Medienmacher
Der Ausblick: So wird 2017

Die letzte Ausgabe dieser Kolumne im Jahr 2016 ist eine Vorschau auf das kommende Medienjahr: Es geht um Marktbereinigungen, anstehende Personalien, Verbandsstreitigkeiten, erfolgsversprechende Geschäftsfelder und Konflikte unter Gesellschaftern.
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HamburgRichtig große Schlagzeilen hat der Deal nicht gemacht, was vielleicht auch daran lag, dass die an ihm Beteiligten nicht unbedingt zu den schillerndsten Playern der Zeitungsbranche gehören: Die Headline, „NOZ-Gruppe übernimmt Medien Holding Nord“, klang denn auch alles andere als sexy. Und doch hatte es die Übernahme des mit Abstand größten schleswig-holsteinischen Zeitungshauses durch den vergleichsweise kleinen Verlag der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ in sich. Auf einen Schlag waren die Niedersachen um 32 Tageszeitungen, 40 Anzeigenblätter und 1500 Mitarbeiter reicher. Von jetzt auf gleich rückten sie in die Top Ten der größten deutschen Zeitungsverlage vor.

Der Deal im hohen Norden war der spektakulärste seiner Art im zu Ende gehenden Jahr. Mit Sicherheit wird auch 2017 die Konsolidierung im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt zu den Megatrends der Medienbranche zählen. Dabei wird es aber keineswegs nur um weitere Übernahmen und Fusionen gehen. Branchengrößen wie die Essener Funke Mediengruppe („WAZ“, „Hamburger Abendblatt“) und die Madsack Mediengruppe („HAZ“, „Leipziger Volkszeitung") aus Hannover werden voraussichtlich auch als Dienstleister ihre Stellung im Markt weiter ausbauen. Möglich macht das auch die für kommendes Jahr geplante Novellierung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), die es den Verlagen erlauben wird, stärker als bisher miteinander zusammenzuarbeiten. In ihrem Vorfeld eruieren derzeit die drei Berliner Abonnementzeitungen „Tagesspiegel“, „Berliner Zeitung“ und „Berliner Morgenpost“, ob es sinnvoll ist, Vertrieb, Vermarktung und andere Verlagsdienstleistungen zusammenzulegen.

Auch anderenorts sind Aktivitäten zu beobachten, die vor dem Hintergrund der GWB-Novelle interessante Möglichkeiten eröffnen. So wird Funke in Hamburg die Vermarktung der verlagseigenen Anzeigenblätter, des „Hamburger Abendblatts“ und der „Bergedorfer Zeitung“ ab dem 1. Januar 2017 in der neuen Gesellschaft Mediahafen Hamburg bündeln. Der laut Verlagsangaben „größte Print- und Onlinevermarkter im Norden“ ist ausdrücklich auch „für die Vermarktung externer Medien“ offen. Mit redaktionellen Dienstleistungen sind Funke und Madsack längst am Markt.

Beide Verlage unterhalten Zentralredaktionen, die auch Regional- und Lokalblätter Dritter mit überregionalen Berichten beliefern können. Vor diesem Hintergrund ist es keineswegs unwahrscheinlich, dass Regional- und Lokalzeitungen kleinerer Häuser künftig sich im Wesentlichen auf die Produktion lokaler und regionaler Inhalte beschränken. Dienstleistungen wie Vermarktung und Vertrieb, aber auch die überregionale Berichterstattung, kann bei den Großen der Branchen eingekauft werden.

Dass Funke für die schöne neue Zeitungswelt bestens aufgestellt ist, verdankt die Mediengruppe auch ihrem Geschäftsführer Manfred Braun. Misslich für die Essener ist allerdings, dass der 64-Jährige laut Informationen aus Unternehmenskreisen seinen 2017 auslaufenden Vertrag bis jetzt nicht verlängert hat. Auch über einen möglichen Nachfolger ist – abgesehen von halbgaren Gerüchten – nichts bekannt. Ausgeschlossen werden kann nach Meinung dieser Kolumne, dass Brauns Co-Geschäftsführer Michael Wüller Funke künftig alleine führt. Wenn es um Zahlen geht, macht dem Diplom-Finanzwirt zwar kaum einer was vor. Als visionärer Medienexperte ist er bisher aber eher weniger in Erscheinung getreten. Will Funke seine starke Stellung im Markt behaupten, muss die offene Führungsfrage schnell geklärt werden.

Dem durchaus verdienten Medienmanager Braun ist zuletzt aber auch nicht alles gelungen. Als Vorstandsvorsitzender des wichtigen Fachverbandes Publikumszeitschriften im Verband Deutscher Zeitschriften (VDZ) stand er im Mittelpunkt des Streites um die Wahl des neuen VDZ-Präsidenten, des Funke-Gesellschafters Stephan Holthoff-Pförtner. In dessen Verlauf kündigten vier Verlage, an ihrer Spitze die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) ihren Austritt aus dem Fachverband zum 1. Juli 2017 an. Wenn sich die Print-Branche angesichts der Digitalisierung im Allgemeinen und der Herausforderung durch Internet-Konzerne wie Google und Facebook im Besonderen eines nicht leisten kann, ist es der VDZ-Streit. Dessen Beilegung müsste für alle Beteiligten oberste Priorität haben.

Eine Lösung des Konflikts könnte beispielsweise so aussehen, dass der VDZ ein transparentes Verfahren zur Nominierung von Präsidentschaftskandidaten beschließt – womöglich zusammen mit einer verbindlichen Frauenquote. Denn bisher sind Medienmanagerinnen in den Verbandsgremien kaum vertreten. Im VDZ-Präsidium gibt es keine einzige Frau. Diese Reformen könnten sich die vier Rebellen-Verlage ans Revers heften und auf einen Austritt verzichten. Doch wie realistisch ist ein solches Szenario? Das Gespräch zwischen der Anführerin der austrittswilligen Verlage, G+J-Chefin Julia Jäkel und VDZ-Präsident Holthoff-Pförtner vergangenen Montag soll im Ton höflich in der Sache aber unverbindlich gewesen sein. Und die Überprüfung der Druckverträge mit der Bertelsmann-Tochter Prinovis durch Funke, eine der unschönen Weiterungen des VDZ-Streits, ist entgegen anderslautender Meldungen noch keineswegs vom Tisch.

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