranstaltung zum Aust-Projekt. Sie beschäftigt sich nach Angaben einer ARD-Sprecherin ausschließlich mit dem Münchener NSU-Prozess.

Aust kann die Aufregung nicht verstehen. Er sagt, er hätte die Filmrechte an seinem Buch auch der ARD verkauft, wenn von ihr ein Angebot gekommen wäre. Ohnehin kann der Ärger des Senderverbundes nicht allzu groß sein. So hat der NDR bei Aust eine Dokumentation über Konrad Heiden, den ersten Biografen Adolf Hitlers in Auftrag gegeben. Und für den Kulturkanal Arte, an dem die ARD beteiligt ist, plant er eine Doku mit dem Titel „Die Neuvermessung der Welt“. Beim Konrad-Heiden-Projekt will Aust mit Studio Hamburg zusammen arbeiten. Für die 90-minütige NSU-Dokumentation – so sie denn zustande kommt – und das Arte-Projekt wird Aust voraussichtlich die Axel-Springer-Tochter WeltN24 ins Boot holen.
***

Seite 1:

Comeback als Urlaubsvertretung

Seite 2:

Fußgängerzone statt Internet?

Kommentare zu " Medienmacher: Comeback als Urlaubsvertretung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%