Medienmacher
Der Hoffnungsträger vom „Spiegel“

Ove Saffe wechselt zur Funke-Mediengruppe. Gruner + Jahr kommt sehr kostengünstig an eine erfolgreiche Zeitschrift. Und eine Pressemitteilung von Axel Springer und Pro Sieben Sat.1 wirft viele Fragen auf.
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HamburgEs ist die Personalie des Monats: Ove Saffe, zuletzt „Spiegel“-Geschäftsführer, geht zur Funke-Gruppe („WAZ“), um dort die Verantwortung für die ehemaligen Springer-Blätter „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ zu übernehmen. Offenbar ist man in der Essener Zentrale mit der Auflagenentwicklung beider Titel nicht so fürchterlich zufrieden – vor allem nicht mit der des „Abendblatts“, das zuletzt auf eine verkaufte Auflage von nur noch gut 170.000 Exemplaren kam. „In einer Stadt wie Hamburg ist mehr möglich“, sagte eine Funke-Führungskraft. Saffe kommt für Frank Mahlberg, der sieben Jahre lang als Geschäftsführer an der Spitze der beiden Regionalblätter stand.

Die miese Auflagensituation beider Zeitungen ist aber offenbar nur ein Aspekt der Berufung Saffes. In Verlagskreisen heißt es, der einstige „Spiegel“-Mann könne mittelfristig in die Geschäftsführung der Funke-Gruppe berufen werden, um als Nachfolger von Manfred Braun aufgebaut zu werden. Braun, der in dem Führungsgremium für Zeitungen und Zeitschriften verantwortlich ist, nähert sich dem Rentenalter: Er vollendete kürzlich sein 63. Lebensjahr.


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Mit der Gründung eines Joint Ventures mit dem in Münster ansässigen Landwirtschaftsverlag ist Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel ein Coup gelungen. In das Gemeinschaftsunternehmen bringen die Münsterländer neben dem Rezeptmagazin „Einfach hausgemacht“ auch ihren ruralen  Wohlfühltitel „Landlust“ ein, dessen verkaufte Auflage sich bei über einer Million Exemplare eingepegelt hat und der damit die mit Abstand erfolgreichste Neugründung der Zeitschriftenbranche der letzten zehn Jahre ist. G+J-Führungskräfte erzählen, die Hamburger Verlagslenkerin hätte „Landlust“ am liebsten komplett übernommen. In den Gesprächen mit dem Landwirtschaftsverlag, die Anfang des Jahres begannen, wurde jedoch recht sehr schnell klar, dass dies für ihre Gesprächspartner keine Option war.

Die nun gefundene Lösung ist für Gruner + Jahr ausgesprochen kostengünstig. Im Zusammenhang mit der Gründung des Gemeinschaftsunternehmens fließt kein Geld von Hamburg nach Münster, wie ein G+J-Sprecher auf Anfrage bestätigt. Allerdings bringt das Zeitschriftenhaus vom Hamburger Baumwall gleich vier Zeitschriften („Essen & Trinken“, „Essen & Trinken für jeden Tag“, „Living at Home“, „Flow“) in das Joint Venture ein, von denen zumindest eine zum zu den Traditionstiteln des Hauses zählt: „Essen & Trinken“ wurde 1972 von Jäkels einstiger Förderin Angelika Jahr entwickelt, die damit den Grundstein für ihre Karriere als Journalistin und Verlegerin legte.

Zudem erreichte der Landwirtschaftsverlag, dass das Gemeinschaftsunternehmen seinen Sitz in Münster haben wird. Allerdings ist das nicht mehr als ein Symbol. Keine der betroffenen Redaktionen muss umziehen. Zwei Geschäftsführer – einer von Gruner + Jahr, einer vom Landwirtschaftsverlag – werden dem Joint Venture vorstehen. Bei den Hamburgern würde sich Soheil Dastyari für diesen Posten anbieten, der bereits die G+J-Food- und Living-Titel verantwortet. Völlig offen ist übrigens, ob und wenn ja wie „Landlust“ und „Einfach hausgemacht“ in Gruner + Jahrs Communities of Interest eingebunden werden, in denen das Zeitschriftenhaus seit 2013 seine Titel thematisch bündelt – mit dem Ziel, um sie herum diverse E-Commerce-Aktivitäten zu entwickeln. 


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