Medienmacher
Der unglückliche Starwerber von Axel Springer

Wieso es bei Media Impact rumort. Warum in der Berliner Karl-Liebknecht-Straße bald keine Zeitungen mehr produziert werden könnten. Und wieso sich eine Pro-Sieben-Tochter von der österreichischen Politik gegängelt fühlt.
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HamburgIn Agenturkreisen genießt Andreas Geyr einen exzellenten Ruf. Dass der 47-Jährige es schaffte, nicht nur Deutschland- sondern auch Europa-Chef der französischen Werbeagentur Havas zu werden, nötigt vielen in der Branche Respekt ab. Dem gelernten Werber, der seit April als Chefvermarkter von Axel Springer („Bild“, „Welt“) wirkte und nun seine wichtigsten Aufgaben an den Vertriebschef des Hauses Christian Nienhaus abgeben muss, dürften schon bald die ersten Jobangebote ins Haus flattern. Ob Geyr, der laut Springer nun nur noch „markenübergreifend kreative Vermarktungsstrategien“ verantworten soll, dem Medienhaus dennoch die Treue halten wird? Nicht jeder in seinem Umfeld will dafür seine Hand ins Feuer legen.

Dass ein so angesehener Werbemanager wie Geyr innerhalb kürzester Zeit bei Springer scheiterte, ist wohl vor allem auf den Kulturunterschied von Agenturen und Verlagen zurückzuführen. Auf einer gemeinsamen Roadshow mit seinem Vorgänger Peter Würtenberger habe der Neue trotz bester Umgangsformen und selbstsicherem Auftreten seine mangelnde Verlagskompetenz gegenüber Werbetreibenden nicht verbergen können, heißt es in Branchenkreisen. Entscheidend war womöglich, dass Geyr bei Springers Vermarktungspartner, der Essener Funke Mediengruppe („WAZ“, „Hamburger Abendblatt“), kein Bein auf den Boden bekam. Die Westdeutschen, halten 25,1 Prozent der Anteile an der Media Impact, deren Chef Geyr war. Sie vermarktet ihre Titel gemeinsam mit denen des Berliner Medienhauses.

Mit der Absetzung Geyrs sind die Rochaden an der Spitze von Media Impact keineswegs beendet. Funke ist in der Geschäftsführung des Vermarkters bisher kommissarisch mit Verlagschef Manfred Braun vertreten. Wer langfristig dort die Fahne der Essener hochhalten soll, ist offen. Gehandelt für den Job wurden bisher Daniela Sakowski, Vermarktungschefin der Zeitschriften der Funke Gruppe, sowie Harald Wahls, Geschäftsführer der „Braunschweiger Zeitung“, die auch zum Reich der Westdeutschen gehört.

Nach der Berufung von Nienhaus wäre es nur folgerichtig, wenn Wahls ebenfalls an die Spitze von Media Impact rückte. Beide Manager haben in der Vergangenheit bei Funke, wo Nienhaus erst Anfang 2014 ausschied, eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Ob Wahls, der bei der „Braunschweiger Zeitung“ schalten und walten kann, wie er will, aber der Sinn nach einer Tätigkeit steht, bei der er sich stets mit seinem Co-Geschäftsführer abstimmen muss, ist zumindest fraglich. Dennoch läuft alles auf eine Doppelspitze hinaus: Springer dürfte es als Hauptgesellschafter kaum akzeptieren, dass ein Funke-Mann allein Media Impact führt.

Geyr ist übrigens mit Würtenberger befreundet. Weil aber sein Vorgänger nicht an der Suche nach seinem Nachfolger beteiligt gewesen sei, habe zu keinem Zeitpunkt ein Interessenkonflikt bestanden, sagt eine Unternehmenssprecherin. Dennoch kamen in Verlagskreisen im Zusammenhang mit der Personalie wieder Spekulationen um einen Beratervertrag mit einem anderen Würtenberger-Freund hoch: Der ehemalige VW-Marketingchef Jochen Sengpiehl beriet die Vermarktungstochter von Mitte 2012 bis Ende 2014. Danach trat er in die Dienste von Hyundai. Sein Vertrag soll sehr gut dotiert gewesen sein.

Springers interne Revision habe einen Compliance-Fall gewittert und die Sache untersucht, heißt es. Das allerdings bestreitet die Sprecherin. Eben weil Würtenberger und Sengpiehl gute Freunde sind, habe neben Vorstandsmitglied Andreas Wiele anstelle des CEO der Vermarktungstochter deren COO Carsten Dorn den Kontrakt mit dem Vermarkter unterschrieben. Der Vertrag Sengpiehls sei weder ungewöhnlich gut dotiert gewesen, noch habe man ein branchenunübliches Fixum vereinbart.
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