Medienmacher
Der unbemerkte Ausverkauf

Wie der Süddeutsche Verlag sich von Tafelsilber trennte. Was man bei der ARD über einträgliche Engagements bei Prozessgegnern denkt. Und wo man heute noch längst verblichene Sender feiert.
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Eine der Besonderheiten des Münchener Zeitungsmarktes war bisher die gesellschaftsrechtlich enge Verbandelung der konkurrierenden Abonnementsblätter „Süddeutsche Zeitung (SZ)“ und „Münchner Merkur“. Dem Süddeutschen Verlag, in dem die „SZ“ erscheint, gehörten 12,5 Prozent der Anteile am Münchener Zeitungs-Verlag, der den „Merkur“ herausgibt und dessen Hauptgesellschafter der Verleger Dirk Ippen ist. Weitere 12,5 Prozent hielt der Süddeutsche Verlag am Zeitungsverlag Oberbayern, der wiederum über die WWZ Beteiligungsgesellschaft mittelbar am „Merkur“ beteiligt ist. Zudem gehörten dem Münchener Zeitungshaus 12,5 Prozent an Ippens Boulevardblatt „tz“. An diesem Titel war es über den Zeitungsverlag Oberbayern und die WWZ auch mittelbar beteiligt.

Tempi passati. Bereits im Mai vergangenen Jahres hat sich der Süddeutsche Verlag von seinen Zeitungsbeteiligungen im Umfeld Ippens komplett getrennt. Eine Sprecherin der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), die seit 2008 Hauptgesellschafterin des Verlags der „SZ“ ist, begründet dies damit, dass die „Minderheitsbeteiligungen … dem Süddeutschen Verlag keine operativen Einflussmöglichkeiten gegeben“ hätten.

Übernommen haben die Anteile die bisherigen Mitgesellschafter. Publiziert wurde der Verkauf allerdings nie. Selbst in der Datenbank der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich KEK, in der penibel und bis in die kleinsten Verästelungen hinein die Beteiligungsverhältnisse im deutschen Medienmarkt aufgelistet sind, werden die bereits vor einem Jahr abgestoßenen Anteile an den Firmen noch dem Süddeutschen Verlag zugerechnet.

Der Vorgang erinnert an die Veräußerung der Hörfunk-Holding SV Teleradio durch das Münchner Zeitungshaus an die „Augsburger Allgemeine“ im Januar 2014. Damals war in der Branche gemutmaßt worden, die in Stuttgart beheimatete SWMH benötige den Verkaufserlös, um Kredite bei ihren Banken bedienen zu können. Auch die Veräußerung der Anteile an den drei Unternehmen aus dem Ippen-Umfeld wird in Unternehmenskreisen mit den Bankschulden der SWMH in Verbindung gebracht.

Die Schwaben hatten 2008 für geschätzt etwa eine Milliarde Euro 62,5 Prozent am Süddeutschen Verlag übernommen. Den dafür erforderlichen Kredit wollten sie offenbar mit Hilfe der Gewinne der „SZ“ tilgen. Doch dann kam die Zeitungskrise dazwischen. Die SWMH, die zuletzt bei Erlösen von 871 Millionen Euro Verluste in Höhe von 71,4 Millionen Euro schrieb, schuldete 2013 ihren Banken noch 304,5 Millionen Euro. Ihre Zahlen für 2014 haben die Stuttgarter noch nicht veröffentlicht.

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